Score - Eine Geschichte der Filmmusik

Musikdokumentation | USA 2017 | 93 Minuten

Regie: Matt Schrader

Dokumentarfilm über die wundersame Kraft der Filmmusik. In einer Mischung aus Interviews mit Filmkomponisten, Regisseuren und Fachleuten sowie Film- und Musikbeispielen entsteht eine spannende Reise durch die Filmmusik, die assoziativ und nachfühlbar die emotionalen Erinnerungen von Stars der Branche an prägende Filmmusik-Momente beschreibt. Dabei belässt der Film der Wechselwirkung von Bild und Musik die Aura des Mysteriösen und Wundersamen.

Filmdaten

Originaltitel
SCORE: A FILM MUSIC DOCUMENTARY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Matt Schrader
Buch
Matt Schrader
Kamera
Kenny Holmes · Nate Gold
Schnitt
Kenny Holmes · Matt Schrader
Länge
93 Minuten
Kinostart
04.01.2018
Fsk
ab 12; f
Genre
Musikdokumentation
Diskussion
In musikalischer Hinsicht traf es sich wunderbar, dass die ersten Filme am Ende des 19. Jahrhunderts technisch noch nicht ausgereift waren. Ohne die Möglichkeit, zu den bewegten Bildern einen synchronen Ton zu konservieren, mussten die Filmvorführer auf andere Mittel der Produktion zurückgreifen – und so kam lange vor dem Dialog die Musik zum Film, um diesen vor der Stummheit zu bewahren. Der Rest ist Geschichte, könnte man meinen und John Williams‘ „Imperial March“ aus „Krieg der Sterne“ pfeifend in den Tag hinaus schlendern. Doch über die Symbiose zwischen Film und Musik ist längst nicht alles gesagt, auch wenn sie in letzter Konsequenz „eine ganz persönliche Abmachung zwischen Hirn, Herz und Bauch jedes erlebenden Individuums“ sei. Es ist die einzige Wissenschaftlerin in Matt Schraders Dokumentarfilm „Score – Eine Geschichte der Filmmusik“, die das sagt, doch führt diese Erkenntnis nicht zur Ernüchterung. Stattdessen steht sie im Mittelpunkt eines fruchtbaren Fabulierens über die Filmmusik, mit der sich 90 Minuten Dokumentarfilm hochspannend füllen lassen. Den audiovisuellen Streifzug durch die Filmmusik als „eine“ Geschichte zu beschreiben, ist dabei geschickt und richtig, denn mit dem Anspruch eines vollständigen Überblicks ist der 29-jährige Dokumentarfilmer nicht angetreten. Zwar kommen als Einstieg in sein Sujet hier und da auch geschichtliche Aspekte vor, wie Max Steiners bahnbrechende Musik zu „King Kong und die weiße Frau“ (1933 (fd 1760)), die zu den frühesten durchkomponierten Film-Scores zählt. Zudem folgt auch Matt Schrader einer gewissen Chronologie, wenn er den Bogen von den „Melodisten“ Max Steiner und Franz Waxman über die „Avantgardisten“ Bernard Herrmann, Alex North und Jerry Goldsmith hin zu den „Schwelgern“ wie John Barry und John Williams und schließlich zu den „Überwältigern“ Hans Zimmer und Tom Holkenborg zieht. Das Hauptaugenmerk von „Score – Eine Geschichte der Filmmusik“ ist aber weniger die Geschichte als Geschichten. Knapp 50 Komponisten hat Schrader in ihren Studios besucht, um sie erzählen zu lassen, was sie bewegt und wie sie uns bewegen. Das könnte – zumindest für Zuschauer, die nicht zum Kreis der Filmmusik-Aficionados gehören – schnell ermüdend werden. Doch der Regisseur hat dagegen die ultimative Geheimwaffe: Den schier unendlichen Fundus großartiger Melodien, aus denen er nach Belieben schöpfen und die er dank der entsprechenden Rechte auch mit den dazugehörigen Ausschnitten der Filme präsentieren kann. Und so erzählen Hans Zimmer, Heitor Pereira, Christopher Young, Marco Beltrami, Howard Shore oder die „jungen Wilden“ wie Bear McCreary und Tom Holkenborg nicht nur über sich, sondern auch über ihre Filmmusiksozialisation. Klar, dass dabei neben dem Namen von Hitchcocks Wegbegleiter Bernard Herrmann auch immer wieder der von John Williams fällt – der heimliche Star des Filmes, auch wenn gerade er nicht interviewt werden konnte. Allein schon die Archivaufnahmen von frühen Sessions des „Dreamteams“ Steven Spielberg und John Williams sowie die schwelgerischen Emphasen, in die gestandene Filmkomponisten verfallen, wenn sie über „Der weiße Hai“ (fd 19 584), „E.T.“ (fd 23 743) oder „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (fd 20 719) sprechen, machen „Score – Eine Geschichte der Filmmusik“ zu einem für alle Film-und Musikliebhaber sehenswerten, weil nachfühlbaren Unterfangen. Denn im Kern geht es hier stets um das (Mit-)Teilen von erlebten Emotionen, um eine assoziative Zusammenstellung der schönsten Filmmusik-Momente und damit um die mysteriöse Kraft dieser „Hilfskunst“ innerhalb des Filmerlebens. Am Ende liefert der Film deshalb auch keine gesicherte Erkenntnis, sondern belässt es beim wunderbaren Mysterium der Wechselwirkung zwischen Bild und Ton. Und weckt damit umso mehr die Lust, die ganzen Melodien in all den alten und neuen Filmen wieder zu hören, die einem das Leben ein Stück weit emotionaler gemacht haben.
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