Actionfilm | Deutschland 2017 | 105 Minuten

Regie: Torsten Künstler

Zwei extrem unterschiedliche Polizisten einer deutschen Eliteeinheit müssen sich zusammenraufen, als während ihres Wachdiensts die Tochter des moldawischen Präsidenten aus Schloss Bellevue entführt wird. Bei ihrer Mission lässt das Duo kein anzügliches Fettnäpfchen aus, was insbesondere auf Kosten von Frauen, Kleinwüchsigen und Fettleibigen geht. Die extrem unlustige, abgeschmackte und in ihrem Actionplot vorhersehbare Buddy-Klamotte verlässt sich bei ihrer Anlehnung an US-amerikanische Vorbilder viel zu sehr auf das vermeintlich zugkräftige Darsteller-Duo.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Torsten Künstler
Buch
Tripper Clancy
Kamera
Markus Nestroy
Schnitt
Robert Kummer
Darsteller
Til Schweiger (Luke Steiner) · Matthias Schweighöfer (Theo) · Lisa Tomaschewsky (Mascha) · Anne Schäfer (Nicki) · Heino Ferch (Hedmann)
Länge
105 Minuten
Kinostart
18.01.2018
Fsk
ab 12; f
Genre
Actionfilm | Buddy-Movie | Komödie
Diskussion

Ein „Hot Dog“ kommt meist als Würstchen daher. Eingeklemmt zwischen zwei Brötchenhälften, ist es schnell verschlungen, wenig nahrhaft, aber zumeist ganz lecker. Der Filmtitel von Torsten Künstler lässt nicht nur US-amerikanische Vorbilder des Buddy-Genres anklingen. Er ist auch das Codewort, mit dem sich zwei ungleiche GSG-10-Kollegen vor drohenden Gefahren warnen.

Das Stichwort „Hot Dog“ dient hier also nur als Phrase, wie auch der Film als solcher nur eine lieblose Paraphrasierung von Filmen wie „The Guard“ (fd 40 656), „Die etwas anderen Cops“ (fd 40 117) oder „Hot Fuzz“ (fd 38 194) ist.

Alle diese Komödien variierten reizvoll die an sich charmante Konstellation aus pedantisch-steifem Beamten und hitzigem Jungspund, die allerhand Kollateralschäden provozieren, aber eben auch unkonventionell operierende Verbrecher dingfest machen.

Nun scheint eine Unsitte der deutschen Filmförderlandschaft zu sein, insbesondere im Bereich der Actionkomödie erfolgreiche Konzepte nachzuahmen, die dann aber neben zahlreichen „Kopierfehlern“ auch jede Menge Peinlichkeiten produzieren. Dabei setzt man gerne auch auf ein vermeintlich zugkräftiges Gespann wie Til Schweiger und Matthias Schweighöfer, die sich genüsslich in Körperflüssigkeiten suhlen.

Wo bei „Hot Dog“ die Messlatte hängt, deutet schon der erste Slapstick-Moment an, in dem der Off-Erzähler seinen lebenslang gehegten Berufswunsch beschreibt: die Aufnahme bei der Elite-Einsatzgruppe GSG 10. Mit stolzgeschwellter Brust steigt der junge Theo während seiner Inauguration die Treppe zum Rednerpult hoch, stolpert und reißt der Festrednerin im Sturz den Rock herunter, unter dem schwarzen Strapse zum Vorschein kommen.

Der hochbegabte Tollpatsch mit dem fotografischen Gedächtnis wird in der Folge in die Waffenkammer abgeschoben. Theo ist der „Inventar-Depp“ vom Dienst, über den sich vor allem Luke Steiner, der härteste Polizist im Revier, lustig macht. Erst schießen, dann reden, lautet Steiners Motto, was er beim Solo-Sturm auf ein von Geiselnehmern okkupiertes Museum gleich unter Beweis stellt. Alle Geiseln leben, die Entführer sind tot, die wertvollen Reliquien allerdings ebenfalls zerstört. Steiner wird zur Bewachung von Schloss Bellevue degradiert, Theo in dieselbe Position befördert. Als während ihrer Wache die Tochter des moldawischen Präsidenten entführt wird, wittern Steiner und Theo ihre Chance auf Rehabilitation – ihr Vorgesetzter aber entschieden Ärger.

Der Macho mit der fehlerhaften Impulskontrolle holt sich die größten Kanonen, während Theo mit seinem Asthma-Spray und einem angeblich überdimensionierten Geschlechtsteil prahlt. Damit kommt er bei Steiner natürlich nicht an. Der nennt ihn wechselweise Helga oder bezichtigt ihn der Homosexualität. Dabei war Theos kindliches, in einer Rückblende offenbartes Angebot, die Noten seiner Mitschülerinnen in den Naturwissenschaften zu verbessern, schon der erste Chauvi-Zug eines Films, der in Folge zu einem Crescendo von Frauen-, Schwulen-, Dicken- und Zwergen-Witzen anschwillt. „Hot Dog“ betreibt „Randgruppen“-Bashing, worüber sich sogar die betroffenen Figuren echauffieren – bis ihnen der Film in den Rücken fällt und die Vorurteile gänzlich unreflektiert für einen lahmen Spruch oder einen hinkenden Gag wieder aus der Mottenkiste zieht.

Warum Steiner als unkontrollierbares Desaster auf zwei Beinen überhaupt noch in die Nähe einer Waffe gelassen wird, und warum das Weichei Theo, der angeblich so intelligent ist, sich so dämlich und unwissend verhält, bleibt das Geheimnis des Drehbuchautors. Statt mit Grips und Witz füllen sie den erzählerischen (Hohl-)Raum mit Stuhlgang-Geräuschen, wenn Theo allem Pflichtbewusstsein zum Trotz seinen Posten verlässt, um sich mit dem defäkierenden Steiner in eine stinkende Toilettenkabine zu quetschen. Noch tiefer sinkt in dieser Klamotte eigentlich nur noch das gebrauchte Kondom, das Steiner dem hyperventilierenden Theo auf den Mund stülpt; das ausgespuckte Sperma landet dann natürlich prompt auf dem Kostüm der Innenministerin.

Später werden Kuhgedärme und übergroße Teddybären penetriert, während die beiden einzigen Frauenfiguren primär in zwei Disziplinen reüssieren: dem sexuellen Interesse an Theo und einem exzessiven Lutschen an Phallus-Symbolen.

Man könnte es auch so ausdrücken: Für diesen „Hot Dog“ wurden gleich zwei labbrige Würstchen zwischen alte Brötchenhälften gepackt, die aus maskulinen Egotrips und misogynen Abwertungsreflexen gebacken wurden – abgestanden, zäh und gar nicht lecker.

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