Babylon Berlin

Historienfilm | Deutschland 2016/17 | 720 Minuten

Regie: Henk Handloegten

Das Berlin der Weimarer Republik ist eine brodelnde Metropole der extremen Spannungen und Gegensätze, wobei Rausch und Glamour, Musik, Kunst und Kultur auf Arbeitslosigkeit und tiefe Armut, politischen Extremismus und die perfiden Netzwerke rücksichtsloser Verbrecher prallen. Ein junger Polizeikommissar kommt in Staffel 1 1929 von Köln nach Berlin, um einen Erpressungsfall in einem Pornoring zu untersuchen, wobei der kriegstraumatisierte Ermittler in ein kaum durchdringbares Chaos aus Korruption, Prostitution und Waffenhandel gerät und die Wirrnisse der Zeit, etwa der sogenannte "Blutmai", Berlin in Aufruhr versetzen. In Staffel 2 kommt der Kommissar über Ermittlungen in Kontakt mit dem Berliner Leiter der Preußischen Geheimpolizei, der verfassungsfeindliche Tätigkeiten der "Schwarzen Reichswehr" zu beweisen sucht, und untertsützt ihn. Die dritte Staffel dreht sich um eine rätselhafte Mordserie im Filmmilieu, führt aber auch vorherige Erzählfäden geschickt weiter. Aufwändig ausgestattete, fulminant inszenierte und brillant gespielte Krimiserie als ebenso komplex wie süffig-spannend erzähltes Sittengemälde des Berlins der späten 1920er-Jahre. Das beeindruckende Zeitbild einer Epoche verknüpft die sozialen Themen des historischen Stoffs mit deutlichen Verbindungen zwischen Gestern und Heute. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2016/17
Regie
Henk Handloegten · Tom Tykwer · Achim von Borries
Buch
Henk Handloegten · Tom Tykwer · Achim von Borries · Volker Kutscher
Kamera
Bernd Fischer · Frank Griebe · Philipp Haberlandt
Musik
Tom Tykwer · Johnny Klimek
Schnitt
Alexander Berner · Claus Wehlisch · Antje Zynga
Darsteller
Volker Bruch (Gereon Rath) · Liv Lisa Fries (Charlotte Ritter) · Peter Kurth (Bruno Wolter) · Leonie Benesch (Greta) · Waléra Kanischtscheff (Fallin)
Länge
720 Minuten
Kinostart
20.09.2018
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Historienfilm | Krimi | Literaturverfilmung

Heimkino

Verleih DVD
Universum
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Selten wurden hoch gesteckte Erwartungen so eindrucksvoll eingelöst: Die aufwändige Krimiserie „Babylon Berlin“ fasziniert als spannend-süffiges Genre-„Kino“, aber auch als raffiniert-komplexes Sittenbild einer Epoche.

Diskussion

Staffel 1 & 2

„Zwischen Glück und Qual… Du bist dem Tod so nah“, singt die androgyne Nikoros zur suggestiven Musik auf der Bühne des legendären Tanztempels „Moka Efti“, ganz als ahne sie bereits, was der Spaßgesellschaft, die zuckend tanzend vor ihr steht, ein paar Jahre später blühen wird, wenn es im Gleichschritt in den nationalsozialistischen Todeskult geht. Dieser furiose Tanz auf dem Vulkan ist als abschließender Höhepunkt der ersten Doppelfolge von „Babylon Berlin“ symptomatisch für die Ästhetik und Konzeption der Serie – im Allgemeinen und im Umgang mit Geschichte. Einen Song komplett durchlaufen zu lassen und den Rhythmus und die Stimmung der Musik vor allem auf die Montage einwirken zu lassen, ist durch eine neue Serienkultur möglich gemacht worden, die sich dafür die Zeit nimmt. Nikoros verkörpert hier die zum Mythos gewordene Performativität von Gender in der Weimarer Republik und weist zugleich die Star-Aura einer Lady Gaga auf. In ihrer Bombastik und ihrem apokalyptischen Fatalismus erinnert die Performance zudem an Rammstein, womit abermals die Brücke zwischen Gestern und Heute mit Blick auf Bilder faschistischer Popästhetik gebaut wird.

Für Achim von Borries ist Berlin die Hauptfigur der Serie. Gemeinsam mit Tom Tykwer und Henk Handloegten hat er die Drehbücher geschrieben und Regie geführt. Von den aktuellen Konventionen des Serienmachens abweichend, haben sie alle Episoden gemeinsam geschrieben und inszeniert. Auch die Editoren haben an allen Episoden kollaborativ gearbeitet (siehe Interview). Vielleicht ist es diese Methode, die aus „Babylon Berlin“ ein komplex erzähltes Sittengemälde des Berlin der späten 1920er-Jahre gemacht hat und durchaus mit Rainer Werner Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“ (1979/80) kontextualisiert werden kann, einer Wegemarke der deutschen Serienproduktion, in der Berlin ebenfalls den Status einer Hauptfigur aufweist. Auf Alfred Döblins 1929 erschienenem Roman basierend, erzählt sie von Franz Biberkopf, der 1928 nach vier Jahren Haft aus dem Gefängnis kommt, mit der Absicht ein guter Mensch zu werden. Doch die Stadt hält nur Arbeitslosigkeit und Schäbigkeit für ihn bereit, treibt ihn immerfort in die Fänge der Kriminalität.

Parallelen zur Gegenwart

In „Babylon Berlin“ kommt der Kommissar Gereon Rath aus Köln nach Berlin, wo er – zunächst in einem einfachen Erpressungsfall ermittelnd – immer tiefer in die kriminellen Schattenseiten dieser Gesellschaft des Spektakels eintaucht. So wie „Berlin Alexanderplatz“ soziale Themen der Entstehungszeit mit einem historischen Stoff verarbeitete, so weist auch „Babylon Berlin“ deutliche Verbindungen zwis

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