River (2015)

Drama | Großbritannien 2015 | 349 (sechs Folgen) Minuten

Regie: Richard Laxton

Ein Londoner Kommissar will den Mord an seiner Kollegin aufklären. Freilich ist er kein gewöhnlicher Ermittler, sondern schleppt eine psychische Störung mit sich herum, die ihm Visionen toter Menschen beschert - unter ihnen seine erschossene Kollegin, die so zur ständigen Begleiterin seiner Untersuchung wird. Während er versucht, seine Störung im Zaum zu halten und sich an einen neuen Partner zu gewöhnen, verstrickt er sich in einen Fall, der immer wieder neue Wendungen schlägt. Krimi-Miniserie als eindrucksvoller "London noir", der sowohl als spannender "Whodunit" als auch als Psychogramm eines ebenso kantigen wie anrührenden Helden bestens unterhält und obendrein ein faszinierendes Porträt der britischen Metropole abliefert. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
RIVER
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2015
Regie
Richard Laxton · Tim Fywell · Jessica Hobbs
Buch
Abi Morgan
Kamera
Hubert Taczanowski
Musik
Harry Escott
Schnitt
Adam Bosman · Mary Finlay · Fiona Colbeck
Darsteller
Stellan Skarsgård (John River) · Nicola Walker (Jackie "Stevie" Stevenson) · Lesley Manville (Chrissie Read) · Eddie Marsan (Thomas Cream) · Adeel Akhtar (Ira King)
Länge
349 (sechs Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16 (Folge 1&2)/ab 12 (Folge 3-6)
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Drama | Krimi

Heimkino

Die Extras enthalten u.a. ein Feature mit im Film nicht verwendeten Szenen.

Verleih DVD
Polyband (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Polyband (16:9, 1.78:1, dts-HDMA engl./dt.)
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Diskussion
Stevie (Nicola Walker) ist immer noch da – sie singt lautstark mit dem Autoradio mit, lacht ihr ansteckendes Lachen, stellt insistierende Fragen, fixiert ihren Freund und Kollegen River (Stellan Skarsgård) mit großen, klaren Augen. Als man in Episode 1 der außergewöhnlichen Krimi-Miniserie zum ersten Mal das riesige Loch sieht, dass in Stevies Hinterkopf klafft, ist das ein ziemlicher Schock. Stevie ist tot; jemand hat ihr auf offener Straße eine Kugel durch den Schädel gejagt. Doch für River ist sie wie andere Tote, mit denen er als Inspektor der Londoner Polizei zu tun hat, sehr präsent: Der grummelige Einzelgänger ist schon seit seiner Kindheit nicht ganz „normal“; er sieht Menschen, die nicht mehr am Leben sind. Mit Geistern und dem Jenseits habe das nichts zu tun, erklärt er der Polizeipsychologin, die zu konsultieren ihn seine Vorgesetzte Chrissie verdonnert hat. River weiß, dass es sein eigener Geist ist, aus dem heraus sich seine Besucher manifestieren. Bisher konnte er mit dieser Störung ganz gut umgehen und seinen Beruf erfolgreich ausüben – aber bis vor Kurzem hatte er ja auch die lebendige Stevie als Verbündete an der Seite. Nun aber, da Stevie tot ist, gerät Rivers Welt aus dem Gleichgewicht. Es fällt ihm zunehmend schwerer, sich unauffällig zu verhalten. Dabei braucht er gerade jetzt sein ganzes Können, denn der Mord an Stevie darf nicht ungesühnt bleiben. Während er andere Fälle abarbeitet und sich an seinen neuen Partner (Adeel Akhtar) gewöhnt, fahndet er unermüdlich nach dem Täter – und gerät dabei in einen Fall, der sich immer wieder in unerwartete Richtungen entwickelt. Eine äußerst faszinierende Ermittlerfigur hat sich Showrunner Abi Morgan da ausgedacht, und Stellan Skarsgård erweist sich als Idealbesetzung, um diesen stachelig-abweisenden, aber gleichzeitig ungeheuer berührenden Charakter umzusetzen. Das Drehbuch umgibt ihn mit einem Reigen eindrucksvoller Figuren, wobei sich starke Frauen als Fixsterne in Rivers verdunkelter Welt erweisen: die charismatische Stevie, die als Halluzination eine ständige Begleiterin bleibt und von der immer wieder neue Seiten ans Licht gebracht werden, je länger die Ermittlungen andauern; die angespannte Chrissie, die versucht, River in der Spur zu halten und ihm Rückendeckung gegenüber dem Polizeichef zu geben, sowie die junge Psychologin Rosa, die sich mit wachsender Faszination mit dem widerborstigen Ermittler herumschlägt. Der Inszenierung geht es um die Aufklärung des Verbrechens, aber auch um das Psychogramm eines Sonderlings, der gerade seine einzige Bezugsperson verloren hat und dringend neue menschliche und berufliche Koalitionen braucht. Gleichzeitig entwirft die Serie ein interessantes, aktuelles Bild Londons und seiner sozialen Probleme: In kühlen Tönen gehalten und als Stadt der spiegelnden Glas-Stahl-Fassaden und der tristen Betonburgen entworfen, erscheint die britische Metropole als Ort, an dem alle irgendwie Fremde sind – eindrucksvoller „London noir“.
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