Smallfoot: Ein eisigartiges Abenteuer

Abenteuerfilm | USA 2018 | 97 Minuten

Regie: Karey Kirkpatrick

Ein junger Yeti begegnet im Himalaya einem menschlichen Wesen, was seine Überzeugung auf den Kopf stellt, dass die „Smallfoots“ nur im Reich der Fantasie existieren. Zusammen mit ein paar Gleichgesinnten macht er sich auf die Suche nach einer Welt unterhalb der Wolkendecke. Der fein ausbalancierte Animationsfilm schlägt aus der Umkehrung des Yeti-Mythos sprühende Funken. Die witzige Culture-Clash-Komödie glänzt mit lebensechten Dialogen, spektakulären Actionsequenzen, eingängigen Songs und vielen Slapstick-Momenten. Gegen Ende nimmt allerdings das Drama überhand und schränkt die schablonenhafte Dramaturgie das Vergnügen etwas ein. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
SMALLFOOT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Karey Kirkpatrick · Jason Reisig
Buch
Karey Kirkpatrick · Clare Sera
Musik
Heitor Pereira
Schnitt
Peter Ettinger
Länge
97 Minuten
Kinostart
11.10.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Abenteuerfilm | Animationsfilm | Familienfilm
Diskussion

Wenn es um den Animationsfilm geht, dann kommt niemand am Marktführer Walt Disney vorbei, der aktuell mit „Die Unglaublichen 2“ weltweit die Kinocharts dominiert. Aber auch die anderen Hollywood-Studios haben in den letzten Jahrzehnten mächtig aufgeholt und mit Marken wie „Shrek“ (DreamWorks) oder „Ice Age“ (Fox) Millionen gescheffelt. Nur einer der US-Riesen konnte in diesem Bereich bislang nicht so recht Fuß fassen: Warner Bros. Animation. Obwohl Filme wie „Der Gigant aus dem All“ (1999) oder „Störche – Abenteuer im Anflug“ (2016) von der Filmkritik gut aufgenommen wurden, blieben sie an den Kinokassen weit hinter den Erwartungen zurück. Lediglich „The Lego Movie“ (2014) lief so gut, dass eine Fortsetzung, „The Lego Movie 2“ (Start: 7.2.2019), in Vorbereitung ist. Zuvor schickt Warner jetzt aber „Smallfoot – Ein eisigartiges Abenteuer“ ins Rennen um die Publikumsgunst – und bedient sich dabei kräftig bei der (über)mächtigen Konkurrenz.

So hat man sich zumindest beim Untertitel der deutschen Fassung vom Disney-Blockbuster „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ inspirieren lassen. Zudem erinnern die Protagonisten entfernt an hässlich grüne Oger, denen man ein grau-weißes Fell übergestülpt hat. Und überdies spielt der Film in einer Welt aus Schnee und Eis, die in fünf „Ice Age“-Abenteuern reichlich ausgekostet wurde. Dennoch besitzt „Smallfoot“ etwas Originelles, Eigenständiges, und das ist seine Grundidee. Denn hier wurde die ewig junge Suche der Menschen nach dem sagenumwobenen Yeti einfach umgedreht. Jetzt ist es der junge Schneemensch Migo, der hoch über den Wolken auf den Gipfeln des Himalaya zufällig einem Exemplar der Gattung Homo sapiens über den Weg läuft. In seinem Dorf aber will aber niemand etwas über das Smallfoot-Wesen wissen; Migo wird als Spinner abgestempelt. Denn bislang ist man mit der Überzeugung, dass es keine Smallfoots gebe, sehr gut gefahren. Migos Neugier aber lässt sich nicht mehr bremsen. Mit ein paar Gleichgesinnten durchstößt er die magische Wolkendecke, die seine Heimat umhüllt, und entdeckt darunter, dass es Smallfoot-Wesen tatsächlich gibt.

Es ist vor allem die fein ausbalancierte Mischung verschiedenster Elemente, die „Smallfoot“ über weite Strecken so amüsant und unterhaltsam macht. So wurden den Hauptakteuren lebensechte Dialoge in den Mund gelegt, die auch in der deutschen Synchronisation mit Schauspielern wie Kostja Ullmann (als Migo) oder Aylin Tezel (als dessen gar nicht auf den Mund gefallene Freundin Meechee) ihre Wirkung behalten. Dazu gesellen sich ein paar spaßige Sidekicks, starke Actionsequenzen wie etwa eine steile Abfahrt in einem Flugzeugwrack, die auf einer hölzernen Hängebrücke spektakulär endet, klassische Slapstick-Momente wie Sturzflüge, die unvermeidlich schmerzhaft sind, aber ohne Verletzungen bleiben. Eingängige Songs, darunter eine witzige Neuinterpretation des Evergreens „Under Pressure“, verwandeln „Smallfoot“ darüber hinaus auch in ein klassisches Musical.

Sehr witzig sind insbesondere Situationen, in denen das Culture-Clash-Potenzial zwischen den Welten ausgereizt wird. So nennen die Yetis etwa das Klopapier „die Rolle der unsichtbaren Weisheit“, während ein Skistock zum Einhorn mutiert. Zudem können sich Menschen und Yetis nicht verstehen. Während unsere Sprache bei den Zottelwesen mit blauen Bigfoots und großen Kulleraugen als seltsames Kauderwelsch in piepsigen Helium-Tönen ankommt, hört sich der Schneemensch in Menschenohren wie monstermäßiges Donnergrollen an. In diesen Szenen spürt man die geballte Erfahrung des Regisseurs Karey Kirkpatrick, der schon mit den Drehbüchern zu „Chicken Run – Hennen rennen“ oder „Schweinchen Wilbur und seine Freunde“ auf sich aufmerksam machte. Dass seine dritte Regiearbeit nach „Ab durch die Hecke“ und „Zuhause ist der Zauber los“ gegen Ende ein wenig zu viel Drama verbreitet und zu dialoglastig, ja fast geschwätzig wird, ist der schablonenhaften Erzählstruktur geschuldet, kann aber die angenehme Gute-Laune-Atmosphäre, die obendrein von einem dicken Happy End gekrönt wird, nicht schmälern.

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