Hadi Be Oglum

Drama | Türkei 2018 | 114 Minuten

Regie: Bora Egemen

Pathetische Schmonzette um eine Dreimännerwirtschaft in einem malerischen türkischen Mittelmeerstädtchen. Ein ohne Mutter aufgewachsener Mann will seinen Sohn ebenfalls alleine großziehen, kommt aber nur schwer mit dessen autistischer Behinderung klar. Das ändert sich erst, als sich der Junge am Klavier als Wunderknabe entpuppt. Das schwülstige Vater-Sohn-Drama entbehrt jeder Glaubwürdigkeit und lässt keinerlei Reflexion über das eigenwillige Generationenverhältnis in der Türkei erkennen. (O.m.d.U.)

Filmdaten

Originaltitel
HADI BE OGLUM
Produktionsland
Türkei
Produktionsjahr
2018
Regie
Bora Egemen
Buch
Firat Parlak
Kamera
Stefano Morcaldo
Schnitt
Neslihan Kuş
Darsteller
Kivanç Tatlitug · Büsra Develi · Alihan Türkdemir · Feridun Düzagaç · Sezai Aydin
Länge
114 Minuten
Kinostart
15.02.2018
Fsk
ab 6; f
Genre
Drama
Diskussion

Ali und sein Vater leben im malerischen Städtchen Kaş an der südwestlichen Mittelmeerküste. Sonne, romantische Buchten, gut geputzte Boote und eine freundliche Atmosphäre, in der jeder jeden kennt. Ein Land wie aus dem Bilderbuch. Überschattet wird das Glück nur durch Alis Lebensgeschichte; seine Mutter ist früh gestorben, der Vater hat ihn alleine großgezogen. Eine Aufgabe, der sich auch Ali verschrieben hat. Weil die Frau, mit der er einen Sohn gezeugt hat, an Depressionen leidet, will er den jungen Efe alleine aufziehen. „Hadi be Oğlum“ beginnt mit einer Reihe von orchestral untermalter Vater-Sohn-Szenen, was durchaus rührend ist, auch wenn die Passagiere, die Ali und sein Vater auf ihrer antiken Yacht durch die Ägäis schippern, von dem nachtaktiven Baby nicht immer begeistert sind. Sieben Jahre später ist aus dem süßen Fratz der stumme Efe geworden, ein in sich gekehrtes Kind, das seinen Vater nie anschaut, Angst vor der Schule hat und kein Wort spricht. Vor allem aber stört Ali, dass seine Fürsorge von Efe in keiner Weise erwidert wird. Das ist eine dramaturgische Grundkonstellation, die auf die Empathie des Publikums setzt, auf das Mitleid mit einem selbstlosen Vater, der von dem Ex-Model Kıvanç Tatlıtuğ als neuer Mann mit wohldefiniertem Körper sexy in Szene gesetzt wird. Gemeinsam mit Alis warmherzigem Vater leben die Drei als aufgeräumte, humorvolle Männerwirtschaft, deren Glück nur durch Efes Autismus getrübt wird. Mit dieser Herz-Schmerz-Ladung wird die Story emotional so weit aufgepeppt, bis die dramaturgische Unlogik des Drehbuchs kaum noch ins Gewicht fällt; Efe ist das Ergebnis eines One-Night-Stands mit einer depressiven Touristin, der Ali nach einem Selbstmordversuch das Leben rettete. Der Rest ist pures Pathos. Alis Vater stirbt, als er Efe vor dem Ertrinken rettet, und Ali entdeckt per Zufall, dass sein Sohn am Klavier ein Naturtalent ist. Zufällig hält sich ein Bekannter aus Istanbul in der Stadt auf, der Efe fördert und zu einem Konzert einlädt. Bis dahin hat Efe seinen Vater erstmals auch mit großen Augen angeschaut. Eine simple Story mit viel falschem Überschwang und orchestralem Dröhnen auf der Tonspur. In diesem Film beschämen sogar die Bilder von der wunderschönen Mittelmeerküste.

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