Drama | Deutschland 2018 | 189 Minuten

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Ein junger Maler flieht kurz vor dem Mauerbau aus der DDR in die Bundesrepublik und verliebt sich in eine Studentin, deren Vater jedoch seine Kindheitstraumata aus der NS-Zeit befeuert, da dieser als Euthanasie-Arzt für den Tod der geliebten Tante verantwortlich war. Das mit gewaltigem Aufwand und viel deutscher Schauspiel-Prominenz in Szene gesetzte Künstlerdrama frei nach der Biografie von Gerhard Richter schlägt einen großen historischen Bogen durch drei Jahrzehnte deutscher (Unheils-)Geschichte. Mit der Emphase großer Hollywood-Epen versucht das kulissenhafte Drama, eine romantisch verklärte Wahrheit der Kunst gegen die NS-Ideologie in Stellung zu bringen. Doch mehr als eine peinlich-brave Soap Opera als klischeehafter Nachkriegs-Geschichtsbogen kommt dabei nicht heraus. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Florian Henckel von Donnersmarck
Buch
Florian Henckel von Donnersmarck
Kamera
Caleb Deschanel
Musik
Max Richter
Schnitt
Patricia Rommel · Patrick Sanchez Smith
Darsteller
Tom Schilling (Kurt Barnert) · Sebastian Koch (Prof. Carl Seeband) · Paula Beer (Elisabeth Seeband) · Ina Weisse (Martha Seeband) · Saskia Rosendahl (Elisabeth May)
Länge
189 Minuten
Kinostart
03.10.2018
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Historienfilm
Diskussion

Der größte Star des dritten Films von Florian Henckel von Donnersmarck ist nicht etwa der von innen verlässlich glühende Tom Schilling oder der eiskalt agierende Sebastian Koch. Nein, es sind die nackten Pobacken von Paula Beer. Wie einst bei der Bardot in Jean-Luc Godards „Die Verachtung“ (fd 13 279) schwenkt die Kamera über die wohlgeformten Hügel, erst nach rechts, dann nach links und wieder zurück. Da die Erotik-Einlage auch ohne dramaturgische Funktion gleich mehrfach abgerufen wird, zur Abwechslung erweitert um die Brustpartie, fragt man sich irgendwann, ob die Körperbeschau vielleicht als Atempause gedacht ist, angesichts all der Abgründe der jüngsten deutschen Geschichte, um die es in dem Künstlerdrama eigentlich geht.

Wäre da nicht die verdächtig einseitige Gestaltung von Beers Figur. Deren Innenleben spielt keine Rolle, eine politische Meinung hat sie nicht, dafür aber einiges durchzustehen: Schwangerschaften und Abtreibungen, einen autoritären Vater, der über sie und ihren Unterleib verfügt, und in den Jugendjahren ein DDR-Regime, das ihr seine biedere, von der Ideologie bestimmte Ästhetik aufzwingt. Dass ihre Karriere als Modedesignerin am Rande dahinplätschert, erscheint da nur konsequent. Schließlich hat das ebenfalls auf das Konto von Donnersmarcks gehende Drehbuch für die lieblich lächelnde Kindsfrau eine andere Aufgabe vorgesehen: Immer, wenn Tom Schilling, dem es bestimmt ist, ein großer Künstler zu werden, durch eine Krise geht, hält sie ihm, der zum Sex immer bereit ist, „den Rücken frei&ldquo

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