Der Zorn junger Männer

Dokumentarfilm | Deutschland 2013 | 90 Minuten

Regie: Uli Kick

Ein gerichtlich bestelltes Therapeuten-Team trifft auf acht Gewalttäter zwischen 17 und 22 Jahren, die verstehen und emotional nachvollziehen sollen, was sie anderen angetan haben. Ein Jahr lang müssen sich die jungen Männer zu einem „Anti-Aggressions-Training“ einfinden, andernfalls droht unmittelbare Haft. Allmählich tasten sie sich dahin vor, was in ihnen passiert, wenn sie alle Hemmungen fahren lassen. Der Dokumentarfilm beschreibt die spannende Gruppendynamik und nutzt geschickt das therapeutische Setting aus Dialogen, „Interviews“ und Gruppensituationen, um den Bewusstwerdungsprozess der Protagonisten mitzugehen, die sich während des Jahres sichtbar verändern. - Ab 16.
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Filmdaten

Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2013
Produktionsfirma
Filmworks/ARTE/BR/WDR
Regie
Uli Kick
Buch
Uli Kick
Kamera
Waldemar Hauschild
Schnitt
Gaby Kull-Neujahr
Länge
90 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Dokumentarfilm
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IMDb | TMDB

Diskussion
Mit voller Kraft schlägt der bärenhafte Coach zu, hart und mitleidslos. Er rammt seinen schweren Judoka-Körper gegen den schmächtigen Jüngling, dessen Dauergrinsen zur Schreckensmaske erstarrt, weil ihm die Wucht des Angriffs den Atem raubt. Und als er nach wenigen Momenten schon wieder oberschlau kommentiert, dass das doch gar nicht so schlimm gewesen sei, explodiert der Hüne und nimmt ihn derart rabiat in den Schwitzkasten, dass man um das Leben des Blondschopfs fürchtet. Doch im Gegensatz zu seinem Gegenüber hat der Trainer seine Emotionen unter Kontrolle. Er ist Teil eines gerichtlich bestellten Teams von Therapeuten, die acht jungen Gewalttätern zwischen 17 und 22 Jahren eine letzte Chance geben. Die jugendlichen Schläger sollen verstehen und emotional nachvollziehen, was sie anderen angetan haben, im Suff oder aus blinder Wut, mit Fäusten, Füßen, Bierflaschen, Knüppeln. Ein Jahr lang haben sie sich montags um 18 Uhr zu einem „Anti-Aggressions-Training“ einzufinden, andernfalls droht unmittelbare Haft. Bei den Treffen mit dabei: der Filmemacher Uli Kick und sein Kameramann Waldemar Hauschild, die ein erstaunliches Experiment protokollieren. Denn die gerichtlich erzwungene Teilnahme der desinteressierten Schläger weicht zusehends einer spannenden Gruppendynamik, in der die üblichen Ausreden, warum das alles so gekommen ist, keinen Bestand haben. Mit massiven Provokationen, der Konfrontation mit Rettungssanitätern, extremen körperlichen Erfahrungen wie dem Sparring mit Judoka oder peinigenden Fragen nach eigenen Gewalterfahrungen in der Kindheit tasten sich die jungen Männer dahin vor, was in ihnen abgeht, wenn sie alle Hemmungen fahren lassen – und wie sie diesen Mechanismus in Zukunft unterbrechen können. Der Dokumentarfilm nutzt dabei mit großem Geschick das therapeutische Setting aus Dialogen, „Interviews“ und Gruppensituationen, um kammerspielartig den Bewusstwerdungsprozess der Protagonisten mitzugehen, die sich während des Jahres sichtbar verändern. Der Fluch, dass wer als Kind geschlagen wurde, als Erwachsener ebenfalls zur Gewalt neigt, kann, so zeigt es der Film, durchaus aufgehoben werden.
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