Lux - Krieger des Lichts

Drama | Deutschland 2017 | 104 Minuten

Regie: Daniel Wild

In der Gestalt seines Alter Egos „Lux“ versucht ein schüchterner Mann, in seinem näheren Umfeld Gutes zu tun. Als „erster Reallife-Superhero Deutschlands“ wird er zum Protagonisten eines Internet-Dokuformats, dessen schmieriger Produzent immer mehr Action und Spektakel verlangt, sodass der Held in ein Skript gerät, über das er keine Kontrolle mehr hat. Aus pseudodokumentarischen Bildern montierte Geschichte über Maskerade und Sensationslust im digitalen Zeitalter, deren Figuren ebenso eindimensional und schlicht konzipiert sind wie die dahinterstehende Medienkritik.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Daniel Wild
Buch
Daniel Wild
Kamera
Yannick Bonica
Schnitt
Clemens Walter · Sebastian Lempe
Darsteller
Franz Rogowski (Torsten Kachel / Lux) · Anne Haug (Lina Peschke) · Kristin Suckow (Kitty / Simone Florin) · Tilman Strauß (Jan Mika Zogg) · Heiko Pinkowski (Holger Brandt)
Länge
104 Minuten
Kinostart
04.01.2018
Fsk
Genre
Drama | Komödie
Diskussion
Schon als Kleinkind wollte Torsten Kachel Gutes tun. So verlieh er in der Kinderkrippe seinen Schnuller täglich an andere Kinder. Inzwischen versucht der schüchterne junge Mann, in Gestalt seines Alter Egos „Lux“ in unmittelbarer Umgebung zu helfen. Lux ist ein frei improvisierender Sozialarbeiter, Streetworker, Kiez-Aktivist und Superheld in Personalunion. Bekleidet mit einem mit viel Detailliebe und Nerd-Geist gebastelten Superhelden-Dress sammelt er übriggebliebene Schrippen vom Bäcker ein, verteilt Essenspakete an Obdachlose, verarztet Unfallopfer an Ort und Stelle und organisiert Demonstrationen in seinem Ostberliner Bezirk gegen Mieterhöhung und Verdrängung. Als „erster Reallife-Superhero in Deutschland“ soll Lux Protagonist einer Doku werden, für die der ehrgeizige Regisseur Jan Geld aufzutreiben versucht. Dabei gerät er an den schmierigen Produzenten Brandt. Der sieht Potenzial im so genannten Freak-Faktor, fordert aber mehr Action und empfiehlt die Sache fürs Netz. Mit einer Actionkamera ausgestattet, streift Lux in Begleitung von Jan, dessen Mitarbeiterin Lina und einem (im Film unsichtbaren) Kameramann durchs nächtliche Berlin, um in brenzlige Situationen zu geraten. Es zeigt sich schnell, dass das „echte Leben“ nicht unbedingt medienwirksame Ereignisse produziert. Erst als ein Clip, in dem Lux bei der Jagd auf einen Dieb vor Aufregung in die Superheldenhose pinkelt, zum YouTube-Hit avanciert, wittert Brandt das große Geschäft. Torsten wird in ein maßgeschneidertes Kostüm gesteckt und zum Markenartikel „Lux“ aufgebaut. Er bekommt Auftritte in Shows, ein Musikvideo und mit der Burlesk-Tänzerin Kitty eine Teamgefährtin mit Aussicht auf eine Love Story. Die „Authentizität“ schreienden Situationen im urbanen Raum folgen aber immer mehr den Vorgaben der „Scripted Reality“ – mit ganz realen Folgen: Ein wohnungsloser Freund, der als Protagonist einer Verbrechensbekämpfungsszene missbraucht wird, wandert unglücklicherweise in den Knast. Lux verliert sich immer mehr in einem Drehbuch, das andere für ihn schreiben. Daniel Wilds Debütfilm besteht ausschließlich aus pseudodokumentarischen Bildern unterschiedlicher Herkunft. Sie stammen vom Kameramann des Films, von Lux’ Actionkamera, von heimlich installierten Überwachungskameras plus Musikvideos und anderen Zusammenschnitten, die für die sozialen Medien aufbereitet wurden. Es sind die Produkte (und Abfallprodukte) eines Projekts, das irgendwann wüst aus dem Ruder geriet, am Ende aber einen fertigen Film ergibt. Oder eher: einen Film im Film. Doch auch wenn es hier wackelt und ruckelt und dort pixelt, reißt und schwenkt oder die Bilder mal ganz in Statik verharren, erzeugen sie keinerlei Reibung. Das ganz auf Mockumentary-Wirrwarr gebürstete Konzept ist nicht nur visuell ermüdend. Trotz allen dramaturgischen Aufwands, Meta-Ebenen in die Erzählung einzuziehen, ist die Medienkritik des Regisseurs von verblüffender Einfalt und Gestrigkeit: Man sieht sich in Zeiten zurückversetzt, in denen Reality-TV der letzte Schrei war. Und angesichts der plumpen Figurenzeichnung, mit Brandt als skrupellosem „Medienarsch“, dem Opportunisten Jan, der sich kaufen lässt, und Lina als Frau mit Gewissen, ist es fast schon anrührend zu sehen, mit welch nuancierter Ernsthaftigkeit der Schauspieler Franz Rogowski seine Figur des Torsten/Lux ausstattet. Für die Welt, die der Film zeichnet, ist er tatsächlich zu gut.
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