Der andere Liebhaber

Drama | Frankreich/Belgien 2017 | 108 Minuten

Regie: François Ozon

Ein ehemaliges Fotomodell landet wegen psychosomatischer Beschwerden beim Psychiater und verliebt sich in den attraktiven Arzt. Ihre Beziehung entfaltet sich romantisch und zukunftsorientiert, bis eine zufällige Begegnung den herrischen Zwillingsbruder offenbart, der ebenfalls als Therapeut arbeitet und mit der jungen Frau eine Affäre beginnt. Der mit überdeutlichen Symbolbildern nicht geizende Psychothriller entfaltet sich in einer kühlen Optik mit vielen Anleihen bei Roman Polanski. Irritierende Körperbilder verschmelzen dabei unmerklich mit den Fantasmen der Hauptfigur. Der doppelbödige Film besticht weniger durch Subtilität als durch den geschickt forcierten Strudel eines mentalen Abstiegs, der auch den historischen Diskurs zwischen Hysterie und Geschlecht in Erinnerung ruft.

Filmdaten

Originaltitel
L' AMANT DOUBLE
Produktionsland
Frankreich/Belgien
Produktionsjahr
2017
Regie
François Ozon
Buch
François Ozon · Philippe Piazzo
Kamera
Manu Dacosse
Schnitt
Laure Gardette
Darsteller
Marine Vacth (Chloé Fortin) · Jérémie Renier (Paul Meyer / Louis Delord) · Jacqueline Bisset (Mme Schenker / Chloés Mutter) · Myriam Boyer (Rose) · Dominique Reymond (Gynäkologin / Dr. Agnès Wexler)
Länge
108 Minuten
Kinostart
18.01.2018
Fsk
ab 16; f
Genre
Drama | Literaturverfilmung | Thriller
Diskussion

Wie ein langer, nasser Vorhang hängen die Haare um das schöne Gesicht, auf das die erste Einstellung in Form eines Gucklochs stößt. In kurzen Schnitten lässt sich eine junge Frau einen Kurzhaarschnitt verpassen und starrt entschlossen, geradezu wütend in die Kamera. Chloé schaut den Zuschauer an. Und Regisseur François Ozon antwortet mit einem Blick in ihr Innerstes, mitten hinein in ihre von einem metallenen Spekulum gespreizte Vagina. Gilt das Auge als Fenster zur Seele, präsentiert sich der gynäkologische Einblick wie ein Guckloch, um dem Begehren auf den Grund zu gehen – und damit zugleich den historischen Fehlschluss von psychischer Störung und Geschlecht, Hysterie und Gebärmutter.

Ein erneuter Close-Up auf Chloés Auge enthüllt eine herablaufende Träne, als die Frauenärztin erklärt, dass die ausbleibende Periode von einer Infektion herrührt, nicht aus einer Schwangerschaft. Für Chloés anhaltende Bauchschmerzen, mutmaßlich psychosomatischen Ursprungs, empfiehlt sie einen Psychiater. Der blonde Arzt, dem Chlo&eacu

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