Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft

Abenteuerfilm | Deutschland/Österreich 2017 | 99 Minuten

Regie: Tim Trageser

Ein Jugendlicher, der gerade gegen die elterlichen Umzugspläne aufbegehrt, erlebt, dass seine Eltern vom Geist einer toten Lehrerin auf Miniaturgröße verkleinert werden. Da das böse Gespenst noch andere finstere Pläne hegt, obliegt es dem Jungen und seinen Freunden, diese zu durchkreuzen und die Geschrumpften zu retten. Fortsetzung eines Fantasy-Klamaukfilms, die tricktechnisch überzeugt und in dem das erwachsene Ensemble mit Hingabe spielt. Das kann aber erzählerische Schwächen wie überflüssige Nebenstränge nicht ausgleichen, neben denen der Rollentausch zu kurz kommt.

Filmdaten

Originaltitel
HILFE, ICH HAB MEINE ELTERN GESCHRUMPFT
Produktionsland
Deutschland/Österreich
Produktionsjahr
2017
Regie
Tim Trageser
Buch
Gerrit Hermans
Kamera
Felix Poplawsky
Schnitt
Marco Pav D'Auria
Darsteller
Oskar Keymer (Felix Vorndran) · Anja Kling (Dr. Schmitt-Gössenwein) · Axel Stein (Peter Vorndran) · Julia Hartmann (Sandra Vorndran) · Andrea Sawatzki (Hulda Stechbarth)
Länge
99 Minuten
Kinostart
18.01.2018
Fsk
ab 0; f
Genre
Abenteuerfilm | Komödie
Diskussion

Däumelinchen, der Däumling, Daumesdick. In Märchen oder Kunstmärchen sind es meist Kinder, die, nicht länger als ein Daumen, ob ihrer physischen Unterlegenheit diverse Abenteuer mit Kreativität und Intelligenz meistern müssen. Auch der filmische Klassiker „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ (fd 27 989) bedient sich dieser Motive. In den letzten Jahren wurde das Schrumpfen liberaler gehandhabt; spätestens jetzt müssen sich auch Erwachsene in Miniaturgröße den Gefahren eines riesenhaften Alltags stellen.

In „Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft“ von Tim Trageser ereilt dieses Schicksal die Eltern von Felix. Im erfolgreichen Vorgänger „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft“ (fd 43 513) aus dem Jahr 2015 war es noch die Schuldirektorin Dr. Schmitt-Gössenwein, die auf einmal klitzeklein und auf die Hilfe von Felix und seiner Freunde angewiesen war. Hinter der Schrumpfung stand damals der Schulgründer und Reformpädagoge Otto Leonhard, der seine Ideale bedroht sah. Er spukt auch jetzt wieder am Rande mit.

Für Verkleinerungen und insbesondere für Angst und Schrecken ist diesmal Hulda Stechbarth zuständig, eine ehemalige Schulleiterin, die durch einen faulen Zauber als Zombie in einem viktorianischen Korsett erwacht und fortan teilskelettiert, augenrollend und knochenknacksend für die Wiedereinführung von Zucht und Ordnung kämpft. Erneut ist die Schule in Gefahr, wieder sind Felix, Ella und ihre Freunde gefragt. Nebenbei muss sich Felix auch noch um seine geschrumpften Eltern kümmern.

Mit dem Verlust der ursprünglichen Körpergröße geht bei den Erwachsenen eine beachtliche Regression einher. Das ist eine gute Projektionsfläche für allerlei Rollentausch-Scherze. Als der klitzekleine Vater seinen Sohn um sein Handy bittet, das in unerreichbarer Ferne liegt, antwortet Felix: „Du bist doch noch viel zu klein für ein Handy!“ Die Freude über Riesenpommes und Ketchup im Eierbecher ist dafür umso größer. Das Zähneputzen wird zur Staatsaffäre, gebadet wird – selbstredend widerwillig – im Zahnputzbecher, zum Schlafen legt man sich in Turnschuhe, als kuschelige Schlafsäcke dienen Socken.

Einen metaphorisch ernsten Unterton hat das Spiel mit den Rollen auch: Die Eltern merken, wie sehr sie manchmal über die Bedürfnisse ihres gar nicht mehr so „kleinen“, aber in vielen Dingen von ihnen abhängigen Sohnes hinweggehen. Die Umkehr-Erzählung ist originell und voller witziger Einfälle, die kleine wie große Zuschauer erreichen.

Im Kern aber geht es um die Rettung der Schule vor Hulda Steckbarth durch die Clique um Felix und Ella, die von der zwischenzeitlich zur Vorzeige-Pädagogin gewandelten Dr. Schmitt-Gössenwein unterstützt wird. Diese Rahmenhandlung wird durch einige redundante Seitenstränge ergänzt, die ein wenig an serielles Erzählen erinnert, etwa eine angedeutete Romanze zwischen Schuldirektorin und Hausmeister. Die Rahmenhandlung an sich ist eher bieder gestaltet und an mehr oder weniger angestaubte Pennäler-Komödien angelehnt: Hinaufklettern an der pittoresken Schulfassade (Drehort war Schloss Faber-Castell in Stein bei Nürnberg), konspirative Treffen, Ablenkungsmanöver. Manche Zusammenhänge werden gar nicht erklärt, andere umso umständlicher. Die Figur der Hulda wird von Andrea Sawatzki mit hexenhafter Hingabe gespielt; sie ist allerdings zu gruselig und zu böse für eine FSK-Freigabe ohne Altersbeschränkung.

Der Titel „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ führt also ein wenig in die Irre. Denn der Rollentausch macht nur einen Bruchteil des Films aus, der damit sein eigentliches Potential verschenkt.

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