Der Doktor aus Indien

Dokumentarfilm | USA 2018 | 86 Minuten

Regie: Jeremy Frindel

Ein Porträt des indischen Arztes Vasant Lad und seiner langjährigen Mission, die Heilkunst des Ayurveda im Westen populär zu machen. Dem charismatischen Mediziner wurde schon als Kind prophezeit, dass er die Lehre vom Gleichgewicht zwischen Geist und Körper in die Welt tragen würde. Mit viel Archivmaterial und aktuellen Interviews zeichnet der Film die Geschichte einer erfolgreichen Begegnung zwischen westlichen Lebensweisen und indischer Alternativmedizin nach. Auf Dauer stört jedoch die musikalische Untermalung, die sich im Gegensatz zur zurückgenommenen visuellen Ebene unangemessen in den Vordergrund drängt. - Ab 14.
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Filmdaten

Originaltitel
THE DOCTOR FROM INDIA
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Produktionsfirma
Substratum Films
Regie
Jeremy Frindel
Buch
Jeremy Frindel
Kamera
Jimmy Ferguson
Musik
Rachel Grimes
Schnitt
Jeremy Frindel
Länge
86 Minuten
Kinostart
23.08.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Externe Links
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Heimkino

Verleih DVD
Mindjazz/Al!ve (16:9, 1.78:1, DD2.0 engl.)
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Dokumentarisches, visuell angenehm zurückhaltendes Porträt des indischen Arztes Vasant Lad und seiner langjährigen Mission, die Heilkunst des Ayuveda im Westen populär zu machen.

Diskussion
Vasant Lad war noch ein Kind, als ihm ein Guru voraussagte, dass er die Lehre von Ayurveda in die Welt hinaustragen würde. Der 1943 im indischen Pune geborene Lad studierte neben Ayurveda auch die sogenannte „Schulmedizin“ nach westlicher Lehre. Seit 50 Jahren ist Vasant Lad ein Weltreisender in Sachen Ayurveda. Die ersten Jahre seiner Mission waren geprägt vom Kampf um Anerkennung von Ayurveda als ganzheitlichem Naturheilverfahren. Heute lebt der Arzt das halbe Jahr über in Indien und reist von dort nach Europa, um Vorträge zu halten und Seminare zu geben. Die übrigen sechs Monate lehrt und praktiziert er in Albuquerque, New Mexico. Man sieht ihm sein Alter nicht an; er ist selbst die beste Werbung für die Lehre, die er vertritt. Fast immer ist seine Frau Rusha bei ihm; die beiden verbindet eine tiefe Zuneigung. Sie waren im selben Krankenhaus beschäftigt, als sie sich kennenlernten. Lad als junger Arzt, Rusha als Krankenschwester. Ihre Liebesheirat war damals ein Skandal – und ist es heute noch immer in dem von Traditionen geprägten Land, wo die meisten Ehen von den Eltern arrangiert werden. Doch es spricht für Lads Hartnäckigkeit und Optimismus, dass es ihm gelang, sich sogar mit Rushas Familie zu versöhnen. Generell zeigt sich in allen Äußerungen des Arztes ein tiefes Grundvertrauen in das Gute im Menschen und in die Güte der Schöpfung. Seine Religiosität als Hindu wird insbesondere in seinen Ausführungen über Ayurveda deutlich. Der Dokumentarist Jeremy Frindel stellt die Persönlichkeit von Vasant Lad in den Mittelpunkt. Ein weiteres Thema ist seine Berufung, Ayurveda in der westlichen Welt bekannt zu machen. Sein Kampf gegen die Vorurteile der Schulmedizin; in den USA nannte man ihn anfangs einen Quacksalber. Kollegen und Freunde kommen zu Wort, ehemalige Schülerinnen und Schüler berichten, es gibt viele Archivbilder, Fotos und Presseberichte. Mehrere Interviews mit Lad bilden das Gerüst, um das sich alles andere herumrankt. Immer wieder sieht man Lad im Kreis seiner Studenten: lehrend, behandelnd, philosophierend. Formell ist der Film ein klassischer Dreiakter. Der erste Teil spielt in Pune. Er beschäftigt sich mit der Biografie des Arztes und mit den Grundlagen des Ayurveda, die Vasant Lad sehr einfach und verständlich erklärt. Im zweiten Teil, der in den USA gedreht wurde, geht es mehr um spirituelle Werte und um die Verbreitung von Ayurveda. Im dritten Teil steht die heutige Situation und Lad als Lehrender im Vordergrund. Hier wechseln Bilder aus Indien mit Aufnahmen aus der ganzen Welt. Doch diese Grundstruktur ist keinesfalls apodiktisch. So wie Ayurveda vielfältige Facetten aufweist, die in alle Bereiche des menschlichen Lebens hineinreichen, gibt es auch im Film Überschneidungen. Obwohl konkrete Höhepunkte fehlen, passt die Grundstruktur zum Thema; das Erzähltempo ist so gelassen und ruhig wie die Hauptperson. Dass Jeremy Frindel seine Verehrung für den indischen Arzt nicht verbirgt, ist ebenso augenfällig wie verständlich. Lad ist nicht nur ein empathischer Mediziner und begeisternder Lehrer, sondern auch ein talentierter Erzähler. Die Anwesenheit der Kamera scheint ihn anfangs allerdings manchmal zu irritieren. Doch es gehört wohl einfach zu ihm, dass er dem Kameramann zuwinkt, wenn er ihn sieht. Im Kreis seiner stets milde lächelnden Lernenden wird Lad meist in der Halbtotale gezeigt. Hier dominiert die Körpersprache; einige Studentinnen himmeln den Doktor recht offen an. Beinahe intim wirken die Großaufnahmen in den Behandlungsräumen, wobei trotz der räumlichen Enge stets die Würde der Patienten geachtet wird. Totalen kommen kaum vor. Als Landschaftsaufnahmen dienen sie vor allem der Orientierung und als kleine Erholungspausen im Informationsfluss. Die visuell ansprechende und zweckmäßige Gestaltung findet im auditiven Konzept allerdings kein Pendant. Fast der ganze Film ist mit einer aufdringlichen Musik unterlegt. Der Soundtrack aus Piano- und Violinenklängen, mal solo, mal im Wettstreit, mal freudig jauchzend, mal melancholisch klagend, verleiht manchen Bildern eine unangemessene Dramatik, die weder zum ausgeglichenen Protagonisten noch zur gemächlichen Gangart des Films passt. Die jubelnde Violine übertönt sogar das Zwitschern der Vögel, was mit Ayurveda und einem Leben im Einklang mit sich selbst und der Natur wenig zu tun hat. Insgesamt jedoch dominiert der positive Eindruck. Der Film bietet neben einer Fülle von Informationen vor allem die Begegnung mit einer faszinierenden Persönlichkeit: mit Vasant Lad, der sein Leben der Verbreitung des Ayurveda gewidmet hat.
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