Drama | USA/Griechenland 2016 | 85 Minuten

Regie: Ira Sachs

Ein 13-jähriger Junge zieht mit seinen Eltern in das vom Großvater geerbte Haus in Brooklyn und freundet sich mit dem Sohn einer langjährigen Mieterin an, die im Erdgeschoss ein schlecht laufendes Modegeschäft betreibt. Die beiden Jungen verbringen viel Zeit miteinander und planen, gemeinsam auf eine Kunstschule zu gehen. Als zwischen ihren Eltern ein Mietstreit ausbricht, verbünden sie sich auf radikale Weise und protestieren mit einem Redestreik. Einfühlsam und ohne Vereinfachungen erzählt der Film die Geschichte einer innigen Jugendfreundschaft, angesiedelt vor dem Hintergrund der Gentrifizierung des aufstrebenden New Yorker Hipster-Bezirks. (O.m.d.U.) - Sehenswert ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
LITTLE MEN
Produktionsland
USA/Griechenland
Produktionsjahr
2016
Regie
Ira Sachs
Buch
Mauricio Zacharias · Ira Sachs
Kamera
Oscar Durán
Musik
Dickon Hinchliffe
Schnitt
Mollie Goldstein · Affonso Gonçalves
Darsteller
Theo Taplitz (Jake Jardine) · Michael Barbieri (Tony Calvelli) · Greg Kinnear (Brian Jardine) · Jennifer Ehle (Kathy Jardine) · Paulina García (Leonor Calvelli)
Länge
85 Minuten
Kinostart
02.03.2017
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 12.
Genre
Drama

Heimkino

Verleih DVD
Salzgeber (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl.)
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Einfühlsames Drama um die Freundschaft zweier Jungs in New York. Regie: Ira Sachs

Diskussion
Dass sich Brooklyn zu einer echten Bohème-Gegend entwickelt habe, klingt für Jake zunächst nach nichts Schlechtem. Er, der leidenschaftlich gerne zeichnet, etwa Illustrationen zu der Fantasy-Buchreihe „Percy Jackson“, geht mit seinen 13 Jahren bereits als echter „Künstlertyp“ durch (lange Haare, melancholischer Blick). Nach Brooklyn verschlägt es die Familie nach dem Tod des Großvaters. Jakes Vater Brian, ein mittelloser Schauspieler, findet sich plötzlich in der Rolle eines Hausbesitzers wieder. Das ist zumindest eine kleine Entlastung für den Haushalt; bisher hat seine Frau Kathy, eine Therapeutin, die Familie mehr oder weniger alleine ernährt. Jake, der sich in der Vergangenheit eher schwergetan hat, sozial Anschluss zu finden, freundet sich schnell mit Tony an, dem impulsiven Sohn der Ladenbesitzerin Leonor, die im Erdgeschoss des Hauses mit wenig Erfolg eine Mode-Boutique betreibt; „Casa de la Moda“ klingt im aufstrebenden Hipster-Bezirk tatsächlich ein wenig antiquiert. Auch Antonio hat künstlerische Interessen, er will Schauspieler werden. Zusammen beschließen die beiden Freunde, sich auf der renommierten La Guardia High School of Performing Arts zu bewerben. Doch als Brian und seine Schwester Leonor einen neuen Mietvertrag vorlegen, der drei Mal so hoch wie die jetzige Miete ist, kommt es zum Konflikt, der auch die Kinder betrifft. Jake und Tony reagieren auf radikale Weise: Sie hören auf, mit ihren Eltern zu sprechen. Der Regisseur Ira Sachs verortet in „Little Men“ die Geschichte einer Jungenfreundschaft in einer stadtpolitisch aktuellen Debatte: Es geht um Fragen des Besitzes, um ökonomische Unterschiede und Gentrifizierung. Dabei sind Jakes Eltern keineswegs die Verkörperung des „bösen“ Kapitals, das es in Gentrifizierungsdebatten relativ leichtmacht, sich auf eine Seite zu schlagen. Brian probt gerade ein neues Theaterstück an einem schlechtbezahlten Off-Theater, und auch seine Schwester stellt Ansprüche. In den Gesprächen zwischen den unversöhnlichen Parteien werden die ökonomischen wie kulturellen Unterschiede dennoch deutlich: auf der einen Seite die bürgerliche Kleinfamilie mit ihrem Regelwerk (keine Computerspiele unter der Woche, kein Internet vor 17 Uhr) und dem Luxus, einer unbezahlten Arbeit nachzugehen beziehungsweise montags nicht arbeiten zu müssen. Auf der anderen Seite die alleinerziehende Mutter, die froh ist, wenn die Kinder sich im Hinterzimmer selbst beschäftigen. Ihre Existenz ist real bedroht. Ein „Gentrifizierungsdebattenfilm“ ist „Little Men“ dennoch nicht. Im Vordergrund steht die Verbindung der beiden Jungs, ihre gemeinsame Welt, ihre Spiele, ihr Zeitvertreib, ihre Komplizenschaft – und ihr sehr leise aufflammendes, ihnen womöglich kaum bewusstes Begehren. Man müsse lernen loszulassen, sagt Brian einmal zu seinem Sohn. Da weiß Jake noch nicht, dass dies bald mehr betreffen wird als seine Percy-Jackson-Zeichnungen, die beim Umzug verlorengegangen sind.
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