Romantische Komödie | USA 2018 | 112 Minuten

Regie: Rob Greenberg

Wiederverfilmung des gleichnamigen US-Komödienerfolgs aus dem Jahr 1987, diesmal mit umgekehrten Rollen. Der sein Personal tyrannisierende Sohn eines mexikanischen Millionärs fällt über Bord seiner Luxusyacht, verliert sein Gedächtnis und gerät in die Fänge einer angehenden Krankenschwester mit drei Töchtern, die ihn als „Hausmann“ ausnutzt. Im Stil mexikanischer Telenovelas vornehmlich an plumper Situationskomik interessierte romantische Komödie, die das Konzept des Originals zeitgemäß zurechtschneidert, ohne dessen liebenswürdige Spontaneität zu erreichen.

Filmdaten

Originaltitel
OVERBOARD
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Rob Greenberg
Buch
Bob Fisher · Rob Greenberg
Kamera
Michael Barrett
Schnitt
Lee Haxall
Darsteller
Eugenio Derbez (Leonardo) · Anna Faris (Kate) · Eva Longoria (Theresa) · John Hannah (Colin) · Swoosie Kurtz (Grace)
Länge
112 Minuten
Kinostart
14.06.2018
Fsk
Genre
Romantische Komödie
Diskussion
Die Erstverfilmung von „Overboard“ (fd 26 770), der 1987 in Deutschland unter dem Titel „Overboard – Ein Goldfisch fällt ins Wasser“ in die Kinos kam, war eine erfrischende Neubelebung des Genres der romantischen Komödie und erreichte in den USA sogar einen gewissen Kultstatus. Es muss den Urhebern der neuerlichen Verfilmung als dankbare, wenngleich auch schwierige Aufgabe erschienen sein, Goldie Hawn, Kurt Russell und vor allem Regisseur Garry Marshall nachzueifern. Dankbar, weil es stets ein leicht verführbares Publikum für diese Art von Komik gibt, schwierig, weil die Originalität der Erstverfilmung dem Erfolg der Reprise beständig im Wege steht. Die Autoren wollten das Konzept des Originals wohl „zeitgemäß“ auffrischen, indem sie es dem Stil der in spanischsprachigen Ländern (und damit auch in weiten Teilen der USA) überaus beliebten Telenovelas angepasst haben, naiv-sentimentalen Fernsehserien, in denen Humor mit hemmungsloser Situationskomik verwechselt wird. Um das einschlägige Publikum zu erreichen, läuft der Film in US-amerikanischen Kinos sogar mit weitgehend spanischsprachigen, englisch untertitelten Dialogen. Im Original war es eine verwöhnte, überhebliche Millionenerbin, die über die Bordkante ihrer Luxusyacht fällt und sich im Anschluss an nichts mehr erinnern kann, nicht einmal an ihre eigene Identität. Vermutlich als Konzession an ein frauenfreundlicheres Rollenverständnis ist es nun der eingebildete, das Yachtpersonal tyrannisierende Sohn eines scheinbar im Sterben liegenden mexikanischen Millionärs, der ins Wasser fällt und sein Gedächtnis verliert. In beiden Versionen geraten die Unglücksraben in die Hände listiger Habenichtse des jeweils anderen Geschlechts, die ihre Stunde der Rache an den Ungerechtigkeiten eines armseligen Lebens für gekommen halten. Sie degradieren die erinnerungslosen Opfer zu einer Art Sklavendasein, das sie mit wachsender Befriedigung beobachten. Glaubwürdig ist an der sich entwickelnden Situation rein gar nichts, die den verhätschelten Millionärssohn zum dreifachen Familienvater, Pizza-Austräger und verhöhnten Bauarbeiter macht. Aber darauf kommt es in einer Telenovela ja auch nicht an. Es sind die gesellschaftlichen und privaten Klischees, die es durcheinanderzuwirbeln gilt und an deren kurioser Fehlplatzierung sich das Publikum belustigen soll. Die Schauspielerin Anna Faris, die unverkennbar auf eine Ähnlichkeit mit Goldie Hawn zurechtgeschminkt wird, bringt es immerhin fertig, sich der überkonstruierten Rolle einer angehenden Krankenschwester und mehrfachen Mutter mit hinreichendem Charme zu entledigen, während der insbesondere für die sich anbahnende Liebesgeschichte viel zu alte mexikanische Komödienstar Eugenio Derbez nichts als mimische Klischees vorführt. Die Regie verwechselt ihrerseits Leichtigkeit mit Plumpheit und Anspielungen auf ein zeitgemäßes Geschlechterverständnis mit formelhafter Karikatur. Wer etwas zu lachen haben will, sollte lieber einen Nostalgie-Trip wagen und zur DVD des alten Garry-Marshall-Films greifen.
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