Liliane Susewind - Ein tierisches Abenteuer

Familienfilm | Deutschland 2018 | 102 Minuten

Regie: Joachim Masannek

Ein elfjähriges Mädchen verfügt über die besondere Fähigkeit, mit Tieren sprechen zu können. Da sie damit immer wieder anstößt, schwört sie der Kommunikation mit der Tierwelt ab. Als im Zoo aber immer mehr Tiere verschwinden, muss sie ihr selbstauferlegtes Verbot überdenken, um den Dieben auf die Spur zu kommen. Der nach den gleichnamigen Kinderbüchern von Tanya Stewner entwickelte Kinderfilm ist schnörkellos erzählt und tricktechnisch auf der Höhe der Zeit. Sein Humor speist sich allerdings überwiegend aus Fäkalgags, und auch den Tieren werden zwanghaft Dialekte und dämliche Dialoge in den Mund gelegt.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Joachim Masannek
Buch
Beate Fraunholz · Betty Platz · Matthias Dinter · Antonia Rothe-Liermann · Katrin Milhahn
Kamera
Richard van Oosterhout
Schnitt
Martin Rahner
Darsteller
Malu Leicher (Liliane Susewind) · Christoph Maria Herbst (Toni) · Meret Becker (Oberst Essig) · Aylin Tezel (Vanessa) · Tom Beck (Ferdinand Susewind)
Länge
102 Minuten
Kinostart
10.05.2018
Fsk
ab 0; f
Genre
Familienfilm | Literaturverfilmung
Diskussion
Mit den fünf Leinwand-Adaptionen seiner „Die wilden Kerle“-Romane kreierte Joachim Masannek in den Nullerjahren sehr eigenwillig und unorthodox inszenierte (Fußball-)Abenteuerfilme, die strikt aus dem Blickwinkel der jungen Protagonisten erzählt wurden. Das kam beim Publikum so gut an, dass es Masannek zum erfolgreichsten deutschen Kinderfilm-Regisseur machte. In der Folge scheiterte er jedoch künstlerisch wie kommerziell beim Versuch, die Fußballgeschichten in die Welt des Motorsports zu transferieren; sowohl „V8 – Du willst der Beste sein“ (fd 41 942) als auch „V8 – Die Rache der Nitros“ (fd 43 461) waren arge Enttäuschungen. Und auch mit dem „Reboot“ seines ersten „Wilde Kerle“-Films „Die Legende lebt “ (fd 43 685) konnte er kaum neue Impulse setzen. Mit „Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer“ wagt sich Masannek nun zum ersten Mal an einen Stoff, der nicht aus seiner Feder stammt. Der Film basiert auf den gleichnamigen Kinderbüchern von Tanya Stewner, die von einem fünfköpfigen Drehbuchteam fürs Kino aufbereitet wurden. Im Zentrum steht die elfjährige Liliane Susewind, die eine seltene Gabe (oder ist es ein Fluch?) besitzt: Sie kann mit Tieren sprechen. Da sie damit jedoch meistens nur Unheil anrichtet, will sie die Kommunikation mit der Fauna einstellen. Unter anderem auch deshalb, damit ihre gestresste Mutter nicht schon wieder wegen ihr den nächsten Job verliert. Ihr selbstauferlegtes Verbot muss Liliane jedoch wenig später schon wieder aufheben, als in einem nahegelegenen Zoo auf mysteriöse Weise zahlreiche Tiere verschwinden. Dank ihrer besonderen Fähigkeit und der Hilfe einiger neuer Freunde will sie den Dieben auf die Spur kommen. Masannek erzählt dieses kunterbunte Heile-Welt-Abenteuer geradlinig und schnörkellos. Dabei kann er sich auf solide Leistungen seiner Kinderdarsteller um die Neuentdeckung Malu Leicher und Aaron Kissiov verlassen. Die erwachsenen Schauspieler legen ihre Figuren hingegen meist hoffnungslos überzeichnet an. Während Christoph Maria Herbst als hinkender, geistig etwas zurückgebliebener Tierpfleger mit Clown-Attitüde noch ganz ordentlich agiert, bemüht Aylin Tezel als weiblicher Bösewicht im hautengen Catwoman-Kostüm eine große Geste nach der anderen. Mit ihrem Gezeter und den rollenden Augen ist sie der krasse Gegenentwurf zu Tom Beck, der Lilianes komplett vergeistigten Schriftsteller-Vater gibt. Völlig spaßfrei erscheinen auch zwei als Sidekicks angelegte Polizisten, die sich silbenverdrehend und tolpatschig stolpernd durch die Handlung mühen. Der Humor und Witz des Films generiert sich überwiegend aus so genannten Fäkalgags, etwa wenn der Esel den Bürgermeister mit Kot bespritzt, einem arroganten It-Girl ins Gesicht uriniert wird oder sich der Rüsselinhalt eines niesenden Babyelefanten über die Anwesenden ergießt. (Computer-)tricktechnisch ist das fraglos gut gemacht. Allerdings werden gerade den Tieren zwanghaft Dialekte sowie extrem dümmliche Dialoge in den Mund gelegt. Stark ist Masanneks Inszenierung nur dort, wo auch schon seine frühen Filme glänzten, etwa beim Production-Design, den Kostümen und den Gadgets. Hier erweist sich der Regisseur als fantasievoll, originell und erfinderisch. Ganz im Gegensatz zur Botschaft des Films, die ganz profan und wenig überraschend lautet: Steh zu deinem Anderssein. Oder wie es Lilianes Eltern formulieren: „Wir lieben dich genau so, wie du bist.“
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