Komödie | USA 2017 | 93 Minuten

Regie: Trish Sie

Nach wenig erfolgreichen Einstiegen ins Berufsleben überdenkt eine Gruppe aus A-Cappella-Sängerinnen ihre Trennung und lässt sich für eine Auftrittstournee vor Soldaten in Südeuropa buchen. Dort konkurrieren sie mit anderen Bands um einen Plattenvertrag und müssen eine gefährliche Situation meistern, als eine von ihnen mit ihrem Vater aneinandergerät. Dritter Teil der Musical-Reihe ("Pitch Perfect", 2012; "Pitch Perfect 2", 2015) als unausgegorene Mischung aus Militärklamotte und hanebüchener Krimigeschichte. In der lieblos-brachialen Komödie überzeugen allein die Gesangsnummern.

Filmdaten

Originaltitel
PITCH PERFECT 3
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Trish Sie
Buch
Kay Cannon · Mike White
Kamera
Matthew Clark
Schnitt
Craig Alpert · Colin Patton
Darsteller
Anna Kendrick (Beca Mitchell) · Rebel Wilson (Fat Amy) · Brittany Snow (Chloe Beale) · Anna Camp (Aubrey Posen) · Hailee Steinfeld (Emily Junk)
Länge
93 Minuten
Kinostart
21.12.2017
Fsk
ab 6; f
Genre
Komödie | Musikfilm
Diskussion

„Pitch Perfect“ (fd 41 465) war 2012 eine angenehme Überraschung. Nicht nur, weil hier Chorgesang – auch in Deutschland ein immer beliebteres Freizeitvergnügen – ernst genommen wurde. Auch das Leinwand-Musical, eines der filmischsten Genres Hollywoods, erlebte so etwas wie eine Wiederbelebung. Darüber hinaus ging es auch um die enge Freundschaft unter Frauen, um Underdogs, die sich durchboxen müssen, angereichert mit privaten Liebeshändeln und beruflichen Zukunftssorgen. Über eine Million Zuschauer lockten die „Barden Bellas“ mit „Pitch Perfect“ in die deutschen Kinos, weltweit schwappten mehr als 100 Millionen Dollar in die Kassen.

Im zweiten Teil (fd 43 090), im Frühjahr 2015 angelaufen, standen die College-Freundinnen Beca, Fat Amy, Chloe und Co. kurz vor dem Studienabschluss mit getrennten Lebenswegen und nahmen trotzdem erfolgreich an den Weltmeisterschaften in Kopenhagen teil. Jetzt ist die Freude darüber aber verflogen. Die Bellas stehen mitten im Berufsleben, allerdings erfolglos. Regisseurin Trish Sie ist die Arbeitslosigkeit aber nur eine rasche, lieblos hingeworfene Szenenfolge wert, die Gründe für das Scheitern der jungen Frauen spart sie aus. Da kommt das Angebot der USO, in Europa stationierte US-Soldaten musikalisch zu unterhalten, gerade recht. Und so geht es über Spanien, Italien und Griechenland nach Frankreich. Doch weil auch der Produzent DJ Khaled mit von der Partie ist, könnte den Bellas ein Plattenvertrag winken.

Konkurrenten sind diesmal: eine wild zusammen gewürfelte Country-Band, ein Rap-Duo und die eingebildete Girl-Group „Evermoist“. Da ist der Zickenkrieg schon vorprogrammiert, zumal die anderen Gruppen lautstark von Instrumenten begleitet werden. Als Handlung schien Drehbuchautorin Kay Cannon diese Prämisse um einen Wettbewerb, der keiner ist, aber nun doch zu dünn. Darum führt sie John Lithgow als Vater von Fat Amy ein, der sich von seiner Tochter vor Jahren entfremdet hat, nun aber wieder ihre Nähe sucht. Der Grund: Fat Amy erbt von ihrer kürzlich verstorbenen Mutter 180 Millionen Dollar, und das Geld käme ihm gerade recht. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, entführt er kurzerhand die Bellas und hält sie auf seiner Yacht gefangen – bis auf Beca und Fat Amy, die in konzertierter Aktion ihre Freundinnen befreien müssen.

„Pitch Perfect 3“ als Militärklamotte? Fast macht das Sinn, weil sich die Uniformität der Soldaten auf die Bellas übertragen lässt, einmal treten die jungen Frauen sogar mit Barett und Tarnklamotten auf. Für einen Moment fühlt man sich an „Das Sound Machine“ aus Teil 2 erinnert, die arrogante Stechschritt-Brüller-Truppe aus Deutschland, die musikalisch irgendwo zwischen Kraftwerk und Rammstein changierte. Eine Frechheit allerdings ist die hanebüchene Krimihandlung, die nur für Action und Explosionen sorgen soll. Diese wirken in einem Film, in dem es vor allem um weibliche Solidarität und um Zusammenhalt geht, schlicht fehl am Platz. Allerdings sind die Erkenntnisse um die Bedeutung der Gruppe, aus der die Einzelne nicht ausscheren darf, auch banale Allgemeinplätze, die vor Klischees nur so strotzen. Während man dem Humor in den beiden Vorgängern einen eigenwilligen Charme nicht absprechen konnte, kommt er diesmal nur platt und brachial daher. Besonders Rebel Wilson gefällt sich als Fat Amy immer wieder in vulgär-pubertären One-Linern. Was bleibt, sind die Gesangsszenen, gefällig choreographierte und dargebotene Interpretationen bekannter Pop-Songs. Was braucht es da Action, Explosionen und Militär?

Kommentar verfassen

Kommentieren