Zwischen Himmel und Hölle (2017)

Biopic | Deutschland/Tschechien 2017 | Fernsehfassung: 165 Langfassung: 178 (DVD=BD; Zweiteiler 89 & 89) Minuten

Regie: Uwe Janson

Aufwändiges (Fernseh-)Historienepos um den Reformator Martin Luther, das ihn als eine von vielen Figuren auf dem Schachbrett der Macht zwischen deutschen Landesfürsten und der päpstlichen Herrschaftszentrale in Rom zeigt. Dabei werden die zentralen Punkte von Luthers theologischen, literarischen und gesellschaftskritischen Revolutionen durchaus gewürdigt, zugleich aber räumt der nuancenreiche Film auch Luthers Mitstreitern und Gegnern angemessenen Raum ein. Während die weltgeschichtliche und technologische Ausrichtung der Zeit eher ausgeklammert bleibt, vermittelt sich das Machtspiel auch dank ausgezeichneter Darsteller höchst präzise. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland/Tschechien
Produktionsjahr
2017
Regie
Uwe Janson
Buch
Stefan Dähnert · Marianne Wendt
Kamera
Michael Wiesweg
Musik
Andreas Lonardoni · Michael Klaukien
Schnitt
Melania Singer · Sabine Brose
Darsteller
Maximilian Brückner (Martin Luther) · Jan Krauter (Thomas Müntzer) · Johannes Klaußner (Andreas Bodenstein) · Frida-Lovisa Hamann (Katharina von Bora) · Aylin Tezel (Ottilie von Gersen)
Länge
Fernsehfassung: 165 Langfassung: 178 (DVD=BD; Zweiteiler 89 & 89) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Biopic | Drama | Historienfilm

Heimkino

Verleih DVD
Universal (16:9, 1.78:1, DD5.1 dt.)
Verleih Blu-ray
Universal (16:9, 1.78:1, dts-HDMA dt.)
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Alle Qualen der Hölle beschwört der Ablassprediger, damit die verängstigten Sünder ihre letzten Pfennige für einen Ablass hergeben. Zum Auftakt von Uwe Jansons Luther-Epos gibt es die Ablassprediger-Show, mit der viele Lutherfilme starten; dann aber folgt eine unübliche, erstaunliche Szene.

Diskussion

Alle Qualen der Hölle beschwört der Ablassprediger, damit die verängstigten Sünder ihre letzten Pfennige für einen Ablass hergeben. Zum Auftakt von Uwe Jansons Luther-Epos gibt es die Ablassprediger-Show, mit der viele Lutherfilme starten; dann aber folgt eine unübliche, erstaunliche Szene: Spalatin, Berater des Kurfürsten Friedrich von Sachsen, will die landesherrlichen Eigeninteressen gegen Rom zur Geltung bringen und überlegt, wen man als Agitator gegen den schändlichen römischen Ablasshandel voranschicken könnte. Die Wahl fällt auf den Theologieprofessor Martin Luther in Wittenberg.

Jansons 165-minütiges Historiendrama zum Reformationsjubiläum zeigt Luther als eine Figur auf dem Schachbrett der Macht. Natürlich wird der Reformator, den Maximilian Brückner als jugendlichen Hitzkopf konturiert, nicht einfach nur als Marionette an den Strippen seines Landesherrn hingestellt; er darf seine eigene Rebellionsdynamik entfalten. Sein Kampf um die „Freiheit des Christenmenschen“ wird durchaus gewürdigt: die Gnadentheologie, Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche, sein Hochhalten der Schrift gegen Hierarchie und Tradition der Papstkirche.

Jeder hat seine Glaubwürdigkeit

Erzählt wird die Frühphase der Reformation von Luthers Thesenanschlag 1517 über seine Widerruf-Weigerung beim Reichstag in Worms 1521 bis zur schroffen Opposition gegen die aufständischen Bauern 1525. Den Mitstreitern Luthers – Bodenstein, Müntzer und dessen Ehefrau Ottilie (herausragend: Aylin Tezel) – wird auch Raum eingeräumt, sodass sich der Spannungsbogen von jugendlicher Gemeinsamkeit bis zur erbitterten Gegnerschaft nuancenreich zeigen kann.

Luther verteufelte alle seine Gegner; der Film aber tut das nicht. Jeder darf seine Interessen verteidigen und hat seine Glaubwürdigkeit. Unterbelichtet bleiben die weltgeschichtlichen und technologischen Umwälzungen der Zeit. Nicht hinreichend deutlich wird, wie sehr Denken, Fühlen und Alltag aller Menschen damals von Religion und Frömmigkeitsritualen durchdrungen waren. Aber das Machtspiel wird glänzend vorgeführt, mit analytischer Präzision; Joachim Król als Erzbischof Albrecht und Rüdiger Vogler als Kurfürst Friedrich erhalten so die prächtigsten Rollen.

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