The Night Manager
Krimi | Großbritannien/USA 2016/2026 | Original (auch DVD & BD): sechs Episoden à ca.60 TV drei Episoden 320 [95, 105, 120] TV auch acht Episoden: 355 [43, 45, 45, 44, 44, 45, 44, 45]
Regie: Susanne Bier
Filmdaten
- Originaltitel
- THE NIGHT MANAGER
- Produktionsland
- Großbritannien/USA
- Produktionsjahr
- 2016/2026
- Produktionsfirma
- The Ink Factory/BBC/Demarest Films
- Regie
- Susanne Bier · Georgi Banks-Davies
- Buch
- David Farr
- Kamera
- Michael Snyman · Tim Sidell
- Musik
- Victor Reyes · Federico Jusid
- Schnitt
- Ben Lester · Izabella Curry
- Darsteller
- Tom Hiddleston (Jonathan Pine) · Hugh Laurie (Richard Onslow Roper) · Olivia Colman (Angela Burr) · Tom Hollander (Lance Corkoran) · Elizabeth Debicki (Jed Marshall)
- Länge
- Original (auch DVD & BD): sechs Episoden à ca.60 TV drei Episoden 320 [95, 105, 120] TV auch acht Episoden: 355 [43, 45, 45, 44, 44, 45, 44, 45]
- Kinostart
- -
- Fsk
- ab 12
- Pädagogische Empfehlung
- - Sehenswert ab 16.
- Genre
- Krimi | Literaturverfilmung | Spionagefilm
- Externe Links
- IMDb | TMDB
Heimkino
Der Fernsehsender zdf_neo bezeichnet die Ausstrahlung der achtteiligen (internationalen) Fassung der Serie im Vergleich zur vom ZDF erstellten dreiteiligen Fassung irreführend als "Director's Cut".
Eine Spionage-Serie nach einer Vorlage von John le Carré um einen Mann, der als Undercoveragent im Dienst des MI6 die Umtriebe mächtiger Waffenhändler auffliegen lassen will, in die fatalerweise sein eigener Geheimdienst verstrickt ist.
Staffel 1
Aus dem Rauchpilz einer Rakete wird per Überblendung ein Martini-Kelch, aus der Trommel eines Revolvers ein edles Teeservice, aus Bomben, die ein Flugzeug abwirft, ein Diamantcollier – die Synthese aus Glamour und Krieg, die der Vorspann der Miniserie präsentiert, verbreitet ein gewisses Bond-Feeling. Und die Episoden lösen das durchaus ein: Susanne Biers Verfilmung von John Le Carrés gleichnamigem Roman verbindet Agenten-Suspense mit einer Jetset-Atmosphäre, die eines 007 durchaus würdig wäre.
Im Kontext der Story wirkt die stylische Oberfläche dieser Titelsequenz dann allerdings fast wie eine Bebilderung des Zynismus des »Bad Guy«: Der Waffenhändler Richard Roper (Hugh Laurie) scheffelt als »Händler des Todes« das Geld, mit dem er sich als eleganter Lebemann inszeniert und Annehmlichkeiten wie eine Privatinsel, eine junge Geliebte und eine Entourage williger Handlanger finanziert. Falls Roper, den jemand zu Anfang als »schlechtesten Menschen der Welt« bezeichnet, jemals so etwas wie ein Gewissen hatte, dann muss das schon ziemlich lange her sein; wem er seine Waffen verkauft und was derjenige damit tut, könnte ihm nicht gleichgültiger sein. Angela Burr (Olivia Colman), der Leiterin einer Unterabteilung des MI6, ist es nicht gleichgültig. Und darin findet sie einen Seelenverwandten in einem jungen Mann namens Jonathan Pine (Tom Hiddleston), der zu Beginn als Nachtmanager in Luxushotels arbeitet.
Ein brandgefährlicher Undercover-Job
Indirekt bekommt es Pine zum ersten Mal mit Roper zu tun, als eine schöne Frau in dem Hotel in Kairo, in dem Pine des Nachts hinter der Rezeption steht, ermordet wird: Sophie war dabei, einen dubiosen Deal auffliegen zu lassen, den Roper während des Arabischen Frühlings mit dem Zögling eines mächtigen ägyptischen Clans abschließen wollte; sie zog Pine dabei ins Vertrauen und wurde seine Geliebte. Der aufgestaute Groll über den Tod der mutigen Frau motiviert Pine, sich von Angela Burr als Undercover-Agent anwerben zu lassen, als er vier Jahre später in einem Hotel in den Alpen zufällig wieder Ropers Weg kreuzt. Pine lässt sich eine falsche Identität verpassen und in den »inner circle« Ropers einschleusen, um nach Beweisen für dessen illegale Machenschaften zu suchen. Dabei ist er bald auf sich alleingestellt: Sollte er auffliegen, kann ihm Angela kaum Rückendeckung geben, da sie selbst alle Hände voll damit zu tun hat, Pines Mission innerhalb der Strukturen des MI6 und des Innenministeriums geheim zu halten – denn dort sitzen längst Leute, die mit Roper unter einer Decke stecken.
