The Darkest Minds - Die Überlebenden

Literaturverfilmung | USA 2018 | 104 Minuten

Regie: Jennifer Yuh Nelson

In einer Welt, in der fast alle Kinder einer tödlichen Krankheit zum Opfer gefallen sind, gelten Überlebende mit besonderen Fähigkeiten als gefährlich, werden beobachtet und gegebenenfalls getötet. Als einem Mädchen mit telepathischen Kräften zusammen mit einigen anderen Leidensgenossen die Flucht aus einem Lager gelingt, machen sie sich gemeinsam zu einem angeblich sicheren Zufluchtsort auf. Als epische Dystopie angelegter Science-Fiction-Film nach einer fünfteiligen Jugendroman-Reihe, der mit oberflächlichen Abenteuern von der drohenden Apokalypse ablenkt und existenzielle Probleme kaum streift. Zahlreiche nebulöse Handlungsstränge werden angestoßen, ohne sich zu einer kohärenten Story zu ergänzen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE DARKEST MINDS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Jennifer Yuh Nelson
Buch
Chad Hodge
Kamera
Kramer Morgenthau
Musik
Benjamin Wallfisch
Schnitt
Maryann Brandon · Dean Zimmerman
Darsteller
Amandla Stenberg (Ruby Daly) · Mandy Moore (Dr. Cate Connor) · Gwendoline Christie (Lady Jane) · Harris Dickinson (Liam) · Skylan Brooks (Chubs)
Länge
104 Minuten
Kinostart
16.08.2018
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Literaturverfilmung | Science-Fiction | Thriller

Heimkino

Die Extras umfasssen u.a. einen Audiokommentar der Regisseurin Jennifer Yuh Nelson und der Produzenten Dan Levine und Dan Cohen sowie ein kommentiertes Feature mit einer im Film nicht verwendeten Szene (1 Min.).

Verleih DVD
Fox (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Fox (16:9, 2.35:1, dts-HDMA engl., dts dt.)
DVD kaufen

Als epische Dystopie angelegter Science-Fiction-Film nach einer Jugendbuch-Reihe, dessen Szenario aber oberflächlich und nebulös bleibt.

Diskussion

Die Welt, so wie wir sie kennen, hat ein Ende. Schlimmer noch! Die Menschheit könnte binnen weniger Jahrzehnte aufhören zu existieren. Der Grund: eine unerklärliche Krankheit, die 98 Prozent aller Kinder binnen weniger Wochen tötet. Doch so gewaltig ist dieses Problem gar nicht wirklich, denn die US-amerikanische Schriftstellerin Alexandra Bracken hat in ihrem inzwischen fünfteiligen Romanzyklus „The Darkest Minds“, dessen ersten Teil Jennifer Yuh Nelson nun verfilmt hat, eine Hintertür offen gelassen. Zwei Prozent der Kinder scheinen immun und gerettet, sodass für die Zukunft der Menschheit scheinbar doch noch Hoffnung besteht.

Das Drama, die Tragödie, das Chaos, die Lethargie, all die Schmerzen und der Wahnsinn, die ein Endzeitszenario zwangsläufig mit sich bringt, reduzieren sich in dem Film auf wenige Schlaglichter. Vor allem erfährt man, dass die Überlebenden nicht umhegt, sondern befeindet und deshalb kaserniert werden. Je nach farblicher Einordnung mehr oder minder konsequent: Eher harmlos scheinen Grün und Blau, gefährlich bis tödlich scheinen Orange und Rot. Für letztere kommt als Präventivmaßnahme scheinbar nur der Tod in Frage. Doch einige Kinder entgehen diesem Schicksal.

