Verliebt in meine Frau

Drama | Frankreich 2018 | 86 Minuten

Regie: Daniel Auteuil

Ein konfliktscheuer Mann nimmt den Vorschlag eines Freunds zu einem gemeinsamen Abendessen mit dessen wesentlich jüngerer neuer Freundin an. Die offen missbilligende Haltung seiner Ehefrau sorgt an dem Abend für eine verlegene Atmosphäre, die sich dadurch noch steigert, dass sich der Gastgeber in die attraktive Partnerin seines Freundes verguckt und fortan beständig in romantische Tagträume abgleitet. Routiniert inszenierte, in der Hauptrolle hervorragend gespielte Theateradaption. Plot und Verwicklungen sind zwar im Kern nur mäßig originell, Tempo und Spielfreude lassen die Handlung aber nie ins Stocken geraten. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
AMOUREUX DE MA FEMME
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2018
Regie
Daniel Auteuil
Buch
Florian Zeller
Kamera
Jean-François Robin
Musik
Thomas Dutronc
Schnitt
Joëlle Hache
Darsteller
Sandrine Kiberlain (Isabelle) · Adriana Ugarte (Emma) · Gérard Depardieu (Patrick) · Daniel Auteuil (Daniel) · John Sehil (Barkeeper)
Länge
86 Minuten
Kinostart
11.10.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Romantische Komödie
Diskussion

Wo es geht, weicht Daniel Schwierigkeiten aus. Doch als ihm sein alter Freund Patrick unverhofft über den Weg läuft, ist er machtlos. Seit dessen Ehe in die Brüche ging, weil er mit einer weit jüngeren Frau anbandelte, hat man sich monatelang nicht mehr gesehen. Wäre es da nicht mal wieder Zeit für ein gemeinsames Abendessen? Dabei könnten Daniel und seine Frau Isabelle endlich auch Patricks neue Freundin Emma kennenlernen. Die Schwierigkeit, „nein“ zu sagen, bewirkt Daniels rasche Zusage für einen Termin, obwohl er voraussieht, dass Isabelle als solidarische Freundin von Patricks gekränkter Ex-Frau Einwände gegen das Treffen vorbringen wird. Tatsächlich ist Isabelle über den Vorschlag zunächst empört, lenkt aber dann ein: Ein gemeinsames Essen habe ja nichts weiter zu bedeuten, immerhin seien sie doch alle erwachsen.

Das Diner für vier umfasst den größten Teil des Films „Verliebt in meine Frau“, der auf einem Theaterstück von Florian Zeller beruht und in der Grundkonstellation an andere französische, ebenfalls verfilmte Bühnenerfolge der letzten Jahre wie „Der Gott des Gemetzels“ oder „Der Vorname“ anknüpft: Vertreter der Pariser Bourgeoisie, die beim gepflegten Zusammensein gegensätzliche Standpunkte vertreten und darüber aneinandergeraten, wodurch die Fassade aus Höflichkeit und Kultiviertheit allmählich zusammenfällt. Bei „Verliebt in meine Frau“ ist angesichts der unterdrückten Antipathie Isabelles gegenüber Patrick und seiner Freundin von Beginn an ein spürbarer Konfliktherd vorhanden. Daniel ist allerdings gar nicht so sehr damit beschäftigt, diesen zu löschen. Handlungstragend wird stattdessen seine Begegnung mit Emma, die sich als wunderschöne Spanierin von knapp 30 Jahren entpuppt und sofort Eindruck auf den nervösen Mann macht. Kaum hat er ihr die Hand gegeben, sieht er in Gedanken schon vor sich, wie Emma vor ihm ihr schickes Kleid abstreift.

Ein großer Teil des filmischen Humors speist sich aus diesen Tagträumen eines fantasiebegabten Menschen in der Tradition von James Thurbers Erzählung „Walter Mittys Geheimleben“ (1939), Filmen wie „Das verflixte 7. Jahr“ oder Comedy-Serien wie „Ally McBeal“ oder „Scrubs“. Daniel lässt sich beständig von den Gesprächen und dem Essen ablenken und malt sich aus, wie Emma und er zu einem Paar werden könnten, wobei er als vorausschauender Charakter gleich zwei Szenarien ins Auge fasst: Das eine beginnt noch am gleichen Abend mit einem intimen Moment in der Küche, bei dem sie ihre (gegenseitige) Leidenschaft übermannt, sie aus der Wohnung fliehen und erst in Venedig wieder Halt machen; das andere malt sich Urlaubswochen zu viert auf Ibiza aus, wo Daniel die Schöne in Ruhe umwerben kann, um ihr nach der Trennung von Patrick seine Liebe zu gestehen.

Die in sich nicht sonderlich originellen Sequenzen amüsieren vor allem durch die betonte Leichtigkeit, mit der Daniel sein Ziel erreicht – und durch den Einbruch der Realität: Immer wieder wird der geistig Abwesende von einem der anderen aus seinen Träumen gerissen und verzettelt sich bei seinen Entschuldigungen in fahrigen Ausflüchten und tolpatschigen Aktionen. Die verlegene Stimmung wird dadurch nur weiter befeuert.

Daniel Auteuil hat schon in der Bühnenversion von „Verliebt in meine Frau“ die Hauptrolle gespielt. In der Verfilmung übernimmt er nun auch noch die Regie und treibt das Geschehen mit solider inszenatorischer Kraft voran. Die Traumsequenzen brechen die theatralische Situation auf und sorgen für witzige Kontraste, wenn etwa Emmas Eröffnung, Schauspielerin werden zu wollen, derzeit aber noch in einer Bar zu arbeiten, bei Daniel das Bild einer anrührenden Theateraufführung heraufbeschwört, seine Ehefrau hingegen an ein schummriges Nachtlokal mit Emma als Animierdame denkt. Bei solchen (seltenen) Perspektivwechseln kann Sandrine Kiberlain ihre vielfältige Mimik demonstrieren, mit der sie Missbilligung und Sarkasmus ausdrückt, während Adriana Ugarte als vitale Schönheit und Gérard Depardieu als naiv-stolzer Verliebter das beste aus ihren eher undankbaren Rollen machen.

Im Wesentlichen bleibt der Film jedoch bei seiner Hauptfigur, was Daniel Auteuil reichlich Gelegenheit gibt, mit nervösen Gesten, verlegenem Lächeln und sich überschlagender Sprache sein Talent als Komiker auszuspielen. Dass der Plot ziemlich dünn und die im späteren Verlauf angedeuteten tragischen Ansätze wenig überzeugend ausfallen, kann der Regisseur und Hauptdarsteller zwar nicht überdecken. Mit Tempo und Spielfreude sorgt er jedoch dafür, dass die Handlung nie ins Stocken gerät. So ist „Verliebt in meine Frau“ zwar kein filmisches Festessen, tischt seine humoristische Gänge aber allemal mit professioneller Präzision auf.

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