Dezente Aktualisierung
Le Carrés Roman erschien schon 1993; Susanne Bier und Drehbuchautor David Farr haben ihn in die Gegenwart geholt, ohne dabei jedoch allzu große Änderungen vornehmen zu müssen: Der Stoff um illegale Waffengeschäfte wirkt nach wie vor aktuell; ein zeitgenössisches Thema wie der Arabische Frühling lässt sich da nahtlos einfügen, und dass Pines MI6-Kontakt hier mit einer Frau statt mit einem Mann besetzt ist, setzt als Reminiszenz an veränderte Rollenbilder einen schönen Akzent, ohne die Vorlage jedoch groß zu verändern. Obwohl die Serie an diversen schauträchtigen Schauplätzen spielt und dabei nicht mit schönen Kulissen geizt – von Kairo bis Südengland, von der Schweiz bis Mallorca – lässt sich die Dramaturgie nicht davon ablenken, dass der Kern der Story vor allem ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel ist: Pine und Burr müssen versuchen, ihre Gegner auszutricksen und sich selbst nicht in die Karten schauen zu lassen, während sie ihre Ermittlungen vorantreiben; das Ganze wird für sie zum lebensbedrohlichen Spiel der Täuschungen innerhalb völlig korrupter Strukturen, in denen jeder falsche Schritt, jedes zu leichtfertig geschenkte Vertrauen tödliche Konsequenzen haben kann. Wobei die hervorragende Besetzung beste Arbeit leistet, angeführt von Tom Hiddleston als aufrechtem, zugleich aber undurchschaubarem Held sowie von Hugh Laurie als skrupellosem, aber umso charismatischerem Bösewicht.
Staffel 2
Der Nachrichtendienst einer Nation sei der wahrhaftigste Ausdruck ihrer selbst, sagt der hochrangige MI6-Veteran Rex Mayhew (Douglas Hodge) in der ersten Folge der neuen „The Night Manager“-Staffel in einer Rede bei der Gartenparty anlässlich seines 60. Geburtstags unter Freunden und Kollegen. Nur wenig später ist er zu tot, um sich noch Gedanken darüber zu machen, was die jüngsten Aktionen des britischen Auslandsgeheimdienstes dann wohl über die moralische Konstitution Großbritanniens aussagen. Angeblich ist es ein Selbstmord, der ihn das Leben kostet. Doch einer seiner Mitarbeiter und Vertrauten, Alex Goodwin (Tom Hiddleston), hat berechtigte Zweifel daran.
Undurchsichtige Umtriebe an der MI6-Spitze
Alex, der einst Jonathan Pine hieß, in Staffel 1 den Umtrieben des Waffenmagnaten Richard Roper (Hugh Laurie) ein Ende setzte und unter neuer Tarn-Identität seit Jahren in London eine kleine Überwachungseinheit des MI6 leitet, beginnt mit seinem Team, Hinweisen zu folgen. Und er findet schnell heraus, dass Rex wohl Umtrieben innerhalb seines eigenen Geheimdiensts zum Opfer gefallen sein könnte. Er stößt auf eine dubiose MI6-Kooperation mit dem jungen kolumbianischen Geschäftsmann Teddy Dos Santos (Diego Calva), bei der es um heimliche Waffenlieferungen geht. Offensichtlich versucht MI6-Chefin Mayra Cavendish (Indira Varma) über diesen Deal, in die Politik des lateinamerikanischen Landes hineinzupfuschen.
Eine erste, von höherer Stelle nicht autorisierte Aktion von Jonathan/Alex und seiner kleinen Einheit, bei der Beweise für die moralisch fragwürdigen Waffengeschäfte beschafft werden sollen, geht schief. Was ihn erneut zwingt, eine falsche Undercover-Identität anzunehmen und seine eigene Haut zu riskieren, um Dos Santos und Co. zur Strecke zu bringen: Mit Hilfe einer kolumbianischen Kontaktfrau (Camila Morrone), die mit Dos Santos zusammenarbeitet, tritt er in Medellín als potenzieller risikofreudiger Investor für dessen Umtriebe auf.
