Drama | Deutschland 2017 | TV: 88 Kino: 96 Minuten

Regie: Frieder Schlaich

Eine 20-jährige Peruanerin reist mit ihrer Mutter nach Berlin, um als Nebenklägerin an einem Strafgerichtsprozess teilzunehmen, bei dem es um den Mord an ihrer Schwester geht, die von ihrem deutschen Ehemann erschlagen wurde. Der in den juristischen Rollen mit realen Richtern und Anwälten besetzte Film rückt den Kontrast zwischen juristischer Nüchternheit und den Gefühlen der Hinterbliebenen ins Zentrum. In kristallklar komponierten Bildern umschreibt die knappe Handlung die Abgründe von Heiratsmarkt und Sextourismus und fordert eindringlich zur Auseinandersetzung mit Ressentiments und Vorurteilen. Die inszenatorische Mischung aus dokumentarisch genauem Gerichtsfilm und dramaturgisch aufbereitetem Figurendrama wirkt mitunter aber etwa unentschieden. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Frieder Schlaich
Buch
Claudia Schaefer
Kamera
Micaela Cajahuaringa
Musik
Martin Todsharow
Schnitt
Janina Herhoffer
Darsteller
Scarlett Jaimes (Naomi) · Liliana Paula Trujillo Turin (Elena) · Citlali Huezo (Isabel) · Michael Rothbart (Richter) · Christian Voss (Verteidiger)
Länge
TV: 88 Kino: 96 Minuten
Kinostart
13.09.2018
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Drama
Diskussion

Filmkritik von Esther Buss über "Naomis Reise"

„Warum sprechen Sie über Ameisen?“, fragt Naomi den Übersetzer. Im Strafprozess gegen den Mörder ihrer Schwester Mariella veranschaulicht ein Freund des Angeklagten („Uns verband die Vorliebe für ausländische Frauen“) in seiner Zeugenaussage die Geldheirat als Überlebenskampf (Peru) versus romantisches Liebeskonzept (Deutschland) mit einem drastischen Bild. Der Bernd habe geglaubt, eine Prinzessin geheiratet zu haben. Tatsächlich aber hätte er sich mit einem „Ameisenhaufen“ herumplagen müssen.

Nur widerwillig hat Naomi, die mit ihren jüngeren Geschwistern in Peru ein bescheidenes Leben führt, ihre Mutter nach Berlin begleitet, um dem Prozess als Nebenklägerin beizuwohnen. Ihre in Deutschland verheiratete Schwester, die ihr per Skype jahrelang ein sorgloses Leben vorspielte, lebt nicht mehr. Sie wurde ermordet, von ihrem deutschen Ehemann. Im protokollarischen Tonfall liest der Staatsanwalt die Anklage vor, schildert detailliert den Tathergang, beschreibt den Tatort, die Tatwerkzeuge (ein Hammer, ein Seil, die eigene Körperkraft), die Beseitigung der Leiche. Fast noch unerträglicher für Mutter und Tochter ist die Stigmatisierung der Schwester

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