Für dich soll's ewig Rosen geben

Drama | Italien 2017 | 104 Minuten

Regie: Cesare Furesi

Ein älterer Herr kümmert sich auf einem herrschaftlichen Landgut in Sardinien aufopferungsvoll um seinen sterbenskranken Geliebten. Als seine Verwandten zu Besuch kommen, wird offenbar, dass für die Pflege das gesamte Vermögen aufgebraucht wurde. Den drohenden Bankrott soll ein Poker-Coup abwenden. Die über weite Strecken bieder und unglaubwürdig inszenierte Dramödie entfaltet eine sentimentale Romanze. Doch der glänzende Hauptdarsteller verleiht seiner faszinierend doppelbödigen Figur eine tragikomische Aura, die weit über die kitschige Handlung hinausragt.

Filmdaten

Originaltitel
CHI SALVERÀ LE ROSE?
Produktionsland
Italien
Produktionsjahr
2017
Regie
Cesare Furesi
Buch
Cesare Furesi · Guido Furesi
Kamera
Giuseppe Pignone
Schnitt
Filippo Barbieri
Darsteller
Carlo Delle Piane (Giulio Sant'Elia) · Lando Buzzanca (Claudio) · Antonio Careddu (Marco Sant'Elia) · Guenda Goria (Elisabetta) · Massimiliano Buzzanca
Länge
104 Minuten
Kinostart
15.03.2018
Fsk
ab 0
Genre
Drama
Diskussion

Nach dem ärgerlich-melodramatischen Ende des Kinodebüts von Cesare Furesi fragt man sich, was an diesem Film eigentlich dran ist. Da wurde über hundert Minuten so viel Durchschnittliches, Kitschiges und Abgestanden-Mediokres abgespult, dass es nicht einmal nach einem herzhaften Verriss schreit, sondern nur zu einem beiläufigen Abwinken animiert. Damit aber würde man diesem Film nicht gerecht werden. Denn so dürftig er in vielem auch wirken mag: dieser Film hat etwas.

Ist es die Handlung? Eine, je nach Gusto, süße, berührende, ergreifende oder sentimentale Romanze um die große, innige Liebe zweier alter Männer, von denen der eine sterbenskrank im Bett liegt, während der andere sich aufopferungsvoll um ihn kümmert. Der dürre Plot beschränkt sich zu erheblichen Teil darauf, dass Giulio seinem kranken Geliebten Claudio das Essen und jeden Tag eine frische Rose auf dem Tablett serviert. Mit vom Tonband abgespielten Stimmen gaukelt er ihm vor, dass ihm eine Hauswirtschafterin zur Hand geht, während er in Wirklichkeit alles ganz alleine bewältigt.

Auch als Giulios Tochter Valeria und ihr Sohn Marco auf dem herrschaftlichen Landgut in Sardinien eintreffen, will die Geschichte nicht so recht in Schwung kommen. Es stellt sich heraus, dass Giulio das gesamte Familienvermögen für Claudios Pflege ausgegeben hat. Hinter dem Rücken der entrüsteten Valeria planen die drei Männer einen Coup, um den drohenden Bankrott abzuwenden. Giulio, der ehedem als Pokerspieler sein Geld verdiente, soll noch einmal eine letzte Partie spielen.

Das klingt eigentlich ganz spannend, wird aber so bieder und unglaubwürdig inszeniert, dass der Funke nicht überspringen will. Die Filmmusik übergießt das mit einem Zuckerguss, der wohl nur in kleinen Dosen bekömmlich wäre. Und das Setting? Die Bilder? Ein wunderschöner Palazzo, ein bisschen Meer und ganz viel Kulisse. Aufgesetzte, papierene Einstellungen, denen man das Arrangement ansieht, als hinge ein Mikrofon ins Bild. Selbst viele Außenaufnahmen verkümmern im Studio-Look. Die Dialoge sind deutlich lebendiger, natürlicher, glaubhafter, allerdings weitgehend belanglos. Wenigstens die Montage brilliert in der allerersten Einstellung. Da tapst Giulio die lange, von gewaltigen Sträuchern umsäumte Einfahrt Richtung Tor, scheint aber kaum vom Fleck zu kommen. Er bleibt stehen und stößt einen tiefen Seufzer aus; wie auf Kommando erklingt aus dem Off eine folkloristisch beschwingte Musik, die Giulios beschwerliche Schritte augenzwinkernd konterkarieren. Als er den Kopf kurz zur Seite dreht, setzt die Musik wieder aus, so als würde sie angesichts dieser unerwarteten Wendung erschrocken zusammenzucken. Eine simple, wunderbar ironische Bild-Ton-Montage. Doch danach fällt der Schnitt nicht weiter auf; die Montage von Filippo Barbieri stellt sich routiniert und souverän in den Dienst von – ja, von was denn?

Es bleiben am Ende zwei Faktoren, die „Für dich soll’s ewig Rosen geben“ zu einem lohnenswerten Film machen. Letztlich kumulieren sie in einem Namen: Carlo Delle Piane. Er unterspielt das kauzige Charisma und die komödienhaften Züge der Figur mit einem ruhigen, fast meditativen Ernst, der Giulio als einen faszinierend doppelbödigen Charakter nach Art eines traurigen Clowns erscheinen lässt. Damit verleiht er auch dem Film eine tragikomische Aura, die im Verbund mit Pianes Darstellerkunst jene reizvolle, melancholisch-heitere Atmosphäre kreiert, die den Erstlingsfilm über das Niveau einer seichten Feel-Good-Romanze hinaushebt.

Auch Lando Buzzanca, der den ganzen Film über ans Bett gefesselt bleibt, versteht es innerhalb dieses begrenzten Spielraums, einen kraftvollen Charakter zu formen; die beiden anderen Darsteller, Caterina Murino und Antonio Careddu wirken dagegen vergleichsweise blass. Es ist letztlich Carlo Delle Piane, der den Film fast im Alleingang rettet. Ohne ihn würde der an den Song von Hildegard Knef angelehnte deutsche Verleihtitel nicht über ein mit Pathos durchtränktes Rührstück hinaus gelangen. So aber trifft es der italienische Originaltitel „Chi salverà le rose?“ („Wer rettet die Rosen?“) besser. Denn so wie Piane den Giulio spielt, könnte man ihn sich glatt als vom Himmel gefallener „kleiner Prinz“ vorstellen, der, wäre er alt geworden, hier auf Erden seine Rose gefunden hätte. Dann ergäbe sogar das unschöne Ende halbwegs Sinn.

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