Zwei im falschen Film

Komödie | Deutschland 2017 | 107 Minuten

Regie: Laura Lackmann

Ein Paar ist nach acht Jahren so aufeinander eingespielt, dass unter der Routine alle Leidenschaft verschwunden ist. Entschlossen startet die Frau den Versuch, den Anfang ihrer Liebe mit allen Mitteln wieder aufleben zu lassen, unterwirft die Beziehung damit allerdings erst recht einer Belastungsprobe. Eine Paarkomödie mit schonungsloser Direktheit und mitunter brachialem Humor, die einige banale, aber auch durchaus kluge Beobachtungen zum Wesen einer in die Jahre gekommenen Liebe enthält. Der Film lebt auch von zwei ausgezeichneten Darstellern, selbst wenn ihre überzeichneten Figuren mitunter die Glaubwürdigkeit arg strapazieren.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Laura Lackmann
Buch
Laura Lackmann
Kamera
Friede Clausz
Schnitt
Philipp Thomas
Darsteller
Laura Tonke (Heinz) · Marc Hosemann (Hans) · David Bredin (Florian) · Katrin Wichmann (Sarah) · Christine Schorn (Lore)
Länge
107 Minuten
Kinostart
31.05.2018
Fsk
ab 12; f
Genre
Komödie
Diskussion

Jeder vernunftbegabte Mensch weiß, dass Liebe im echten Leben ganz anders ist als im Film. Im Alltag gibt es beispielsweise volle Mülleimer, Mundgeruch und Menstruation. Und trotzdem, vielleicht insgeheim, wünscht man sich wahrscheinlich, dass die Liebe genauso wäre wie im Kino: romantisch, leidenschaftlich und innig bis ans Ende aller Tage. Alles Quatsch, finden Hans und Heinz, die sich an ihrem Jahrestag im Kino einen solchen Liebesfilm ansehen. Sie kennen das Leben als Paar schon seit acht Jahren, und eine so lange Zeit „ist ja für sich schon ein Zeichen, wie gut es eigentlich läuft“, findet Heinz. Man kann zusammen vor der Playstation gammeln, pinkeln, während der andere sich die Zähne putzt, und entspannt keinen Sex haben.

Die beiden sind ein eingespieltes Team. Aber sie haben ein Problem, von dem sie nichts ahnen, während man als Zuschauer sofort sieht, dass da etwas schiefläuft. Das liegt zum einen daran, dass Heinz eigentlich Laura heißt und von Hans aber nur mit dem Männernamen bedacht wird. Nicht gerade sexy. Zum anderen hat sich da eine schöne Selbstverständlichkeit des Zusammenseins eingeschlichen, die aber die Gefahr birgt, dass man für den anderen zum Möbelstück wird. Das dämmert Laura spätestens, als Hans einem ihrer Ex-Lover ungerührt ihre Telefonnummer gibt. „Bist du denn gar nicht eifersüchtig?“, will sie wissen, und sein „Nein“ lässt eine Welt in ihr zusammenkrachen. Plötzlich sieht sie, was alles fehlt in ihrer Beziehung: Romantik, Leidenschaft, Eifersucht, womöglich Liebe – und genau das soll nun schleunigst reaktiviert werden.

Wer lange oder längere Beziehungen kennt, dürfte in Laura Lackmanns zweitem Spielfilm nach „Mängelexemplar“ (fd 43 901) vieles oder vielleicht sogar sich selbst wiedererkennen. Liebe ist irgendwie „bigger than life“, zumindest in all den Hoffnungen und Vorstellungen, die von Geschichten gespeist werden, bei denen nach dem Kuss der Vorhang fällt und man nie erfährt, wie es weitergeht.

Laura und Hans gehen bei ihrem Versuch, den Zauber des Anfangs wiederzubeleben, ans Eingemachte und sind dabei von einer brutalen Ehrlichkeit, bei der man manchmal nicht weiß, ob man darüber lachen oder heulen soll. „Liebst du mich noch?“, fragt Laura ihren Hans einmal. „Nein, natürlich nicht. Wir sind doch schon acht Jahre zusammen“, so seine Antwort. Laura gehört zu seinem Leben wie der Copyshop, den er betreibt, die gemeinsame Bude oder der schrottreife Golf. „Wenn man nichts will, hat man nichts zu verlieren“, denkt er sich. Doch Lauras Idee von Glück sieht anders aus, und das wird zur Bewährungsprobe für das Paar.

Das Schöne an „Zwei im falschen Film“ ist, dass er ganz nebenbei zeigt, dass zur Zweisamkeit eben zwei Menschen mit je eigenem Kopf, eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen gehören. Laura schwärmt von dem romantischen Kennenlernen in der Disco, während Hans sich nur daran erinnert, dass er ihr, volltrunken wie sie war, beim Erbrechen assistierte. Du und ich sind wir zwei alleine.

Es ist eine kluge Entscheidung von Laura Lackmann, die auch das Drehbuch geschrieben hat, das Beziehungsdrama in die Form einer Komödie zu gießen. Es tut weh, aber man lacht trotzdem, und es gibt durchaus einige bittere, vielleicht auch schmerzhafte Erkenntnisse in diesem Film. Laura Tonke und Marc Hosemann geben ein tolles Paar ab. Man schaut den beiden gerne zu. Doch sind ihre Figuren zuweilen so überzeichnet, dass sie fast kindisch wirken. Darunter leidet – Komödie hin oder her – die Glaubwürdigkeit, sodass man unwillkürlich ein wenig auf Distanz geht.

Dass die Regisseurin ein Anliegen hat und ihr Thema ernst nimmt, das merkt man dem bittersüßen Film allerdings jede Sekunde an. So richtig befreien von gängigen Erzählmustern konnte Lackmann sich trotz einer gelungenen und schön hintersinnigen Film-im-Film-Struktur aber nicht, denn Laura und Hans erkennen erst nach einem Verlust, was sie aneinander haben. So reiht sich „Zwei im falschen Film“ letztlich in die vielen großen Geschichten über die Liebe ein, wie man sie auch, aber nicht nur aus dem Kino kennt.

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