Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Drama | Großbritannien/USA 2017 | 116 Minuten

Regie: Martin McDonagh

Eine über den Mord an ihrer Tochter verbitterte Frau klagt den örtlichen Polizeichef auf drei großen Werbetafeln der Untätigkeit an, was in der Kleinstadt für Aufruhr sorgt und in einen erbitterten Kleinkrieg mündet. Eine meisterliche Mischung aus Rachethriller, Drama und lakonischer Komödie, in der die eskalierenden Konflikte mit schwarzem Humor und einigen Gewaltspitzen entfaltet werden. In dem Maße, wie die Hintergründe der Figuren deutlicher werden, wandelt sich der Film aber zum berührenden Drama, in dem es weniger um Rache als darum geht, untereinander und für sich selbst so etwas wie Gnade walten zu lassen.

Filmdaten

Originaltitel
THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI
Produktionsland
Großbritannien/USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Martin McDonagh
Buch
Martin McDonagh
Kamera
Ben Davis
Schnitt
Jon Gregory
Darsteller
Frances McDormand (Mildred Hayes) · Woody Harrelson (Sheriff Bill Willoughby) · Sam Rockwell (Officer Jason Dixon) · Abbie Cornish (Anne Willoughby) · John Hawkes (Charlie)
Länge
116 Minuten
Kinostart
25.01.2018
Fsk
ab 12; f
Genre
Drama | Komödie | Kriminalfilm
Diskussion

Die drei in knalligem Rot gehaltenen Werbetafeln an einer Zufahrtsstraße zum Örtchen Ebbing, Missouri, sind nicht zu übersehen. In schwarzen Buchstaben formulieren sie eine erbitterte Anklage: „Raped while dying“, „And still no arrests“; „How Come, Chief Willoughby?“.

Die Frau, die mit diesen Plakaten das Versagen des örtlichen Polizeichefs bloßstellt, ist Mildred Hayes, deren Teenager-Tochter vor Monaten vergewaltigt, ermordet und verbrannt wurde. Die Tat geschah während der Nacht und wurde nie aufgeklärt; mittlerweile ist Gras darüber gewachsen. Was die Mutter zutiefst wütend und verbittert macht. Deshalb zerrt sie den Fall mit ihrer spektakulären Aktion zurück ins öffentliche Bewusstsein. Damit entfacht sie neue Wut, die sich allerdings gegen sie selbst richtet. Denn in der kleinen Gemeinde ist Willoughby eine allseits respektierte Autoritätsperson. Hayes hingegen wird für ihre Angriffe als Querulantin angefeindet. Vor allem der nicht allzu helle, dafür aber umso großspurigere Polizist Dixon wirft sich wie ein wütender Kampfhund für seinen Mentor in die Bresche und nimmt Hayes und ihre wenigen Verbündeten brutal in die Mangel. Allerdings ist er dabei an eine Gegnerin geraten, die mindestens ebenso hart zubeißen kann wie er selbst. Von Drohungen und Repressalien lässt sich die trauernde Mutter nicht den Schneid abkaufen, sondern macht ihrerseits den Polizisten nur umso aggressiver Feuer unterm Hintern.

Es hätte bei der diesjährigen "Golden Globes"-Verleihung wohl keinen passenderen Preisträger in der Kategorie "Bestes Drama" geben können, auch wenn der Film des britisch-irischen Regisseurs Martin McDonagh ein Genre-Hybrid zwischen Drama, Rachethriller und absurder Komödie ist, der verschiedene Tonarten zu einem stimmigen Ganzen vereint. Hayes Plakataktion ist sozusagen ein analoges Pendant zur "#MeToo-Debatte": ein öffentlichkeitswirksamer Aufschrei dagegen, dasss sexueller Missbrauch und Gewalt gegen Frauen unter den Teppich gekehrt wird. Die Inszenierung belässt es allerdings nicht dabei, die Courage der verbal und auch sonst unwiderstehlich schlagfertigen Protagonistin (eine Traumrolle für Frances McDormand) ins Zentrum zu stellen. Im Zuge des eskalierenden Streits zwischen Hayes und der Polizei wandelt sich der Thriller um eine wütende Mutter und ihre Forderung nach Sühne zur vielschichtigen und zutiefst menschlichen Tragikomödie darum, ob und wie Mildred nach dem Verlust ihrer Tochter weiter mit den Menschen – vor allem mit den Männern – in ihrer Stadt weiter zusammen leben kann. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Männer sich verändern müssen, hinter deren machohafter Phalanx sich nach und nach Individuen mit eigenen Problemen abzeichnen; auch die Protagonistin selbst, deren Feldzug immer weniger Rücksicht auf Verluste zu nehmen droht, macht eine Entwickung durch.

Trotz aller Lust an der Zuspitzung lässt McDonagh seine Figuren nicht zu Karikaturen gerinnen. Frances McDormand ist als Mildred Hayes zwar die unangefochtene Heldin des Films, mit der man mitleiden und mitfiebern kann, doch Regie und Drehbuch gestehen ihr durchaus Schwächen zu, Schattenseiten ihres unbeugsamen Eigensinns und ihrer Stärke. Und sowohl Woody Harrelson als Willoughby als auch Sam Rockwell als Dixon schaffen es bravourös, zunächst das Feindbild des bornierten, sich für das Maß aller Dinge haltenden „white male“ zu verkörpern, um es dann auf menschliche Dimensionen herunterzubrechen und die verblüffenden Entwicklungen ihrer Figuren glaubhaft zu machen. Veritable „Bad Guys“ interessieren McDonagh nicht. Die Vergewaltigung und der Mord an Hayes’ Tochter werden nicht gezeigt, und auch die Suche nach dem Täter gerät letztlich fast zur Nebensache. Was McDonagh hingegen interessiert, ist die Notwendigkeit, über Verbitterung und Engstirnigkeit hinauszuwachsen und untereinander, aber auch für sich selbst so etwas wie Gnade walten zu lassen - wenn man etwas anderes finden will als den Tod.

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