Literaturverfilmung | Deutschland 2016 | 112 Minuten

Regie: Laura Lackmann

Die junge, aufgeweckte Angestellte einer Event-Agentur stürzt nach ihrer fristlosen Kündigung in eine tiefe seelische Krise. Als sie von ihrem Umfeld keine Hilfe erfährt und auch noch von ihrem Lebensgefährten verlassen wird, sucht sie ihr Heil in einer Psychotherapie. Der unentschlossen zwischen aufgekratzter Komödie und ernsthaftem Drama schwankenden Verfilmung eines konfektionierten Bestseller-Romans gelingt es nicht, ein glaubwürdiges Bild der depressiven Frau zu zeichnen. Stereotype Nebenfiguren und übertriebene Slapstick-Szenen untergraben zusätzlich die Geschlossenheit des im Grund durchaus selbstbewusst inszenierten Debütfilms. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2016
Regie
Laura Lackmann
Buch
Laura Lackmann
Kamera
Sten Mende
Musik
Jan Weigel
Schnitt
Gergana Voigt
Darsteller
Claudia Eisinger (Karo) · Katja Riemann (Mutter Luzy) · Barbara Schöne (Oma Bille) · Laura Tonke (Anna) · Maximilian Meyer-Bretschneider (Max)
Länge
112 Minuten
Kinostart
12.05.2016
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Literaturverfilmung | Tragikomödie

Heimkino

Verleih DVD
Warner (16:9, 2.35:1, DD5.1 dt.)
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Hyperaktive Event-Managerin stürzt in seelische Krise und finden keinen Weg, der daraus wieder hinausführen würden. Nach einem Bestseller von Sarah Kuttner.

Diskussion
Karo Herrmann ist ganz schön anstrengend, das merkt man sofort: immer einen Tick zu laut, zu hektisch, zu ungeduldig. Mit ihrer nassforschen, vorlauten Art geht sie ihren Mitmenschen zunehmend auf die Nerven, und das hat Folgen: Ihre Chefin wirft sie kurzerhand aus der Event-Agentur, bei der sich Karo doch so gut aufgehoben fühlte. Prompt resultiert daraus ein veritabler Nervenzusammenbruch mitten im Baumarkt, der ein erstes Zeichen setzt: Karo braucht Hilfe. Ihre beste Freundin Anna geht allerdings auf Distanz. Mutter Lucy versteht auch nicht so recht, was die ganze Aufregung soll, und Oma Bille ist ebenfalls keine große Hilfe. Schlimmer ist allerdings, dass Karo von ihrem Freund Philipp, der von so viel komplizierter Weiblichkeit überfordert ist, auch noch den Laufpass erhält. Jetzt hilft nur noch eines: eine Therapie. Und so stürzt sich die junge Frau voller Eifer in die Gespräche mit der Psychotherapeutin Annette. Doch wie benimmt man sich als Patientin? Karo erzählt drauflos, aufgeregt und übergeschnappt, übertreibt ihre Sorgen ein wenig und dichtet sogar ein Trauma aus der Kindheit hinzu. Die Panikattacken lassen sich so nicht bändigen, die lähmenden Depressionen erst recht nicht. Wenigstens bekundet Max, ein ehemaliger Arbeitskollege, Interesse und bietet seine Hilfe an. „Mängelexemplar“ ist die Verfilmung eines Bestsellers von Sarah Kuttner, die früher als Moderatorin bei einem Videosender arbeitete. Ähnlich wie Charlotte Roche („Feuchtgebiete“) oder Hape Kerkeling („Ich bin dann mal weg“) profitierte sie von ihrer Fernseh-Popularität, die das Kaufinteresse am Selbstgeschriebenen anheizt, Kritiker allerdings genervt zurücklässt. „Adrenalinprosa und Cartoonsprache“, konstatierte die ZEIT, und fragte, „warum in diesem Buch wirklich alles, jeder Satz, jede Metapher den Geschmack von Hysterie und den Sound pubertären Gekreischs haben muss“, um sich dann über den „Jargon aufgekratzter Uneigentlichkeit“ zu beschweren. Regiedebütantin Laura Lackmann hat nun versucht, für die Aufgekratztheit der Worte entsprechende Bilder zu finden. Sie geht gleich in die Vollen und treibt den Film in einer Mischung aus Überdrehtheit und Klamauk voran. Dabei scheute sie keine Klischees: Die Agentur-Chefin ist mit riesengroßer Hornbrille und strengem Kostüm deutlich als Stereotyp angelegt, die Mischung aus versteckter Skrupellosigkeit und gespieltem Verständnis lässt sich nur mit sehr viel gutem Willen als Kritik an aktueller Unternehmenskultur verstehen. Auch andere Nebenfiguren, Katja Riemann als Mutter oder Barbara Schöne als Großmutter, geben nur unglaubwürdige Karikaturen ab, während die Männer zumeist doof oder abwesend sind. Selbst die Mitwirkung von Detlev Buck (in einem Cameo als Karos Vater) bürgt nicht für Qualität. Der Wutausbruch im Baumarkt ist purer Slapstick, auf der Tonspur wiederholen Stimmen Gesagtes oder reden der Hauptfigur etwas ein. Etwas einfallsreicher ist die Bilder-Serie von Plätzen, an denen Karo schon geweint hat, und der Stromausfall in ganz Berlin, wenn sie mal wieder den Mut verliert. Lackmann geht selbstbewusst mit ihren visuellen und akustischen Einfällen um; als homogenes Ganzes fügen sie sich allerdings nicht zusammen. Viel zu überspitzt ist die Inszenierung, als dass sie das Bild einer depressiven Frau glaubwürdig zeichnen könnte, zumal die Idee, Karos „inneres Kind“, mit dem sie sich auseinandersetzen und versöhnen soll, zu visualisieren, sehr neckisch ist. „Hedi Schneider steckt fest“ (fd 43 058), in dem es auch um Angst- und Panikattacken sowie Depressionen geht, ist eindeutig der bessere Film.
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