Actionfilm | USA 2018 | Minuten

Regie: Peter Berg

Eine vierköpfige Elitetruppe der CIA muss in einer fiktiven asiatischen Stadt einem ihrer Doppelagenten helfen, der in die USA ausgeflogen werden soll, da er um seine Sicherheit fürchtet. Auf dem 22 Meilen langen Weg von der US-Botschaft bis zum Flugzeug, das den Agenten abholen soll, werden er und seine Beschützer in unzählige Scharmützel verwickelt. Der kluge Actionfilm bringt dabei eine Vielfalt militärischer Überwachungstechnologie mit ins Spiel und zeigt brillante Kampfkunst auf naher Distanz. Die spröden Charaktere fesseln durch ihren kompromisslosen Einsatz; Humor und Emotionen sind sparsam dosiert. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
MILE 22
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Peter Berg
Buch
Lea Carpenter
Kamera
Jacques Jouffret
Musik
Jeff Russo
Schnitt
Colby Parker jr. · Melissa Lawson Cheung
Darsteller
Mark Wahlberg · John Malkovich (Bishop) · Ronda Rousey · Lauren Cohan (Alice) · Iko Uwais (Li Noor)
Länge
Minuten
Kinostart
13.09.2018
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Actionfilm | Kriegsfilm
Diskussion
Der US-amerikanische Regisseur Peter Berg macht Actionfilme. Meistens sind die gut und groß angelegt. Kriege und nationale Katastrophen gehören zu seinen Motiven. Seine Helden tragen schwer an Waffen und Patriotismus. Die Größe macht seine Filme interessant, denn sie zeigen Action, die institutionell unterstützt wird, die sich also nicht in den Autostunts und Schießereien Einzelner erschöpft, sondern allerlei „State of the Art“-Tricks der Militärs und Geheimdienste mit einbaut. In „Mile 22“ kommen diese Tricks von der CIA, genauer: von einer besonders geheimen, besonders professionell ausgerüsteten Sondereinheit des CIA. Das wird gleich am Anfang demonstriert. Während vorn im Bild ein junges Paar an einem banalen Vorstadthaus klingelt, liegt hinter im Wald Bergs liebster Kollaborateur Mark Wahlberg versteckt. Der hat das Auge nicht etwa am Zielfernrohr seines Gewehrs, sondern auf einem Bildschirm, der ihm den Blutdruck der beiden Geheimagenten vor der Tür anzeigt. Von deren Herzschlag bis zur Körpertemperatur der Gegner, vom Grundriss des Hauses bis zum Fluchtweg nach dem Coup wird hier alles elektronisch überwacht, aufgezeichnet und an Wahlberg übermittelt, der mit diesen Informationen seine Operation leitet. Hinter der Tür verstecken sich Russen, die Böses im Schilde führen. Die werden jetzt hochgenommen. Wahlbergs Figur heißt James Silva, er ist der Chef der Agententruppe, zumindest für den physischen Teil. Die technologische Seite übernimmt John Malkovich als Kommandant in irgendeiner Zentrale, in der all die Informationen zusammenlaufen, die er über Funk an Silva weitergibt. Silva wird als eine Art soziopathischer Außenseiter eingeführt; Wahlberg kann diese Rolle also so bösartig spielen, wie er Lust hat. Deshalb pöbelt er seine Mitspieler wohl auch ständig an, sobald er den Mund aufmacht. Wortreichtum ist Silvas Markenzeichen. Parallel zur Geschichte hört man ihn häufig referieren, was er und seine Leute tun, warum sie es tun, warum das notwendig ist und warum er sich um nichts anderes schert – erstaunliche viel intime Information für ein Filmgenre, das sonst die schweigsamen Helden bevorzugt. Wenn Silva & Co. für eine Mission eingeteilt werden, kündigen sie jedes Mal ihren Vertrag bei der CIA. Auch das ist eine Vorkehrung, um sich nicht rechtfertigen zu müssen. Die US-Regierung wird damit aus ihrem Handeln herausgehalten, was größere Freiheiten erlaubt. Ein Overkill an technischen und an physischen Möglichkeiten klingt fantastisch für einen Actionfilm, allerdings auch etwas größenwahnsinnig. Doch obwohl anfangs alles danach aussieht, als käme gleich ein kalter Mehr-Parteien-Spionagefilm, setzt Berg dann auf eine persönliche Geschichte, wie sie seit Eastwoods „Der Mann, der niemals aufgibt“ (fd 20 667) immer funktioniert: In „Mile 22“ muss ein Mann zu einem Flugzeug, das 22 Meilen entfernt auf ihn wartet. Dieser Mann hat sehr viele sehr skrupellose Feinde, die nicht daran denken, ihn mit dem Flieger entkommen zu lassen; ihm zur Seite stehen nur Silva und drei weitere US-Agenten. „Mile 22“ spielt in einer fiktiven asiatischen Großstadt. Der Gejagte, den Silva unbeschadet zu seinem Flugzeug bringen soll, wird von Iko Uwais dargestellt. Freunde des Actionkinos kennen diesen Namen, Freunde des Kampfsports lieben ihn: Iko Uwais spielte die Hauptfigur in dem indonesischen Thriller „The Raid“ (fd 41 161). Wer ihn dort kämpfen sah, hat ihn nicht vergessen. Das klappt in „Mile 22“ ganz ähnlich. Hier muss er sich einmal mit zwei Gegnern auf begrenztem Raum befassen; wie Uwais dabei die Enge des Zimmers zu seiner Verteidigung nutzt, wie exakt er die Angriffe unterläuft, überspringt oder mit dem Mobiliar pariert, sorgt für eine der bemerkenswertesten Actionsequenz des Jahres. Generell wird der Weg zum Flugzeug mit allem unterbrochen, was das Actionkino zu bieten hat: Motorradfahrer gegen Autos, Verfolgungsjagden in den Wohnblocks der Slums, heroische Sterbeszenen, Freundschaft im Angesicht der Niederlage. Regisseur Peter Berg hat eine brillante Auswahl an Motiven getroffen; er sucht sich das, was ihm am meisten Spaß macht – und seinen Schauspielern offensichtlich auch. Die Disziplin vergisst Berg darüber allerdings nicht. Er hält die einzelnen Sequenzen gerade so knapp, dass man gern noch ein bisschen mehr sähe, er lässt keine Figur um ihrer Coolness oder ihrer Wichtigkeit willen überleben. Sein Film ist so konsequent und so wenig um korrekte Genremuster besorgt, dass man ihm sogar das Ende verzeiht. Denn das bleibt einigermaßen diffus und verweist auf eine Fortsetzung.
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