The Affair

Drama | USA 2014 | Staffel 1: 537 (zehn Folgen) Staffel 2: 675 Minuten

Regie: Mark Mylod

Ein mit sich und seinem Leben als mäßig erfolgreicher Autor und Vater von vier Kindern unzufriedener New Yorker trifft im Urlaub auf Long Island eine ähnlich unglückliche Frau. Zwischen ihnen entwickelt sich eine mehrwöchige Affäre, die auch Jahre später noch ihre Auswirkungen zeigt, als die beiden ins Zentrum einer Mordermittlung geraten. Erste Staffel einer amerikanischen Fernsehserie, die die unberechenbare Entwicklung eines Liebesverhältnisses psychologisch genau und mit bemerkenswert komplexen, großartig gespielten Figuren beschreibt. Dabei stellen die zehn Folgen jeweils die Wahrnehmung der Hauptfiguren einander gegenüber, was reizvoll divergierende Blicke auf das Geschehen erlaubt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE AFFAIR
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2014
Regie
Mark Mylod · Jeffrey Reiner · Carl Franklin · Ryan Fleck
Buch
Sarah Treem · Hagai Levi · Eric Overmyer · Melanie Marnich · Kate Robin
Kamera
Steven Fierberg
Musik
Marcelo Zarvos
Schnitt
Pete Beaudreau · Todd Desrosiers · Louis Cioffi · Dana Congdon
Darsteller
Dominic West (Noah Solloway) · Ruth Wilson (Alison Lockhart) · Maura Tierney (Helen Solloway) · Joshua Jackson (Cole Lockhart) · Julia Goldani Telles (Whitney Solloway)
Länge
Staffel 1: 537 (zehn Folgen) Staffel 2: 675 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0 (Folge 8)
ab 12 (Folgen 3,5-7,9)
ab 16 (Folge 1,2,4,10)
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Liebesfilm

Heimkino

Verleih DVD
Paramount (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
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Man muss es Freischwimmen nennen, was Noah Solloway frühmorgens im Schwimmbad tut. Wenn er mit kräftigen Stößen seine Bahnen zieht, wirkt er einmal am Tag nicht angespannt und nervös. Grund dafür hat er ansonsten genug: Seine Ambitionen einer Schriftstellerkarriere hat er jahrelang hinter einem Lehrerjob in einer New Yorker High School verborgen, sein kürzlich erschienener erster Roman wurde gleichgültig aufgenommen. Die Beziehung zu seiner Frau Helen hat nach fast zwanzig Jahren auch an Leidenschaft abgebaut, sodass sie im Wesentlichen nur noch wegen ihrer vier Kinder zusammenhält.

Diskussion
Man muss es Freischwimmen nennen, was Noah Solloway frühmorgens im Schwimmbad tut. Wenn er mit kräftigen Stößen seine Bahnen zieht, wirkt er einmal am Tag nicht angespannt und nervös. Grund dafür hat er ansonsten genug: Seine Ambitionen einer Schriftstellerkarriere hat er jahrelang hinter einem Lehrerjob in einer New Yorker High School verborgen, sein kürzlich erschienener erster Roman wurde gleichgültig aufgenommen. Die Beziehung zu seiner Frau Helen hat nach fast zwanzig Jahren auch an Leidenschaft abgebaut, sodass sie im Wesentlichen nur noch wegen ihrer vier Kinder zusammenhält. Selbst der Sommerurlaub lockt Noah nicht besonders: Die Zeit müsste an sich für sein zweites Buch reserviert sein, doch die Ferien sind ihm von vornherein vergällt, fahren sie doch einmal mehr zu seinen snobistischen Schwiegereltern in deren Villa auf Long Island. Glücklich sei er damals gewesen, erklärt Noah aus dem Off, doch die Bilder der US-Serie „The Affair“ erzählen eine andere Geschichte. Bei seinen Streifzügen über die Insel trifft der unzufriedene Mittvierziger auf eine ähnlich vereinsamte Seele, die rund zehn Jahre jüngere Alison Lockhart. Alison, Kellnerin in einem Strandrestaurant und ebenfalls verheiratet, leidet noch immer am Unfalltod ihres kleinen Sohns vier Jahre zuvor, und auch das Verhältnis zu ihrem Mann ist gestört. Es ist keine Überraschung, dass sich zwischen Noah und ihr nach weiteren Begegnungen die titelgebende Affäre entwickelt, doch gelingt es den zehn Episoden der ersten Staffel, die Entwicklung des Liebesverhältnisses stets offen und unerwartet zu halten. Effektiv ist dabei vor allem die Präsentation der Ereignisse nach dem „Rashomon“-Muster: Jede Folge zeigt einen Abschnitt einmal aus Noahs und einmal aus Alisons Sicht, wobei Orte, Zeitpunkte und Handlungen teilweise erheblich divergieren, sodass sich potenziell beide als unzuverlässige Erzähler erweisen. Hinzu kommt das frühe Wissen des Zuschauers um ein sich anbahnendes Verbrechen, das irgendwie mit der Affäre zusammenhängen muss. „The Affair“ treibt die Geschichte trotz der Perspektivwechsel und verschiedenen Zeitebenen ohne allzu viele Nebenstränge voran. Zwar werden auch Fragen wie die nach den Klassengegensätzen in den USA und dem Konflikt zwischen Tradition und Moderne auf der vom Tourismus abhängigen Insel angespielt, beeindruckend ist die Serie aber vor allem durch ihre komplexen Hauptfiguren: Dominic West zeichnet Noah als ratlos Suchenden, der es im Grunde allen recht machen will, während Ruth Wilson ihrer Alison Verletzlichkeit, aber auch eine sphinxhafte Unberechenbarkeit verleiht. Die Aussicht, diesen beiden noch länger (in Amerika ist bereits die 3. Staffel beschlossen) durch Höhen und Tiefen ihrer Beziehung zu folgen, ist äußerst reizvoll.
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