Maide'nin Altin Günü

Komödie | Türkei 2017 | 104 Minuten

Regie: Caner Özyurtlu

Türkische Volkskomödie über eine Mittfünfzigerin, die sich mit lautem Humor und vulgären Sprüchen gegen alle Bevormundungen der Männer zur Wehr setzt, aber auch die Frauen ihres Kaffeekränzchens aussticht. Die Nummernrevue präsentiert sich als reine Possenreißerei, bricht altbackene Klischees teilweise durchaus intelligent auf. Ein karnevaleskes Spiel mit Rollenklischees zwischen subversiver Brechung und affirmativer Ironie. (O.m.d.U.)

Filmdaten

Originaltitel
MAIDE'IN ALTIN GÜNÜ
Produktionsland
Türkei
Produktionsjahr
2017
Regie
Caner Özyurtlu
Buch
Serkan Altuniğne · Çagdas Dinç
Kamera
Alp Korfali
Darsteller
Ezgi Mola (Maide) · Mesut Can Tomay · Hilmi Özçelik · Gülhan Tekin · Demet Gül
Länge
104 Minuten
Kinostart
21.12.2017
Fsk
ab 0; f
Genre
Komödie
Diskussion

Weiberwirtschaft auf Türkisch. Mit vulgärem Witz und schlechter Laune schickt Tante Maide nicht nur die Männer aufs Abstellgleis, sondern macht auch ihren Nachbarinnen das Leben schwer. 

Mit leicht schrillen Klamotten und etwas zu geschminkt stöckelt Maide über den Markt. Hier ein schiefer Seitenblick auf den Händler, dessen Tomaten nicht frisch genug sind, dort ein gezielter Judo-Griff gegen den Büstenhalter-Verkäufer, der sie mit einem sexistischen Spruch belästigt. Maide rempelt sich selbstbewusst durch die Straßen, ist in jeder Warteschlange die erste und überhaupt nicht nett, wenn Kellner oder andere Männer sie mit anzüglichen Freundlichkeiten und doppeldeutigen Witzen bedrängen. Darin erinnert sie an die männliche Comedy-Figur Recep Ivedik, der genauso störrisch und ohne jede Selbstkritik durchs Leben trampelt. Beide Figuren sind Beschwerdeführer gegen alles, was ihnen nicht in den Kram passt, schrill gestylt, etwas übergewichtig, aber mit dem Herzen am rechten Fleck.

Maide wird von Ezgi Mola gespielt, die schon in den „Kocan Kadar Konuş“-Filmen ((fd 43 023), (fd 43 656)) in die Rolle einer Bibliotheksangestellten schlüpfte, die sich nicht anpassen kann. Maide ist auf ihre Art genauso eigensinnig. Jeder Mann in ihrer Nähe wird verbal attackiert, und wenn ein Taxifahrer einen dummen Spruch riskiert, bekommt er auch gleich eins auf die Nase.

Dabei ist sie keineswegs eine Feministin. Zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zählt die Organisation von Kaffeekränzchen, bei denen sie ihren Nachbarinnen zeigt, wer den besten Bulgur-Salat anrichtet und die leckersten gefüllten Weinblätter auftischt.

Das Verhältnis der Frauen ist von Neid und falscher Freundschaft geprägt. Als bei einer der lebhaften Zusammenkünfte eine wertvolle Halskette verlorengeht, breitet sich Misstrauen aus. Um die Diebin zu entlarven, macht sich Maide zusammen mit dem pubertierenden Sohn einer Verwandten, der für ein paar Wochen bei ihr wohnt, auf eine kriminalistische Suche. Dabei kommen allerlei Geheimnisse ans Tageslicht. So verkauft eine der Frauen heimlich Vibratoren, die sie aus Deutschland importiert; eine andere wird von Spielcasinos magisch angezogen, und ihre härteste Kaffeekränzchen-Konkurrentin besorgt ihre angeblich selbstgemachten Leckereien auf dem Markt.

Während in den letzten Jahren türkische Volkskomödien primär auf alltägliche Figuren fixiert waren, die sich störrisch gegen jede Veränderung ihrer Umwelt, insbesondere gegen die Gentrifizierung, zur Wehr setzten, interessieren sich die jüngsten Vertreter des Genres ganz offensichtlich für Dinge, die unter den Teppich gekehrt werden. So macht „Maide’nin Altin Günü“ auf die Doppelmoral einer Spießerin aufmerksam, die in ihrer Wohnung alles „Unreine“ austilgen will und jedes weggeworfene Papiertaschentuch ihres jugendlichen Gastes beschnuppert, sich im Sportstudio aber prompt in die Männersauna verirrt. Das ist bisweilen voller subversivem Humor, aber auf reichlich burleskem Niveau. An dieser Inszenierung lässt sich die Handschrift des „Recep Ivedik“- Drehbuchautors Serkan Altunigne erkennen, aber auch die des Regisseurs Caner Özyurtlu, von dem die „Yok Artik“-Filme (fd 43 457) stammen.

Filmisch sind Maides Abenteuer reine Possenreißerei, nahe am dumpfen Klischee der bösen Schwiegermutter mit dem Nudelholz, aber intelligent genug, um das weibliche Zielpublikum nicht zu verschrecken. Wer sich vom überdeutlichen Humor nicht abschrecken lässt, kann der subversiven Freude eines unangepasst-angepassten Frauencharakters auf die Spur kommen, die nach dem Motto lebt: Bevormunden lass ich mich nicht; wenn eine bevormundet, dann bin ich das! Ein karnevaleskes Spiel mit Rollenklischees zwischen subversiver Brechung und affirmativer Ironie.

Kommentar verfassen

Kommentieren