Drama | Frankreich/Österreich/Deutschland 2017 | 108 Minuten

Regie: Michael Haneke

Als seine Mutter durch eine Überdosis Tabletten ins Koma fällt, zieht ein zwölfjähriges Mädchen zur großbürgerlichen Familie seines Vaters. Hinter deren Fassade offenbart sich ein Sumpf aus Lügen und moralischer Kälte: Während der Vater seine Frau betrügt und seine Schwester und deren Sohn eine drohende Klage gegen das Familienunternehmen bekämpfen, will der greise Patriarch mit allen Mitteln sterben. Einmal mehr attackiert Michael Haneke die Bourgeoisie wegen ihrer gesellschaftlichen Emotionslosigkeit. Dabei gelingen ihm effektvolle Momente in der Tradition eines Dramas von Claude Chabrol, insgesamt aber fehlt seinem Film ein dramaturgisch überzeugender Bogen.

Filmdaten

Originaltitel
HAPPY END
Produktionsland
Frankreich/Österreich/Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Michael Haneke
Buch
Michael Haneke
Kamera
Christian Berger
Schnitt
Monika Willi
Darsteller
Isabelle Huppert (Anne Laurent) · Jean-Louis Trintignant (Georges Laurent) · Mathieu Kassovitz (Thomas Laurent) · Fantine Harduin (Ève Laurent) · Franz Rogowski (Pierre Laurent)
Länge
108 Minuten
Kinostart
12.10.2017
Fsk
ab 12; f
Genre
Drama
Diskussion
Schon die ersten Smartphone-Bilder sind eine Kampfansage. Ein Mädchen filmt ihre Mutter im Badezimmer und stellt die Aufnahme in ein soziales Netzwerk. Sie gibt Befehle für die scheinbar mechanischen Bewegungen am Waschbecken und kommentiert erschreckend kalt das ewige Gejammer, verärgert über die nicht endenden Depressionen der „Alten“, die sie dazu animiert hätten, deren Tabletten dem nun toten Hamster zu verabreichen. Zwei Bildschirmbilder weiter liegt die Mutter keuchend auf einem Bett und stirbt. Ihre Tochter tippt: „Wie leicht es ist, jemand ruhig zu machen, ich rufe jetzt die Rettung, jetzt ist sie nicht mehr blöd und weiß alles besser.“ Nach diesem vorbildlichen Haneke-Prolog weiß man, womit zu rechnen ist. Die Institution Familie, zumal aus dem bourgeoisen Industriellen-Milieu, bietet keinen Schutzraum, sondern entpuppt sich als Schlachtfeld enttäuschter Erwartungen und fehlgeleiteter Hilfeschreie. Gefilmt wird dieses Biotop mit einer keinerlei Emotion vortäuschenden Kamera, unterbrochen von Schwarzble

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