Mein Freund, die Giraffe

Kinderfilm | Niederlande/Belgien/Deutschland 2017 | 74 Minuten

Regie: Barbara Bredero

Mit der Einschulung wird ein Junge auf eine schwere Probe gestellt, weil ihn sein bester Freund, eine Giraffe, nicht dorthin begleiten kann. Als er sich in der Schule mit einem anderen Jungen anfreundet, wird die Giraffe eifersüchtig. Überaus charmant und auf Augenhöhe mit dem jungen Protagonisten erzählt der Kinderfilm nach einem Gedicht von Annie M.G. Schmidt über die Schwierigkeit, Freunde zu finden und Freundschaften zu erhalten. Die Inszenierung zeichnet sich durch ein gutes Gespür für die Situation des Jungen aus und wirkt auch in der Darstellung der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern stimmig und liebenswert.

Filmdaten

Originaltitel
DIKKERTJE DAP
Produktionsland
Niederlande/Belgien/Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Barbara Bredero
Buch
Mirjam Oomkes · Laura Weeda
Kamera
Coen Stroeve
Schnitt
David Verdurme
Darsteller
Liam de Vries (Dikkertje Dap (dt. Fassung: Dominik)) · Martijn Fischer (Opa) · Dolores Leeuwin (Lehrerin Nellie) · Medi Broekman (Suzanne Dap) · Egbert Jan Weeber (David Dap)
Länge
74 Minuten
Kinostart
01.03.2018
Fsk
ab 0; f
Genre
Kinderfilm
Diskussion
Unweit des Hauses, in dem Dominik mit seinen Eltern lebt, teilt sich die Straße: zum Tierpark geht es nach links, in die Schule nach rechts. Obwohl es Dominik gar nicht erwarten kann, endlich in die Schule zu kommen, führt ihn sein Weg täglich in den Zoo. Denn dort lebt die Giraffe Raff. Die hat nicht nur am selben Tag Geburtstag wie Dominik, sondern kann auch noch reden. Zumindest mit Dominik. So besteht für Dominik kein Zweifel daran, dass auch Raff bald gemeinsam mit ihm in die Schule kommen wird. Selbstverständlich hält er an seinem ersten Schultag neben sich im Stuhlkreis einen Platz für die Giraffe frei. Dann aber kommt der bittere Moment der Ernüchterung, als ihm seine Eltern eröffnen, dass nur kleine Menschen in die Schule gehen, Tiere jedoch nicht. Zauberhaft beginnt der niederländische Kinderfilm, der auf einem Gedicht von Annie M.G. Schmidt basiert. Er zeichnet das Bild einer Kleinstadtidylle, die ein wenig an ein Märchen erinnert, und überschreitet die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fantasie, wenn die Giraffe in aller Selbstverständlichkeit mit ihrem menschlichen Freund zu sprechen beginnt. Doch mit Dominiks erstem Schultag setzt die Entzauberung ein; die anfängliche Begeisterung des Jungen weicht der Enttäuschung. Auf einmal schwankt Dominiks Weltbild. Man trennt ihn von Raff, mit dem er sich so verbunden fühlt und alles teilt; auch das liebevolle Verhältnis zwischen Dominik und seinen Eltern gerät ins Wanken. Und dann erzählt ihm sein neuer Klassenkamerad Yous auch noch, dass Tiere überhaupt nicht sprechen können. Ab diesem Moment wird es schwer für Dominik, weiter zwischen den beiden Welten zu pendeln. Hält er sich zunächst noch lieber bei Raff im Tierpark auf, so entwickelt sich langsam doch auch eine Freundschaft mit Yous. Der allerdings mag keine Giraffen, sondern interessiert sich mehr für Elefanten, was die Freundschaft zwischen Dominik und Raff auf eine weitere Probe stellt. Mit einem guten Gespür für eines der wichtigsten Entwicklungsthemen von Kindern im Vor- und Grundschulalter, wie man Freunde findet und Freundschaften gestaltet, schildert Barbara Bredero das Dilemma ihres Protagonisten, mit dem sie stets auf einer Augenhöhe bleibt. „Mein Freund, die Giraffe“ ist bunt, aber nicht kitschig, und zeichnet sich durch eine liebevolle Ausstattung aus. Die Inszenierung hat den Mut, angenehm unaufgeregt zu erzählen. Weder Erwachsene noch Kinder werden dabei der Lächerlichkeit preisgegeben. Auch ohne allzu viele Worte gelingt es dem Film, die Gefühle der Figuren präzise auf den Punkt zu bringen. Negativ fällt nur die Wahl der Synchronstimme von Raff auf. Als Sprecher wurde „Checker Tobi“ verpflichtet, der zwar durch seine Arbeit als Kinderfernsehmoderator über eine große Erfahrung in der Ansprache eines jungen Publikums verfügt, der Giraffe allerdings nicht wirklich einen Charakter verleihen kann. Umso stimmiger ist es, wie der Film von einem Jungen erzählt, der sich erst neu orientieren muss zwischen rationaler Schule und fantasievoller Freizeit und entdeckt, dass Freundschaften auch mehr als zwei Personen umfassen können. Am Ende stellt sich jedenfalls die Frage nicht mehr, ob man nach links in den Tierpark oder nach rechts in die Schule geht. Was scheinbar unvereinbar schien, hat sich aufgelöst.
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