Auch Ruby Daly hat überlebt, obwohl sie „orange“ ist. Bei Ausbruch der Krankheit mit zehn Jahren hat sie sich von ihren Eltern entfremdet. Wie das passieren konnte, bleibt vorerst ein Rätsel, auch wenn sie als Erzählerin ihrer Geschichte mit kryptischen Selbstvorwürfen daherkommt. Nun im Lager, sechs Jahre später, könnte ihr Schicksal besiegelt sein. Doch hat sie nicht nur eine außerordentliche Gabe, die Hirne anderer Menschen zu manipulieren, sondern auch gute Geister. Einer davon heißt Dr. Cate Connor und ist Teil einer Untergrundorganisation, die auch „Orangene“ als für die Zukunft wichtig und für den Kampf gegen „die Regierung“ als nützlich erachtet. „Die Regierung“ und ihr „Präsident“ scheinen im Allgemeinen autoritär und im Speziellen herzlos und faschistisch, aber das rückt vorerst in den Hintergrund.

Ruby trifft auf ihrer Flucht zunächst auf andere Zweifler. Liam Stewart ist weder von der Regierung noch von „der Opposition“ angetan. Der Twen kann als blauer Überlebender Dinge mit Gedankenkraft bewegen und wähnte sich von beiden Organisationen als Kriegswaffe missbraucht. Zusammen mit dem hyperintelligenten Chubs und der Strom manipulierenden Suzume sind sie auf der Suche nach einem geheimnisvollen Ort. Hier sollen Gerüchten zufolge Überlebende verborgen vor den Erwachsenen selbstorganisiert in einer Art Paradies leben; unter der Leitung von Clancy Gray, einem der wenigen anderen Orangenen, dem die Flucht gelang.

„The Darkest Minds“ löst das Problem, dass dystopische Szenarien per definitionem eigentlich nicht für leichte Unterhaltung taugen, auf bemerkenswert schlichte Art: Ist doch alles nicht so schlimm mit dem Ende der Welt, sagt dieser Film. Hauptsache, die Hauptfiguren lieben einander, haben eine Familie und kämpfen auf der richtigen Seite. Die Erfolgsmischung von Alexandra Bracken fußt nicht nur auf diesem absurden Konzept, sondern zudem auf dem Nachbeten bewährter Topoi: Von der Mutantenwelt à la „X-Men“ bis zu den Auserwählten-Ideologien von „Die Tribute von Panem“, „Die Bestimmung“ oder „Maze Runner“. Nur alles noch eine Spur unreflektierter und eine Spur mehr in Richtung pure Popcorn-Unterhaltung getrieben.

Jennifer Yuh Nelsons filmische Umsetzung steht der Vorlage in nichts nach. Ohne großen Nachhall sieht man die Protagonisten flüchten, reisen, sich finden und durch das Schicksal getrennt werden, und für alles Weitere gibt es ja die fast unausweichlichen Fortsetzungen. Existenzielle Probleme werden weitgehend ausgeblendet, damit man im Kleinen hübsche, spannende Abenteuer von Kindern und Jugendlichen erzählen kann, die sich zusammenschließen, um den (bösen) Erwachsenen ein Schnippchen zu schlagen. In dieser Version der Apokalypse ist das Leben zuallererst ein Abenteuerspielplatz.

Dramaturgisch kommen sich die Handlungsstränge immer dann in die Quere, wenn die Erzählerin aus dem Off eigentlich schon mehr weiß als ihr anderes, handelndes Ich auf der Leinwand. Im Zweifel wird aber sowieso alles pathetisch und nebulös gehalten. Richtig ergreifend wird es auch erst in den letzten Minuten, wenn es gilt, den Boden für Teil zwei zu ebnen. Da werden große Gefühle zwischen Ruby und Liam evoziert, die Bösewichter und die Zwielichtigen positionieren sich und endlich kommen auch mal die „Roten“ ins Spiel, die wie Drachen als Ausgeburt der Hölle agieren. Der letzte Eindruck soll den vorigen Leerlauf vergessen machen und Neugier schüren. Ob das die Jugendlichen begeistern kann, die durch die japanische Anime-Kultur inzwischen mit viel ernsthafteren Dystopien konfrontiert werden, bleibt fraglich.

Kommentar verfassen

Kommentieren