Biopic | Großbritannien 2017 | 118 Minuten

Regie: Andy Serkis

Der britische Teehändler Robert Cavendish (1930-1994) erkrankte während einer Afrikareise an Polio und wäre dem Tod geweiht gewesen, wenn seine Ehefrau nicht alles darangesetzt hätte, ihn zuhause zu pflegen. Dank ihrer Liebe gelingt es dem vom Hals an gelähmten und auf eine eiserne Lunge angewiesenen Mann, sich mit seinem Schicksal anzufreunden und später sogar als Botschafter für die Rechte Schwerstbehinderter durch die Welt zu reisen. Das in der Realität verbriefte Feel-Good-Movie lebt von überzeugenden Hauptdarstellern und berührenden Momenten großer Lebenslust, spart in seiner romantischen Sicht aber die Unbill des Lebens allzu sehr aus.

Filmdaten

Originaltitel
BREATHE
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2017
Regie
Andy Serkis
Buch
William Nicholson
Kamera
Robert Richardson
Schnitt
Masahiro Hirakubo
Darsteller
Andrew Garfield (Robin Cavendish) · Claire Foy (Diana Cavendish) · Tom Hollander (David Blacker) · Stephen Mangan (Dr. Clement Aitken) · Dean-Charles Chapman (Jonathan Cavendish mit 22 Jahren)
Länge
118 Minuten
Kinostart
19.04.2018
Fsk
ab 12; f
Genre
Biopic | Drama | Liebesfilm
Diskussion
Andy Serkis, den man bislang als Schauspieler etwa aus der „Herr der Ringe“-Trilogie in Gestalt von Gollum oder den „Planet der Affen“-Filmen als Caesar kennt, erzählt in seinem Regiedebüt die Lebensgeschichte des ersten Menschen, der außerhalb eines Krankenhauses mit einer eisernen Lunge lebte. Serkis tut dies durch eine dicke rosa Brille, die manches beschönigt. Doch die Tragik der auf Tatsachen beruhenden Geschichte sowie die sensationelle Leistung des Darstellers Andrew Garfield als vom Hals abwärts gelähmter Protagonist lassen darüber hinwegsehen. Not macht erfinderisch, heißt es. Im Jahr 1958 liegt der Brite Robin Cavendish in einem Spital in Nairobi und atmet nur noch mit Hilfe einer Maschine. Der vom Hals abwärts gelähmte Teehändler ist das Opfer einer der letzten großen Polio-Wellen der Welt; in den 1950er-Jahren wurde gegen die oft tödlich verlaufende Virusinfektion zwar ein Impfstoff entdeckt, doch bei dem 28-jährigen Cavendish schlägt die Impfung nicht an. Der frisch verheiratete Mann weilt mit seiner Frau Diana auf Handelsreise in Kenia und freut sich auf die Geburt des ersten Kindes, als ihn beim Tennisspiel eine ungewöhnliche Schwäche befällt. Schon in der darauffolgenden Nacht versagen seine Muskeln. Die Ärzte geben ihm nur noch ein paar Monate, die er im Krankenhaus verbringen soll, da er von der Beatmungsmaschine abhängig ist. Das sind schwer deprimierende Umstände, zumal Cavendish in den ersten Monaten seine Stimme nicht gebrauchen und damit nicht kommunizieren kann. Doch seine Ehefrau beschließt, nach der Geburt mit Cavendish nach Oxford zurückzukehren. Dort wird alles aber nur noch schlimmer. Der Tod, da sind sich die anderen Polio-Patienten im großen Saal des Krankenhauses einig, sei die einzige Erlösung. Das ist für seine Frau keine Option; Cavendish soll seinen Sohn aufwachsen sehen und ihm ein guter Vater sein. Die Inszenierung zieht das als übergroße romantische Liebe auf, obwohl es bedauerlich ist, dass nur Cavendish eine innere Stimme erhält, diese aber seine Frau vorenthalten wird. Die tut alles, um ihn aus dem Krankenhaus herauszuholen. Sie kauft ein Haus und bringt es zustande, dass sie Cavendish mit seiner eisernen Lunge zu Hause pflegen kann. Das Dasein im Kreis der Seinen ist ungleich erträglicher, was Andrew Garfield mit extrem starkem Mienenspiel in unzähligen Nuancen spiegelt. Es ist die Geschichte eines Triumphes: Robin Cavendish ist nicht nur der erste Mensch, der außerhalb eines Krankenhauses mit einer Beatmungsmaschine lebte. Er regte einen erfinderisch veranlagten Freund auch an, diese in einen Rollstuhl einzubauen. Das ermöglichte ihm, die letzten Jahre seines Lebens als engagierter Botschafter für das Rechte von Schwerstbehinderten durch die Welt zu reisen. Das Kino liebt Geschichten wie solche, die man mit Serkis’ Worten als „Triumph des menschlichen Geistes über alle Widrigkeiten“ bezeichnen kann. Wenn sie wie hier in der Realität verbrieft ist, lässt sich inhaltlich daran kaum etwas kritisieren: Robin Cavendish ist der Vater von Andy Serkis’ Geschäftspartner Jonathan Cavendish. „Solange ich atme“ reiht einen berührenden Moment an den nächsten und ist zwischendurch auch wunderbar lebenslustig; zudem sind Andrew Garfield und Claire Foy als seine Ehefrau ein schauspielerisch starkes, glaubwürdiges Paar. Ein bisschen mehr Unbill des Seins, die es im Leben von Robin Cavendish sicherlich gegeben hat, hätte diesem Feelgood-Movie allerdings durchaus gutgetan.
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