Jugend ohne Gott (2017)

Drama | Deutschland 2017 | 114 Minuten

Regie: Alain Gsponer

In einer Gesellschaft, in der nur noch Leistungskriterien zählen, ist auch der Zugang zu den besten Studienplätzen ans Abschneiden in einem Trainingslager gekoppelt. Als es bei der Auslese unter den Schülern zu einem Todesfall kommt, zwingt der Prozess gegen den vermeintlich Verantwortlichen die übrigen Aspiranten zur Auseinandersetzung mit der herrschenden Doktrin. Freie Adaption von Ödön von Horváths 1937 erschienenem Roman, die dessen Anklage der entmenschlichten Nazi-Gesellschaft formal reizvoll in die nahe Zukunft verlegt. Während sich der dystopische Entwurf nicht allzu prägnant von ähnlichen Stoffen unterscheidet, gelingen einige durchaus interessante Aktualisierungen.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Alain Gsponer
Buch
Alexander Buresch · Matthias Pacht
Kamera
Frank Lamm
Schnitt
Tobias Haas
Darsteller
Jannis Niewöhner (Zach) · Fahri Yardim (Lehrer) · Emilia Schüle (Erwa) · Alicia von Rittberg (Nadesh) · Jannik Schümann (Titus)
Länge
114 Minuten
Kinostart
31.08.2017
Fsk
ab 12; f
Genre
Drama | Literaturverfilmung | Science-Fiction-Film
Diskussion
Als Ödön von Horváth 1937 in einem Amsterdamer Exilverlag seinen Roman „Jugend ohne Gott“ veröffentlichte, sah er auf das Deutsche Reich „kalte Zeiten“ zukommen. Im bevorstehenden „Zeitalter der Fische“ hätten sich die Menschen mit seelischer Härte gepanzert, sich Bandagen aus Reg- und Mitleidlosigkeit angelegt. Man weiß, wohin diese Form der Gefühlskälte führte. Deshalb will die Pädagogik zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus nicht nur über historische Zusammenhänge aufklären, sondern auch Empathie fördern und sich für die Gegenwart fragen: Wo tummeln sich heute Horváths Menschen mit den „hellen, runden Augen“, „ohne Schimmer, ohne Glanz“? Will man Regisseur Alain Gsponer folgen, so regiert die Kaltherzigkeit besonders dort, wo der Zugang zur Bildung geregelt wird. Wie dieses Gut zukünftig verteilt wird

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