Terror - Ihr Urteil

Drama | Deutschland 2016 | 89 Minuten

Regie: Lars Kraume

Ein Luftwaffenoffizier hat ein entführtes Flugzeug abgeschossen, um zu verhindern, dass ein Selbstmord-Attentäter die Maschine über einem vollbesetzten Fußballstadion zum Absturz bringt. Nun muss er sich vor Gericht wegen 164-fachen Mordes verantworten. Das packende Gedankenexperiment nach einem Theaterstück stellt in nüchterner Strenge die Argumentationen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung einander gegenüber und führt mit hochkarätigen Darstellern das Dilemma des Angeklagten vor. In der hermetischen Form des Gerichtsfilms geraten Fragen nach den Quellen des Terrors und der Realität der Bedrohung jedoch nicht in den Blick. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2016
Regie
Lars Kraume
Buch
Oliver Berben · Ferdinand von Schirach · Lars Kraume
Kamera
Jens Harant
Musik
Christoph M. Kaiser · Julian Maas
Schnitt
Barbara Gies
Darsteller
Burghart Klaußner (Vorsitzender Richter) · Martina Gedeck (Staatsanwältin Frau Nelson) · Florian David Fitz (Angeklagter Lars Koch) · Lars Eidinger (Verteidiger Herr Biegler) · Jördis Triebel (Nebenklägerin Frau Meiser)
Länge
89 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Gerichtsfilm | Literaturverfilmung

Heimkino

Die Extras umfassen beide Varianten des Filmendes, die nach Schuldspruch (6 Min.) oder Freispruch (7 Min.) angewählt werden könnnen.

Verleih DVD
Constantin (16:5, 1.78:1, DD5.1 dt.)
DVD kaufen

Diskussion
»Mit der Erlaubnis Gottes habe ich diese Maschine in meiner Gewalt… nun töten wir eure Familien!« Ein Selbstmord-Attentäter kapert eine Lufthansa-Maschine beim Flug von Berlin nach München und will sie in der voll besetzten Allianz-Arena zum Absturz bringen. Der Offizier des alarmierten Bundeswehr-Kampfjets entscheidet, das Flugzeug abzuschießen. Er tötet 164 Menschen, um 70.000 zu retten. Darf er das? Vor einem Berliner Schwurgericht wird er des 164-fachen Mordes angeklagt. Erfolgsautor und Strafverteidiger Ferdinand von Schirach konstruiert in seinem Theaterstück »Terror« ein schwer lösbares moralisches Dilemma. Er will im gerichtlichen Verfahren die Gesetzgebung diskutieren, die Abwägung von Leben gegen Leben verbietet. Dabei macht sein in der letzten Saison an 16 Bühnen gespieltes Stück vorsätzlich etwas eigentlich Verpöntes: es lässt die Figuren als Platzhalter von Positionen im ethisch-philosophisch-juristischen Diskurs funktionieren. Der Prinzipien-Argumentation der Staatsanwältin (Leben dürfen nicht aufgerechnet werden) steht das kasuistische Verteidiger-Argument (es galt, das kleinere Übel zu wählen) gegenüber. Dieser Konzeption folgt die Verfilmung von Lars Kraume mit nüchterner Strenge, ohne Video-Einspielungen, wie sie einige Bühneninszenierungen präsentierten. Mit hochkarätiger Besetzung – Martina Gedeck, Florian David Fitz, Lars Eidinger, Burghart Klaußner – führt Kraume das Dilemma des Angeklagten argumentativ packend vor. Der Clou des Theaterstücks, die Zuschauer als Laienrichter zum Urteil aufzurufen, wird auch bei der Fernsehausstrahlung des Films zur Geltung kommen, eventhaft groß herausgestellt als »neue interaktive TV-Form«. Nach der Ausstrahlung folgt eine »Hart aber Fair«-Expertendiskussion. Man spürt Schirachs Anliegen, dass die Gesellschaft in der Konfrontation mit dem Terror keine Grundwerte (Freiheit, Würde) opfern darf. Zugleich aber hinterlässt der Film eine Empfindung des Ungenügens, denn an die durch die jüngsten Terrorakte aufgewühlten Ängste kommt dieser seminaristische Disput im Gerichtssaal nicht heran. Die bedrängenden Fragen nach den Quellen des Terrors und der Realität der Bedrohung werden nicht gestellt.
Kommentar verfassen

Kommentieren