Why are we creative?

Dokumentarfilm | Deutschland 2018 | 86 Minuten

Regie: Hermann Vaske

Seit 30 Jahre befragt der Dokumentarist Hermann Vaske Künstler, Musiker, Architekten, Filmemacher und andere Prominente, was sie zu ihrem kreativen Tun treibt. Aus rund 50 Antworten fügt der Film ein kunterbuntes, wenig aussagekräftiges Kaleidoskop zusammen, dessen unablässiger Redefluss durch flott geschnittene Reiseimpressionen und animierte Clips aufgelockert wird. Ein kurzweiliges Potpourri, von dem man keine tieferen Einsichten über Funktion, Herkunft oder Genese künstlerischer Schaffensimpulse erwarten darf. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Hermann Vaske
Buch
Hermann Vaske
Kamera
Patricia Lewandowska · Sasha Rendulic · Evgeny Revvo
Musik
Blixa Bargeld · Teho Teardo
Schnitt
Dennis Karsten · Marie-Charlotte Moreau · Carsten Piefke
Länge
86 Minuten
Kinostart
04.10.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Regisseur Hermann Vaske (Jahrgang 1956) hat schon in der Werbebranche gearbeitet und Filme über Dennis Hopper („Dennis Hopper: Uneasy Rider“), Udo Kier („Arteholic“) und die „Kunst ist Fußballs“ gedreht. Das Thema Kreativität treibt ihn seit 30 Jahren um, weshalb er irgendwann auf die Idee kam, dem Phänomen in Gesprächen mit einschlägigen Prominenten auf den Grund zu gehen. Ausgehend von der Frage, „Why are you creative?“, versammelt das Langzeitprojekt auf knappen 82 Minuten eine ganze Armada an Stars aus so unterschiedlichen Disziplinen wie Politik, Wissenschaft, Architektur, Kunst oder Musik. Stephen Hawking ist mit dabei, David Bowie, George Bush Senior, Björk, Jeanne Moreau, der Dalai Lama, Zaha Hadid, Wim Wenders, Vivienne Westwood, Quentin Tarantino, Frank Gehry, Michael Haneke, Jim Jarmusch, Ai Weiwei und viele mehr. Damit der Geständnisreigen nicht zu monoton wirkt, unterbrechen flott geschnittene Reiseimpressionen und animierte, auf lustige Pointen getrimmte Clips den bewusst keiner erkennbaren Dramaturgie gehorchenden Redefluss.

Ein solches Konzept, das einer unaufhaltsam wachsenden Landkarte ähnelt, kommt nicht umhin, die einzelnen Begegnungen, von denen manche nur wenige Minuten lang in einem Hotelflur stattfinden, kurz zu halten, wobei einige Auserwählte wie etwa Peter Ustinov gleich mehrfach vorkommen. Manche begnügen sich damit, ein Bild zu malen, um den Grund ihrer Aktivitäten auf den Punkt zu bringen. Andere halten ihre gewaltsame Kindheit für den Auslöser oder kontern mit einer Gegenfrage: Warum wurde ich überhaupt geboren? Ein großer Teil erkennt in seiner Begabung, unkonventionelle Ideen am laufenden Band zu produzieren, sogar eine Sucht, die sie vor einer nervlichen Zerrüttung schützt.

Ein paar der Protagonisten sind längst verstorben; nicht wenige haben Selbstmord begangen, was ihre überbordende Schaffenskraft in ein ambivalentes Licht rückt, ohne dass die Ursachen dafür genauer ausgeleuchtet würden. Eine Reihe der Gespräche fanden in Cannes statt, als das Projekt 2002 mit einer Ausstellung gewürdigt wurde. Tiefere Einsichten über die neuronale Funktionsweise von Kreativität oder über die Frage, was davon individuell angeboren oder jedem Menschen potenziell eingeschrieben ist, oder welche Impulse für ihre Erweckung verantwortlich sind, darf man hier nicht erwarten. Der Film funktioniert wie ein Kaleidoskop, das immer neue Varianten der gleichen Materie generiert.

Der Zuschauer wird durch die pure Tatsache in Spannung versetzt, wer es wohl noch vor die Kamera schafft und wie er auf diese existentielle Titelfrage reagiert. Mit einer spontanen Eingebung oder einem weitschweifigen Vortrag? Ein simpler Trick, der spätestens dann an Zugkraft verliert, wenn sich die Antworten im Kreis zu drehen beginnen. Ab diesem Zeitpunkt beginnt man sich auch zu fragen, warum so viele der „Kreativen“ dabei sein wollten. Einfach nur, um sich im elitären Glanz der Anderen zu sonnen? Der Regisseur zumindest hat es geschafft, ein so kurzweiliges wie ultimatives Trophäen-Archiv anzulegen und dadurch selbst etwas von der kreativen Aura seiner Gesprächspartner zu erhaschen.

Kommentar verfassen

Kommentieren