Drama | Kanada/Deutschland 2015 | 95 Minuten

Regie: Atom Egoyan

Ein alter, an Demenz leidender Mann begibt sich im Auftrag eines ebenfalls hochbetagten Freundes auf die Suche nach einem ehemaligen SS-Mann, der die Hauptschuld an der Ermordung ihrer Familien in Auschwitz trägt. Auf Grund seiner Vergesslichkeit muss er sich sein Ziel, den Täter zu stellen und ihn zu töten, immer wieder mit Hilfe eines Briefes vergegenwärtigen. Der gut konstruierte und packend inszenierte Thriller lebt vor allem von seinen grandiosen Darstellern. Dabei wird die Glaubwürdigkeit der Handlung gelegentlich überstrapaziert und führt zudem zu einem mitunter allzu reißerischen Umgang mit dem Holocaust-Thema. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
REMEMBER
Produktionsland
Kanada/Deutschland
Produktionsjahr
2015
Regie
Atom Egoyan
Buch
Benjamin August
Kamera
Paul Sarossy
Musik
Mychael Danna
Schnitt
Christopher Donaldson
Darsteller
Christopher Plummer (Zev Guttman) · Dean Norris (John Kurlander) · Martin Landau (Max Zucker) · Henry Czerny (Charles Guttman) · Jürgen Prochnow (Rudy Kurlander 4)
Länge
95 Minuten
Kinostart
31.12.2015
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Thriller
Diskussion
Wie kann man sich seiner Vergangenheit stellen, wenn man sie komplett vergessen hat? Dieser Widerspruch prägt Atom Egoyans „Remember“. Mit seiner Chuzpe, heikle Themen zum Gegenstand eines unterhaltsamen Thrillers zu machen, hat der kanadisch-armenische Regisseur schon harsche Kritik einstecken müssen. Inwieweit Egoyan hier sozusagen ein zweifaches Sakrileg begeht, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Allein der Umstand eines dementen alten Mannes als Protagonisten dürfte für viele schon eine Zumutung sein. Zumal der Film, anders als etwa „An ihrer Seite“ (fd 38 472), „Still Alice“ (fd 42 945) oder „Honig im Kopf“ (fd 42 871), in denen die Krankheit und ihre Folgen ernsthaft behandelt werden, den mentalen Zerfall zu rein dramaturgischen Zwecken nutzt. Primär aber ist es das Auschwitz-Sujet, das „Remember“ zum Stein des Anstoßes macht. Damit berührt Egoyan eine Grundsatzfrage, die 1993 einen Bilderstreit um „Schindlers Liste“ (fd 30 663) entfachte: Darf der Holocaust „hollywoodisiert“ (Claude Lanzmann) werden? Ist Rühr-, Spannungs- oder gar Horrorkino legitim, wenn dessen Motive gleichsam direkt aus der Vernichtungsmaschinerie der Nazis stammen? Zev lebt in einem Altenheim und muss jeden Morgen dar

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