Drama | Deutschland 2018 | 99 Minuten

Regie: Timon Modersohn

Ein ehemaliger Fußballer wird nach einer langen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen und in die kriminellen Machenschaften eines Wettpaten verwickelt. Gleichzeitig lernt er einen Nachwuchs-Kicker kennen, der von einer Profi-Karriere träumt, und verliebt sich überdies in dessen Mutter. Doch als der Wettpate den Jugendlichen für seine Zwecke einspannen will, muss der Ex-Profi sich entscheiden. Ein oberflächlicher, im Wettmilieu spielender Gangsterfilm voller überzeichneter Konflikte, großer Gesten, greller Effekte und angeberischer Bilder. Die Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs gerät darüber in den Hintergrund.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Timon Modersohn
Buch
Christian Brecht
Kamera
Christian Rein
Schnitt
Jan Hille
Darsteller
Frederick Lau (Ivo) · Oliver Masucci (Dejan) · Antje Traue (Vera) · Natalia Avelon (Helena Srna) · Ludwig Trepte (Tarik)
Länge
99 Minuten
Kinostart
12.04.2018
Fsk
ab 12; f
Genre
Drama | Sportfilm
Diskussion

Der Zufall will es, dass momentan gleich zwei Filme mit Frederick Lau in die Kinos kommen, die den Schauspieler auf dem Werbeplakat mit zwei unterschiedlichen Gesichtshälften zeigen, so als stelle er eine gespaltene Persönlichkeit dar. Während ihn das Plakat zu „Gutland“ (Kinostart: 3. Mai) links mit langen Haaren und rechts mit gepflegter Frisur präsentiert, ist er auf dem von „Der Spielmacher“ einmal mit Gesichtsverletzungen, einmal ohne zu sehen. Sind dies die beiden Seiten eines Mannes? Ist das Gute schon im Bösen enthalten oder das Böse im Guten? Oder geht es, nach dem Motto „vorher/nachher“, um eine zeitliche Abfolge, die einen Hinweis auf das Ende erlaubt?

In „Spielmacher“ verkörpert Lau den deutsch-kroatischen Ex-Fußball-Profi Ivo, der nach langer Haft aus dem Gefängnis entlassen wird. Um sich über Wasser zu halten, wettet Ivo auf das Ergebnis von Fußballspielen und erregt damit die Aufmerksamkeit von Dejan, der ebenfalls ein Deutsch-Kroate ist. Dejan weiß, wie man Spiele manipuliert, Schiedsrichter besticht und Fußballer für seine Interessen einspannt. Gewettet werden kann auf alles, von der Kreisklasse bis zur Bundesliga, wetten kann jeder, nicht nur in Deutschland, sondern auch in China. Als Drehscheibe für das Bargeld fungiert eine Imbissbude im Hamburger Hafen.

In der Zwischenzeit hat Ivo über seinen Jugendtrainer den talentierten Nachwuchsfußballer Lukas kennen gelernt. Der Junge träumt von einer Profi-Karriere, worin ihn Ivo unterstützt, nicht zuletzt, um sein eigenes Versagen als Fußballer zu kompensieren: in dem Jungen lebt sein geplatzter Traum weiter. Als sich Ivo dann auch noch in Lukas’ alleinerziehende Mutter Vera verliebt, scheint der Neuanfang geglückt. Doch plötzlich kommt Dejan auf die Idee, Lukas für seine Spielmanipulationen zu instrumentalisieren.

Der Filmtitel ist doppeldeutig. Zum einen geht es um Spielwetten, Manipulation, die Wettmafia, sehr viel Geld und um globale Zusammenhänge. Dagegen steht der Traum, als Fußballspieler reich und berühmt zu werden. Hierzu gehört auch die Idee, dass Zinédine Zidane, der in Ivos Augen der beste Spieler der Welt ist, wie ein Geist über dem Film schwebt. Ist der Kopfstoß, mit dem er sich im Endspiel der WM 2006 einen Platzverweis einhandelte, ein Zeichen, dass er sich und seinem Charakter treu blieb? Oder hat er damit die Weltmeisterschaft verspielt und seine Mannschaft im Stich gelassen?

Auch in „Spielmacher“ geht es darum, zu sich zu stehen, aber auch für andere da zu sein. Ivo hat keine Familie mehr; die von Lukas ist ohne Vater unvollständig, und der Dejans kann man, einmal – im wahrsten Sinne des Wortes – gebrandmarkt, nicht mehr entfliehen.

Das ist insbesondere in dieser konzentrierten Ballung starker Tobak. Regisseur Timon Modersohn liebt die große Geste. Da werden in Ungnade gefallene Handlanger kurzerhand einen Steinbruch hinabgeworfen, ein anderer bekommt ein Messer in den Hals, und mitten in Hamburg fährt Ivo so rasant vor einem Imbiss vor, dass Wasserpfützen fontänenartig zur Seite spritzen. Anschließend schabt der von Oliver Masucci gespielte Dejan genüsslich die Mayonnaise von den Geldbündeln, die er aus dem Mayonnaise-Eimer gefischt hat. Als einem renitenten Fußballer ein Bein gebrochen wird, geht das Knacken der Knochen in den Biss in eine Hähnchenkeule über. Das ist nicht gerade subtil. Modersohn sucht eher den grellen Effekt als die feine Pointe. Die dramaturgischen Wendungen verlangen überzeichnete Konflikte, die Dialoge erschöpfen sich in abgegriffenen Binsenweisheiten. Auch bei den Bildmotiven neigt die Inszenierung mehr zu Überwältigung als zu Überraschung: es muss schon die Köhlbrandbrücke in Hamburg sein, ein mit Wasser gefülltes Gasometer, in dem man tauchen kann, oder eine pittoreske Zeche im Ruhrgebiet, sogar das leere Fußballstadion in Dortmund spielt eine Rolle. Die Doppeldeutigkeit, die das Plakat in Aussicht stellt, macht einer nichtssagenden Attraktion Platz.

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