Elemente aus Staffel 1 werden variiert
Anders als Staffel 1 des „Night Manager“, die sich noch auf eine Romanvorlage des Spionageroman-Meisters John Le Carré stützen konnte, fährt Drehbuchautor und Serienschöpfer David Farr diesmal freihändig. Und scheint zunächst Angst zu haben, erzählerisch ins Wackeln zu kommen, denn anstatt wirklich Neues zu liefern, hält er sich an das bewährte Muster und übernimmt viele Elemente der nun schon zehn Jahre zurückliegenden ersten Staffel: Erneut geht es um die Amoralität eines steinreichen Geschäftsmannes, der als Fassade den Menschenfreund und Lebemann mimt, um dahinter seine kriminellen Geschäfte und ultrabrutalen Machenschaften zu tarnen. Um den britischen Ehrenmann mit Chamäleon-Qualitäten, der sich bei ihm einschleust und auf das brandgefährliche Spiel einlässt, den Betrüger zu betrügen, um ihn zu Fall zu bringen. Und um eine schöne Frau, die offiziell zur Entourage des Bösen gehört, dem Guten aber nicht abgeneigt zu sein scheint.
Zu sexy, um zu langweilen
Das könnte man fade finden, wenn es dazu nicht viel zu sexy inszeniert wäre. Zwar scheint der Stoff um Hiddlestons Agenten-Figur die glamourösen 007-Vibes, die die erste Staffel hatte, zunächst etwas zurückzufahren, wenn der Held in der ersten Folge als bebrillter Chef der passiv-beobachtenden Night-Owl-Einheit in London eher in den Fußspuren eines George Smiley wandelt. Aber spätestens in Folge 2, in der Jonathan/Alex mit seinem Team zu einem Nobelhotel in Spanien aufbricht, wo alsbald der erste blei- und sprengstoffhaltige Feindkontakt stattfindet, wechselt die Inszenierung (diesmal verantwortet von Regisseurin Georgi Banks-Davies) zurück in den verschwenderischen Bond-Modus: ein Spektakel aus Luxus, Schönheit, Intrige und Action, durch das sich Hiddlestons Figur einmal mehr so elegant bewegt wie ein Fisch im Wasser.
Dass die zweite Staffel dabei in einigen Folgen noch ein klein wenig offensiver als Staffel 1 mit den sexuellen Spannungen zwischen den Charakteren spielt, lässt Hiddlestons Figur zwischenzeitlich ein bisschen erscheinen wie ein männliches, ins Agenten-Genre verpflanztes Pendant zu den Heldinnen der seit einigen Jahren so beliebten „Fuck the Money“-Erotikromanzen im Fahrtwind der „Fifty Shades of Grey“, „365“-Tage- oder „Culpa“-Reihe, deren Heldinnen in den Bann eines obszön reichen Bad Boys geraten. Wobei die Verführbarkeit im Fall von Jonathan Pine freilich nur gespielt ist, der moralische Kompass des Helden aber tatsächlich unbestechlich bleibt. Und dieser Kompass weist, anders als in den Romanzen, natürlich nicht den Weg zu einer Läuterung des Bad Boys durch die Liebe, sondern zu rabiateren Lösungen.
Wenn vorteilhafte „Deals“ alles sind und Moral nichts
Dass auch die neue Staffel als süffiger Spionagethriller viel Spaß macht, liegt aber auch daran, dass Showrunner David Farr klug genug ist, das bekannte Konzept mit Twists zu versehen, die das Ganze interessant halten. Vor allem am Ende der dritten Folge sorgt eine sinistre Wendung für neuen Schwung in der Spannungskurve und eine Zuspitzung der Konflikte. Und sie hilft, die Charaktere weiter zu nuancieren. War Diego Calva als Bösewicht bis dahin nur eine jüngere, zwar attraktive, aber im Vergleich zu Hugh Laurie doch auch uncharismatischere Figur, sorgt die Volte dafür, dass verstärkt die Untiefen und Verletzbarkeiten Dos Santos’ zu Tage treten und ihm mehr Profil verleihen. Und für Jonathan ist die Wende eine grundlegende Erschütterung, die ihn zwingt, mehr und mehr aus der Deckung zu gehen.
Vor allem aber profitiert die zweite Staffel davon, dass die politische Stoßrichtung der Serie vor dem Hintergrund der realen aktuellen Entwicklungen durchaus wieder Biss hat. Wie die Serie mit einer Macht-Mentalität ins Gericht geht, in der völkerrechtliche Spielregeln nichts mehr und vorteilhafte „Deals“ alles sind, trifft schmerzhaft ins Schwarze.