Dokumentarfilm | Italien/Frankreich 2016 | 114 Minuten

Regie: Gianfranco Rosi

Auf der Mittelmeerinsel Lampedusa prallen aktuelle Gegensätze aufeinander: Wo früher einfache Fischer ihrem Alltag nachgingen, stranden in wachsender Zahl Tausende Afrikaner, die sich mit viel Hoffnung auf ein besseres Leben aufs Meer gewagt haben. Ein ruhig erzählter Dokumentarfilm als mutiger Beitrag zum europäischen Umgang mit der Flüchtlingskrise, der facettenreich einen Mikrokosmos beleuchtet, in dem existenzielle Not und bürgerliche Normalität hautnah nebeneinander liegen. Mit ausgesuchten Einstellungen und sinnträchtigen Verdichtungen konfrontiert die filmästhetisch nicht widerspruchsfreie Gestaltung mit einer humanitären Katastrophe, vor der man nicht weiter die Augen schließen kann. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
FUOCOAMMARE
Produktionsland
Italien/Frankreich
Produktionsjahr
2016
Regie
Gianfranco Rosi
Buch
Gianfranco Rosi
Kamera
Gianfranco Rosi
Schnitt
Jacopo Quadri
Länge
114 Minuten
Kinostart
28.07.2016
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion
Der Begriff „Themenkino“ ist in den letzten Jahren zu einem beliebten Schimpfwort der deutschen Filmkritik avanciert. Zu Recht. Bezeichnet er doch – polemisch formuliert – ein Kino, das kein Kino ist. Genauer: Ein Kino, das nur Inhalt sein will und nicht Form. Ein Kino, das die gesellschaftliche oder politische Relevanz seines Themas mit seiner Relevanz als Kunstwerk gleichsetzt. Begünstigt wird solch ein Kino in Deutschland durch die Drehbuch-Fixiertheit der Filmförderungen, die Macht des Fernsehens und durch die Auswahlpolitik des bedeutendsten deutschen Filmfestivals: der „Berlinale“. Umso schöner, dass dort in diesem Jahr mit „Seefeuer“ des Italieners Gianfranco Rosi ein Film gewonnen hat, der trotz seines zeitpolitisch virulenten Themas dezidiert kein „Themenkino“ ist (das Gegenbeispiel war in Berlin der zweite Dokumentarfilm im Wettbewerb: der Cyberkriegsfilm „Zero Days“ von Alex Gibney). Rosis Ansatz ist weit entfernt vom journalistischen Fernsehdokumentarismus. Er ist ein Filmemacher, der nichtfiktionalen Film dezidiert für die große Leinwand „inszeniert“. Das kann bisweilen durchaus wörtlich genommen werden. Wenn zu Beginn der Protagonist Samuele mit einem Freund auf einem Motorroller über die I

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