Romantische Komödie | Türkei 2018 | 98 Minuten

Regie: Serkan Acar

Ein Straßenjunge findet auf der Flucht nach einem Taschendiebstahl zufällig Unterschlupf bei einem gut situierten Pärchen. Sein Boss versucht das Waisenkind mit einem Trick in seine Bande zurückzuholen, sodass der Junge aufs Neue für eine bessere Zukunft kämpfen muss. Kitschiger, bemüht inszenierter Heile-Welt-Film über den Kampf zwischen Gut und Böse und für den Wert der Familie. Im Dienste der Rührseligkeit opfert das Drehbuch willfährig Logik und Geschmack, unterstützt von einer aufdringlichen Filmmusik. (O.m.d.U.)

Filmdaten

Originaltitel
RÜZGAR
Produktionsland
Türkei
Produktionsjahr
2018
Regie
Serkan Acar
Buch
Volkan Girgin
Kamera
Ercan Özkan
Schnitt
Ahmet Teke
Darsteller
Belçim Bilgin (Ece) · Halil Sezai Paracikoglu (Alper) · Ataberk Mutlu (Rüzgar) · Nebil Sayin · Cezmi Baskin
Länge
98 Minuten
Kinostart
25.01.2018
Fsk
ab 6; f
Genre
Romantische Komödie
Diskussion
Der 10-jährige Waise Rüzgar ist auf Umwegen in die Abhängigkeit des skrupellosen Kleingangsters Robin geraten, doch der Junge träumt von einer richtigen Familie. Als der Zufall ihn in die Wohnung von Ece verschlägt, scheint der Traum Wirklichkeit zu werden. Der Film beginnt mit einer Handvoll Figuren, die ziemlich alleine sind mit ihren großen Träumen: Ece ist die stellvertretende Geschäftsleiterin einer Windelfirma. In einem Werbespot hat sie sich gerade als äußerst umsichtige Mutter präsentiert, was sie zur Lieblingsmama der Nation macht. Ihr Freund Alper möchte gerne ein Kind mit ihr. Er weiß allerdings nicht, dass sie wegen einer Herzmuskelschwäche nicht schwanger werden kann, ohne ihre eigene Gesundheit und die des Babys aufs Spiel zu setzen. Robin hingegen, der in jeder Szene Cowboystiefel trägt und schlaksig durch die Gegend stolziert, ist der Chef einer Kindergang, die er in einem aufgelassenen Bahnhof versteckt und darauf drillt, in Istanbul auf Diebestour zu gehen. Er bekommt immer wieder Ärger mit Osman, dem wirklichen König von Kadiköy, tut aber alles, um genauso böse wie Osman zu werden. Und schließlich Rüzgar (zu deutsch: Wind), der schnellste Taschendieb in Robins „Akademie“, der nur ein Sehnsucht kennt: die nach einer echten Familie. Als Rüzgar auf der Flucht vor einem seiner Opfer in Eces Wohnung stolpert, ist er von dem Ambiente fasziniert: zwei-Etagen-Maisonette, voller Kühlschrank und ein netter Hund. Er macht es sich erst mal gemütlich. Und Ece nimmt gemeinsam mit Alper die Herausforderung an und den Kleinen auf; man denkt an Adoption. Doch Robin will seinen besten Mann zurück. Er inszeniert seine beiden Kumpel Ezo und Beton als „echte“ Eltern von Rüzgar und lässt sie, als ländlich-religiöses Pärchen verkleidet, in einer Fernsehshow gegen die Windelfirma agieren, die Rüzgar angeblich entführt hat. Worauf der Junge wieder in die Hände des Gangsters fällt. So geht das ein paar Mal hin und her, doch am Ende gewinnen die Guten. Ein menschelnder Plot mit einem Kinderstar, einem klaren Gut-Böse-Schema und einem Finale, bei dem Ece und Alper alle zehn Mitglieder der Kindergang adoptieren. Dazwischen knarzt und rumpelt es mächtig, um den Plot geschmeidig zu machen. Die Polizei hegt keine Zweifel, wenn es darum geht, Rüzgars falschen Eltern das Sorgerecht zuzusprechen, rettet am Ende aber die Welt vor den bösen Kriminellen. Robin und seine Gang bleiben in dem alten Bahnhof unentdeckt, und Alper und Ece, die seit Jahren liiert sind, haben noch nie über Eces lebensbedrohliche Krankheit gesprochen. So wird „Rüzgar“ nicht erst zum Ende hin zum inhaltlich wenig nachvollziehbaren Heile-Welt-Kitsch; ein Märchen, das das Publikum auf einen einzigen Wunsch festlegt: eine Familie haben. Um wirklich überzeugend zu wirken, reichen Kindchen-Schema, seichter Score und ein mit dem Vorschlaghammer gefertigtes Drehbuch nicht aus. Daran ändern auch die Seitenhiebe auf den Enthüllungsjournalismus in Fernsehshows und der anklagende Ton gegen Kinderhandel nichts. Denn dieser Protest geht in dem bemühten, aber recht spannungslos und ohne psychologische Vertiefung inszenierten Film unter, der zwischen Drama und Komödie keine Linie findet.
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