The Handmaid's Tale - Staffel 2

Drama | USA 2018 | 717 (13 Folgen) Minuten

Regie: Mike Barker

Nach einer gescheiterten Flucht aus der auf US-Boden errichteten Diktatur Gilead gerät eine als Sklavin gehaltene Frau wieder in die Mühlen des Staates. Eine Schwangerschaft befeuert allerdings erneut ihre Entschlossenheit zum Widerstand. Zweite Staffel einer dystopischen Serie, die den zugrundeliegenden Roman von Margaret Atwood frei weiterspinnt. Dabei setzen die 13 Folgen weiter auf eine beklemmende Atmosphäre und eine Erzählung auf mehreren Zeitebenen, wirken darin jedoch forciert und weit weniger substanziell als die erste Staffel. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE HANDMAID'S TALE - SEASON 2
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Mike Barker · Kari Skogland · Jeremy Podeswa · Daina Reid
Buch
Bruce Miller · Dorothy Fortenberry · Yahlin Chang · Kira Snyder · Eric Tuchman
Kamera
Colin Watkinson · Zoe White
Musik
Adam Taylor
Schnitt
Wendy Hallam Martin · Christopher Donaldson · Aaron Marshall · Ana Yavari
Darsteller
Elisabeth Moss (Offred / June) · Joseph Fiennes (Commander Fred Waterford) · Yvonne Strahovski (Serena Joy Waterford) · Max Minghella (Nick Blaine) · Amanda Brugel (Rita)
Länge
717 (13 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Literaturverfilmung | Science-Fiction-Film | Serie

Heimkino

Verleih DVD
Fox (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Fox (16:9, 1.78:1, dts-HDMA engl., dts dt.)
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Diskussion

Das Leiden der Mägde erschlägt den Zuschauer. Grenzenlos scheint der Sadismus des Regimes im theokratischen Staat Gilead. In Gestalt einer dystopischen Ästhetik wirkt es grenzwertig. Die (Mit)-Leidensfähigkeit der Zuschauer ist begrenzt. Wer will ohnehin schon zutiefst gedemütigte Frauen nun auch noch mit Maulkörben in ein Stadion geführt sehen, wo die Galgen für ihre Hinrichtung schon errichtet sind? Wie viele Leichen muss man noch an Stricken baumeln sehen, um den öffentlichen Raum Gileads als einen streng überwachten Ort mit drakonischen Strafen zu charakterisieren? Alles deutet darauf hin, dass die Mägde all den anderen folgen, die in diesem Land bisher schon bestraft oder „errettet“ wurden, wie es zynisch bezeichnet wird. Doch dieses Mal gibt es einen Abbruch kurz vor der Exekution. Die Inszenierung sollte abschrecken und einschärfen, was die Machtelite zu tun in der Lage ist. Die Frauen sollen gebrochen werden. June Osborne soll gebrochen werden. Sie soll endlich ihre Identität als Magd Offred akzeptieren. Am Ende der ersten Staffel von „The Handmaid’s Tale“ (fd 44 917) blieb offen, ob es June gelingen würde, zu fliehen. Die Hoffnung war allerdings gering, weil eine zweite Staffel bereits angekündigt war. Diese hätte vor argen Problemen gestanden, wenn der Hauptfigur die Flucht gelungen wäre, denn damit wäre der Plot eigentlich auserzählt gewesen. So haben sich die „The Handmaid’s Tale“-Macher um Bruce Miller entschieden, die Leidensgeschichte Junes weiterzuspinnen. Schon die ersten Episoden geben die Dramaturgie für die zweite Staffel vor: June wird gefangen, flieht, wird wieder gefangen. Zu diesem seriellen Konstrukt kommt als zentraler Konflikt hinzu, dass June schwanger wird. So befindet sich die werdende Mutter im Zwiespalt, das Kind bekommen zu wollen, dabei aber dafür Sorge tragen zu müssen, dass dieses auf keinen Fall in Gilead heranwächst. Ihr Widerstandsgeist wird noch einmal angestachelt. Wie schon in der ersten Staffel wird auf zwei Zeitebenen erzählt: Die Schwangerschaft dient dazu, in die Vergangenheit zurückzugehen und June in Situationen mit ihrer ersten Tochter zu zeigen, die noch in einem freien Land geboren wurde. Diese Rückblenden lassen indes die Konsequenz der ersten Staffel vermissen. Zu erzählen, wie es in den USA zum Umsturz kam und wie die Hauptfiguren dies erlebten, war wichtig, um die Entwicklung einer Transformation hin zu einem gesellschaftlichen Stillstand, wie er in Gilead herrscht, zu reflektieren. Zwischen den Zeiten zu wechseln, um Junes Schwangerschaft als Kontrast von Freiheit und Zwang darzustellen, ist zwar nicht abwegig, doch erscheinen die Rückblenden allzu sehr als Füllsel. Im Wechselspiel von Zeit und Raum wird zu wenig Substanzielles erzählt. Und es drängt sich der Eindruck auf, als ginge es der Serie nicht mehr um Freiheit an sich, sondern um die Bewahrung neuen Lebens, um das richtige Verhalten als Mutter. Das zukünftige Leben muss geschützt werden, und dahinter hat das eigene Leben zurückzustehen. Wenn June sich die Gelegenheit zur Flucht bietet, wird das Verhältnis von Schwangerschaft und Freiheit auf die Spitze getrieben. Bedingt durch eine extrem beklemmende Atmosphäre der expliziten und latenten Gewalt ist die zweite Staffel von „The Handmaid’s Tale“ noch düsterer als die erste. Elisabeth Moss spielt als June beängstigend gut, doch untergräbt die unglaubliche Authentizität des Leidens, ausgewalzt auf 13 Folgen, den notwendigen Abstand zum Dargestellten, den die Kunst ermöglichen kann und bis zu einem gewissen Grad auch braucht. Hinzu kommt, dass June weitestgehend handlungsohnmächtig ist. Aus eigener Initiative ergreift sie nicht die Flucht. Sie rebelliert allenfalls im Kleinen. Da ohrfeigt sie einmal ihren Dienstherrn. Oder sie geigt dessen Frau die Meinung. Mehr nicht. Letztlich ist es ein Mann aus dem System, der ihr das Tor zur Freiheit eröffnet. Ihre Entscheidung spricht Bände.

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