Dokumentarfilm | Österreich 2018 | 100 Minuten

Regie: Josh Lowell

Zwei Freeclimber versuchen auf einer zuvor nie begangenen Route an der legendären „El Capitan“-Landmarke im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien eine 1000 Meter senkrecht abfallende Felswand zu bezwingen. Der Dokumentarfilm setzt auf spektakuläre Bilder einer schier unmenschlichen Kraft- und Willensanstrengung, lebt in erster Linie aber von der ebenso bewegten wie bewegenden Biografie des Hauptprotagonisten Tommy Caldwell. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE DAWN WALL
Produktionsland
Österreich
Produktionsjahr
2018
Regie
Josh Lowell · Peter Mortimer
Kamera
Brett Lowell
Musik
Adam Crystal
Schnitt
Josh Lowell
Länge
100 Minuten
Kinostart
04.10.2018
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm | Sportfilm
Diskussion
In jüngster Zeit herrscht an Filmen, in denen tollkühne Männer (und manchmal auch Frauen) an Steilwänden turnen, kein Mangel. Meist geht es darin nur noch darum, die Spirale der atemberaubenden Aktionen ein Stück weiterzudrehen. Dass „Durch die Wand“ am El-Capitan-Felsen im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien spielt, passt in dieses Schema. Denn der Monolith mit seinen senkrechten Wänden ist für Kletterer so etwas wie der Eiffelturm für Paris-Touristen. Dort hat auch schon Pepe Danquart in „Am Limit“ (fd 38 065) mit den legendären Huber-Buam gedreht. Dass es sich bei „Durch die Wand“ um eine Produktion von Red Bull Mediahouse handelt, löst ebenfalls eher gemischte Gefühle aus. Denn in der von der gleichen Firma beauftragten Dokumentation „Cerro Torre“ (fd 42 263) über den Extremkletterer David Lama wurde keine Gelegenheit ausgelassen, um das Firmenlogo ins Bild zu rücken. Erstaunlicherweise aber unterbleibt diese Form von Werbung in eigener Sache hier komplett. Und auch sonst ist dieser Freeclimber-Film, obwohl er alle klassischen Elemente des Genres bedient, mehr als das gängige Spektakel Mann gegen Berg. Das hat vor allem mit der Biografie des Hauptprotagonisten Tommy Caldwell zu tun. Vordergründig dokumentiert der Film den Versuch des Kletterers, gemeinsam mit seinem Kumpel Kevin Jorgeson innerhalb von 19 Tagen eine bislang nie begangene Route am El Capitan zu meistern. Zwischen den spektakulären Bildern dieses aberwitzigen Unterfangens erzählt der Film jedoch eine bewegende Lebensgeschichte. Vom kleinen Tommy, der von seinem Vater zum Klettern animiert wurde und der bereits als Jugendlicher sämtliche Profis hinter sich ließ. Er fand sogar eine Freundin, die seine Passion teilte. Während einer gemeinsamen Tour durch Kirgisistan wurde das Paar im Jahr 2000 mit anderen Expeditionsteilnehmern sogar von einer islamistischen Widerstandsgruppe gekidnappt. Die Flucht aus den Händen der Peiniger gelang nur deshalb, weil Tommy nachts einen schwer bewaffneten Bewacher von einer Felsklippe stieß. Zurück in den USA, geriet er beim Bau eines Hauses dann aber mit der Hand in eine Kreissäge und büßte den Zeigefinger ein. Ein Verlust, der für einen Freeclimber nicht weniger gravierend ist als für einen Pianisten. Doch mit eisernem Willen und unerbittlichem Training schaffte es Caldwell trotzdem zurück an die Spitze der Kletterer und an den El Capitan. Die 19 Tage des Duos in der 1000 Meter hohen, senkrechten Felswand sind atemberaubend spektakulär gefilmt und bieten unablässig Momente zwischen Hoffnung und Verzweiflung; sie gewähren aber auch Einblicke ins Event-Marketing eines solchen Unternehmens, wenn Caldwell aus der Wand per Handy mit Fernsehmoderatoren spricht oder wenn zum Finale ein ganzer Tross an Ü-Wagen am Fuße der Wand auffährt. Doch so sensationell die hier zu bestaunenden, schier übermenschlichen Kletterkünste auch sein mögen, bleibt es letztlich das außergewöhnliche Schicksal von Tommy Caldwell, das „Durch die Wand“ zu mehr als lediglich einem weiteren Bergsteigerfilm macht. Es empfiehlt sich auch, den Abspann nicht zu verpassen, da dieser mit einer für Caldwells Lebensgeschichte nicht unwesentlichen Information aufwartet.
Kommentar verfassen

Kommentieren