Mein Leben mit James Dean

Komödie | Frankreich 2017 | 108 Minuten

Regie: Dominique Choisy

Ein junger Regisseur reist zur Präsentation seines Debütfilms in eine Küstenstadt in der Normandie. Das setzt ein Karussell an Figuren, Bewegungen und Begehrensströmen in Gang, das mit sanfter Skurrilität von vagabundierenden Gefühlen und Zuständen handelt. Die mitunter chaplineske Hommage ans Independentkino verströmt einen unaufgeregten Charme und erfreut durch dezente Film-im-Film-Bezüge.

Filmdaten

Originaltitel
MA VIE AVEC JAMES DEAN
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2017
Regie
Dominique Choisy
Buch
Dominique Choisy
Kamera
Laurent Coltelloni
Schnitt
Isabelle Debraye · Dominique Choisy · Leo Segala
Darsteller
Johnny Rasse (Géraud Champreux) · Mickaël Pelissier (Balthazar) · Nathalie Richard (Sylvia van den Rood) · Juliette Damiens (Gladys) · Marie Vernalde (Louise)
Länge
108 Minuten
Kinostart
10.05.2018
Fsk
Genre
Komödie
Diskussion
Sein Film sei „un peu spécial“, wiederholt der Filmemacher Géraud Champreux refrainartig, um beim Publikum ja keine falschen Erwartungen zu wecken. Der junge Regisseur ist mit seinen Debütfilm „Ma vie avec James Dean“ in entlegenen Gegenden auf Tour. Champreux strahlt dabei selbst einen gewissen James-Dean-Touch aus. Wenn er statt der ikonischen roten Jacke, die untrennbar mit der Schauspieler-Legende verbunden ist, einen mauvefarbenen Blouson trägt, markiert das durchaus symptomatisch die leichten Verschiebungen und Verrückungen in dem titelgleichen Spielfilm von Dominique Choisy. Denn „Mein Leben mit James Dean“ ist eher ein Film der sanften Skurrilitäten als des lauten Humors. Alles wirkt ein wenig merkwürdig, neben der Spur, aber auf eine heruntergedimmte Art. „Mein Leben mit James Dean“ spielt in der Küstenstadt Calais in der Normandie. Von einer Kinobetreiberin, die sich erst am nächsten Morgen blicken lässt, wurde der Protagonist Géraud dorthin eingeladen. Im örtlichen Hotel empfängt ihn eine besonders kratzbürstige Rezeptionistin, im Hafencafé will niemand ein Kino kennen. Zudem wird Géraud hartnäckig als Gérard angesprochen, und als Filmproduzent anstatt als Regisseur. Schließlich kommt eine einzige Besucherin zur Vorstellung. Und der blutjunge, wuschelköpfige Vorführer hat sich nach der Betrachtung von „Ma vie avec James Dean“, in dem sich zwei Männer in gemusterten Oberteilen in Räumen voller geblümter Tapeten begegnen und begehren, prompt in Géraud verliebt. Über den Film im Film setzt sich ein Karussell an Figuren und Bewegungen in Gang: die Kinobetreiberin mit Beziehungsproblemen, ihre flatterhafte Geliebte, der dauermelancholische Regisseur Géraud, der mit dem Hauptdarsteller des Films eine ungeklärte Affäre hat, die Rezeptionistin, die sich als Schauspielerin entpuppt, und der verliebte Vorführer; der französische Begriff „projectionniste“ ist eine treffendere Beschreibung seines Gefühlszustands. Immer wieder sieht man Zweiergruppen dieses leicht überspannten Figurenpersonals, wie sie heimlich anderen Zweier-Gruppen folgen, auf Zehenspitzen oder eng an Häuserwände gepresst; ein „Running Gag“ mit chaplinesken Untertönen. Nach betrunkenen Nächten und vielen Irrungen und Wirrungen findet Géraud wieder Boden unter den Füßen – und die Idee zu einem neuen Drehbuch. „Mein Leben mit James Dean“ ist auch eine Hommage an das „spezielle“, „herausfordernde“, „schwierige“ Kino, wie es im Film abwechselnd genannt wird. Und an sein kleines und hier eben absolut nicht-cinephiles Publikum; zu einer Vorführung kommen beispielsweise einmal alle Bewohner eines Seniorenheims. Vieles ist hier auch schlichtweg albern. Allerdings sind diese Albernheiten so zurückhaltend eingesetzt, dass ein eigentümlich unaufgeregter Charme entsteht. Auch wenn der Film arg harmlos wirkt, kippt er doch nie in Betulichkeiten. Am Schönsten bildet sich der Humor dabei auf den gemusterten Hemden und T-Shirts ab: die Motive, Bäume, Schlüssel, Sonnenschirmchen und Surfer, funktionieren wie versteckte Figurenbeschreibungen.
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