Drama | USA 2017 | 106 Minuten

Regie: Niels Arden Oplev

Remake des Nahtod-Thrillers "Flatliners - Heute ist ein schöner Tag zum Sterben" (1990), in dem Medizinstudenten bei einer Kommilitonin künstlich einen Herzstillstand herbeiführen und sie anschließend reanimieren. Als sich bei der Wiederbelebten eine enorme Steigerung ihrer mentalen Fähigkeiten zeigt, wagen auch andere das Experiment, bald aber mehren sich bei ihnen albtraumhafte Erfahrungen. Das routiniert inszenierte Horrordrama spielt geschickt auf der Klaviatur des Schreckens, weiß aber mit den Konflikten oder den ethischen Fragen nur wenig anzufangen. Für metaphysische Dimensionen fehlt der enttäuschenden Neuverfilmung gänzlich der Sinn. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
FLATLINERS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Niels Arden Oplev
Buch
Ben Ripley
Kamera
Eric Kress
Musik
Nathan Barr
Schnitt
Tom Elkins
Darsteller
Ellen Page (Courtney Holmes) · Diego Luna (Ray) · Nina Dobrev (Marlo) · James Norton (Jamie) · Kiersey Clemons (Sophia)
Länge
106 Minuten
Kinostart
30.11.2017
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Science-Fiction

Heimkino

Verleih DVD
Sony
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Konventionelle Neuauflage des Thrillers über die Suche nach Bildern des Todes

Diskussion
Können wir uns ein Bild davon machen, was passiert, wenn wir sterben? Für das Kino ist es eine reizvolle Herausforderung, über diese absolute Grenzerfahrung zu erzählen. Joel Schumacher hat das 1990 mit „Flatliners“ (fd 28 605) versucht. Bei ihm waren es junge Mediziner, die sich künstlich in einen Zustand des klinischen Todes versetzten. Schumacher gelang ein spannender Horrorthriller, der Jungstars wie Julia Roberts und Kiefer Sutherland zum Durchbruch verhalf. Unter der Regie des dänischen Regisseurs Niels Arden Oplev ist jetzt ein Remake entstanden. Kiefer Sutherland ist darin wieder mit von der Partie. Geholfen hat das dem Film aber nicht. Die Medizinstudentin Courtney Holmes initiiert die mortalen Experimente und kann zwei Studenten und zwei Studentinnen dafür begeistern. Das ist eine wesentliche Veränderung gegenüber dem Original: Es sind mehr Frauen mit von der Partie. Davon abgesehen geht es erneut um Schuld und Sühne, das ahnt man schon zu Beginn des Films, wenn Courtney mit ihrer Schwester in einen schlimmen Autounfall verwickelt wird. Zuerst führen die Experimente zu besonderen Fähigkeiten. Courtney kann wieder Klavier spielen, obwohl sie das seit Ewigkeiten nicht mehr getan hat. Auch scheint das Gehirn eines Kommilitonen besonders leistungsfähig zu werden. Doch dann folgen nur noch Horrortrips. Courtney wird von ihrer toten Schwester, Jamie von der Frau, die er geschwängert und mit der Schwangerschaft allein gelassen hat, heimgesucht, eine andere von einem ehemaligen Patienten, dessen Tod sie zu verantworten hat. Die Vierte hat nicht ganz so viel Schuld auf sich geladen, sondern im College „nur“ einer Mitschülerin übel mitgespielt. Ihre Visionen sind allerdings (ver)störend genug, dass sie die Frau aufsucht und sich bei ihr entschuldigt. Das hilft, die Traumbilder verschwinden. Deshalb trifft sich auch Jamie mit der früheren Freundin. Aus der Schwangerschaft ist ein Sohn geworden, und Jamie ist nun klar, dass er Verantwortung übernehmen muss. Die anderen haben diese Möglichkeit nicht; die Menschen, an denen sie schuldig wurden, sind tot. Kiefer Sutherland spielt einen Doktor, der die Studierenden gehörig unter Leistungsdruck setzt. Die Inszenierung weiß damit aber nichts anzufangen. Die gefährlichen Experimente mit dem Tod könnten ja aus diesem Druck heraus resultieren. Bei der Afroamerikanerin Sophia klingt zumindest einmal an, dass die Belastung des Studiums für sie zu groß sei. Doch das Drehbuch entwickelt daraus keinen Konflikt. Die Bilder des dänischen Kameramanns Eric Kress erreichen gelegentlich eine Qualität, die an seine Arbeit in Lars von Triers „The Kingdom – Hospital der Geister“ (fd 31 390) erinnert. Die Regie agiert routiniert, der Schnitt spielt gekonnt, aber konventionell auf der Klaviatur des Schreckens. Ellen Page ist als Courtney intensiv, Diego Luna verkörpert überzeugend den Mastermind der Gruppe, der einzige, der sich nicht der Nahtoderfahrung aussetzt. Was fehlt, ist ein Trip jenseits aller Vorstellungskraft: die Neuauflage von „Flatliners“ ist allzu vorstell- und voraussehbar.
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