Die Biene Maja - Die Honigspiele

Animationsfilm | Deutschland/Australien 2017 | 85 Minuten

Regie: Alexs Stadermann

Weiteres Leinwandabenteuer um die für scheinbar aktuelle Sehgewohnheiten modisch aufgepeppte Biene Maja und ihre Freunde. Der dünne rote Faden rankt sich um so genannte Honigspiele, bei denen Maja die Vorräte ihres Volkes für mehrere Jahre sichern will. Die Fortsetzung lässt wenig inhaltliche Eigenleistung erkennen, sondern bedient sich auch in Tempo und Tonfall bei US-Mainstreamfilmen. Dabei geht das Warme und Herzliche verloren, auch das Unperfekte der Vorlage von Waldemar Bonsel; statt dessen dominieren Plattitüden und monotone Vollkommenheit.

Filmdaten

Originaltitel
MAYA THE BEE: THE HONEY GAMES
Produktionsland
Deutschland/Australien
Produktionsjahr
2017
Regie
Alexs Stadermann · Noel Cleary
Buch
Fin Edquist · Christopher Weekes · Adrian Bickenbach
Länge
85 Minuten
Kinostart
01.03.2018
Fsk
ab 0; f
Genre
Animationsfilm | Kinderfilm
Diskussion
Zu einer Million Zuschauer, die oft als Initialzündung für eine Fortsetzung gilt, hat es bei der Neuauflage des japanischen Fernsehserien-Abkömmlings „Die Biene Maja“ (fd 20 611) nicht gereicht, die vor ein paar Jahren als „Die Biene Maja – Der Kinofilm“ ( fd 42 560) in die Kinos kam. Jetzt hat das Münchner Trickfilmstudio 100 Media die Marke Maja ein weiteres Mal ins Zentrum eines Leinwand-Abenteuers gerückt. Regie führt erneut Alexs Stadermann, der sein Handwerk als Animator bei Disney erlernte und unter anderem die Fernsehserie „Kein Keks für Kobolde“ verantwortete. Optisch hält er sich an die Vorgaben des Vorgängers. Die Figuren wirken schlanker, die Farbgebung ist kräftiger als im japanischen „Original“, wobei Gelb-, Gold- und Brauntöne dominieren; die Formen besitzen insgesamt einen moderneren Look. Gleich in der Eröffnungssequenz werden die Sehgewohnheiten der aktuellen Kindergeneration getestet. Denn die Inszenierung gibt ordentlich Gas, wenn Maja auf einer Libelle in bester „Star Wars“-Manier zwischen wie riesige Bäume anmutenden Grasbüscheln und gigantischen Schluchten gleichenden Gesteinsbrocken hindurchrast. Das als Flugobjekt missbrauchte Insekt erinnert dabei nicht von ungefähr an die sympathischen Fabelwesen aus „Drachenzähmen leicht gemacht“ (fd 39 793). Überhaupt lässt sich bei dieser Produktion inhaltlich wenig Eigenleistung erkennen. Das Drehbuch erinnert in seiner Struktur an einen fürs sehr junge Publikum angepassten Mix aus „Die Tribute von Panem“ (fd 40 979) und „Harry Potter und der Feuerkelch“ (fd 37 349). Im Kern geht es um die mutige Maja, die bei den anstehenden Honigspielen unbedingt gewinnen muss, um die Vorräte ihres Bienenvolks für die kommenden Jahre zu sichern. Dabei tritt sie gemeinsam mit ihrem besten Freund Willi und einigen ziemlich schrägen Underdogs gegen vier weitere Teams an. Diesen dünnen roten Faden nutzt Stadermann, um einige neue, im Trend liegende Figuren aus dem Krabbel-Universum vorzustellen, darunter eine neurotische Kakerlake mit Schmutzphobie, eine sich vegetarisch ernährende Spinne und Majas Gegenpart, die arrogante Zicken-Biene Violetta, die in puncto Jugendsprache und Tonfall einer US-Teenie-Komödie entsprungen sein könnte. Allerdings bleiben die viel zu vielen Charaktere durchgängig klischeehaft und oberflächlich, und auch die Themen drehen sich um die immergleichen Fragen nach Freundschaft und Zusammenhalt, Ehrlichkeit und Selbstbewusstsein. Im Kontext eines Kinderfilms, der auf leichtes Family Entertainment, Action und Humor sowie ein bisschen Spannung setzt, wirken diese Werte jedoch ziemlich beliebig. Etwas mehr Verlass ist auf Charaktere aus den legendären Büchern von Waldemar Bonsel, etwa die gefräßige Spinne Thekla oder der ebenso kluge wie großherzige Grashüpfer Flip. Auch die Bösewichter wissen einigermaßen zu gefallen: Die von Andrea Sawatzki mit viel Feingefühl gesprochene gestrenge Kaiserin von Summtropolis, die ihr Herz am rechten Fleck trägt, und ihr devoter Lakai, Alfons Graf von Bienenstich der Dritte, dem Uwe Ochsenknecht allerdings ein wenig zu viel Überheblichkeit und Hochnäsigkeit in die Stimme legt. Was den „Honigspielen“, die darüber hinaus auch noch schamlos die „Rocky“-Filme und „Taxi Driver“ (fd 19 983) zitieren, aber fehlt, ist das Warme und Herzliche, das Unperfekte und Fehlerhafte. Jene Qualitäten, die lediglich der schusselige, sehr menschliche und erneut von Jan Delay gesprochene Willi in Ansätzen erfüllt, in einer Welt, die sich vor allem durch Sterilität, Plattitüden und monotone Vollkommenheit auszeichnet.
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