Johnny English - Man lebt nur dreimal

Action | Großbritannien/Frankreich/USA 2018 | 89 Minuten

Regie: David Kerr

Ein unbekannter Hacker enttarnt alle britischen Undercover-Agenten und zwingt die Premierministerin, einen trotteligen Geheimdienstmann zu reaktivieren, der zuletzt Schüler in der Kunst der Camouflage unterrichtete. Fortan bekommt es der altmodische Schussel mit einer verführerischen Frau und einem Silicon-Valley-Milliardär zu tun, der nicht nur das Internet beherrscht, sondern die ganze Welt unterjochen will. Die erfrischend unterhaltsame Agentenfilm-Parodie lebt von der Kluft zwischen digitaler Welt und den antiquierten Arbeitsmethoden des Protagonisten. Die Tücke des Objekts und das langsame Gewahrwerden des angerichteten Schadens zeichnen den Humor dieser Slapstick-Komödie aus. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
JOHNNY ENGLISH STRIKES AGAIN | JOHNNY ENGLISH 3
Produktionsland
Großbritannien/Frankreich/USA
Produktionsjahr
2018
Regie
David Kerr
Buch
William Davies
Kamera
Florian Hoffmeister
Musik
Howard Goodall
Schnitt
Mark Everson · Tony Cranstoun
Darsteller
Rowan Atkinson (Johnny English) · Emma Thompson (Premierministerin) · Olga Kurylenko (Ophelia) · Jake Lacy (Jason Volta) · Ben Miller (Bough)
Länge
89 Minuten
Kinostart
18.10.2018
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Action | Komödie | Persiflage | Spionagefilm

Heimkino

Verleih DVD
Universal (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Universal (16:9, 1.78:1, dts-HDMA engl., dts dt.) 4K: Universal (16:9, 1.78:1, dts-HDMA engl./dt.)
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Erfrischend unterhaltsame Agentenfilm-Parodie, die von der Kluft zwischen digitaler Welt und den antiquierten Arbeitsmethoden des trotteligen Geheimagenten Johnny English (Rowan Atkinson) lebt.

Diskussion

Der deutsche Untertitel deutet an, dass es sich hier nach „Johnny English – Der Spion, der es versiebte“ (2003) und „Johnny English 2 – Jetzt erst recht“ (2011) um den Abschluss der Agentenfilm-Trilogie handelt. Schon Teil 2 war eine arge Enttäuschung. Zu ungeniert klaute Regisseur Oliver Parker darin von James Bond, von der dominanten Chefin über die vielen Gadgets bis zu den hastigen Schauplatzwechseln und dem turbulenten Showdown. Auch Rowan Atkinson verlegte sich bis zum Überdruss aufs Augenrollen und Naseverziehen, ganz abgesehen von den unzähligen Tritten in den Schritt, die er mit Pokermiene einsteckte. Witzig war das nur gelegentlich, spannend nur am Rande.

Umso überraschender die Qualität des neuen Films, der ungemein lustig und erfrischend unterhaltsam daherkommt und weit besser ist als seine beiden Vorgänger.

Es beginnt damit, dass ein unbekannter Hacker alle Undercover-Agenten des britischen Geheimdienstes MI6 enttarnt und ihre Bilder in schneller Abfolge ins Netz stellt. Alle? Natürlich nicht. Einer ist noch übrig: Johnny English. Wegen seiner Weigerung (oder besser: Unfähigkeit), sich mit digitalen Spionagetechniken auseinanderzusetzen, wurde English strafversetzt. Nun bringt er Kindern als Lehrer die Kunst der Camouflage und andere wichtige Agentenkniffs bei.

Drehbuchautor William Davies und Regisseur David Kerr nehmen sich immer wieder Zeit, solche Situationen auszukosten. Wenn ein Schüler genauso angemalt ist wie die Umgebung, aus der er unmerklich hervortritt, funktioniert das so überraschend wie witzig. Der von Emma Thompson als dominanter und eitler, aber auch beschränkter Theresa-May-Klon angelegten Premierministerin bleibt nichts anderes übrig, als den Agenten zu reaktivieren. Der bekommt es fortan mit einer schönen Frau in Gestalt von Olga Kurylenko (die bereits in „James Bond 007: Ein Quantum Trost“ einem Spion zur Seite stand) und einem Silicon-Valley-Milliardär namens Jason zu tun, der nicht nur Herr über die virtuelle Welt ist, sondern nach Großbritannien auch den Rest der Erde unterjochen will.

Das ist natürlich ziemlicher Unsinn, doch gerade im Irrwitz der Handlung liegt eine Stärke des Films. Die Inszenierung fabuliert einfach drauflos, auch wenn die Fantastik der Prämisse über die Stränge schlägt: Wenn man das Internet beherrscht, gehört einem die Welt, und alle Staatschefs verwandeln sich in Marionetten. Die Kluft zu den Arbeitsmethoden des letzten verbliebenen britischen Agenten wird dadurch umso eklatanter. English weiß sogar seine Verweigerung eines mobilen Telefons wortreich zu erklären; er entstammt einer untergegangenen Ära, er ist ein Zu-früh-Geborener, der eine Welt verteidigt, die für Freiheit und Exzentrizität kein Verständnis mehr hat.

Das führt immer wieder zu köstlichen Situationen, etwa wenn English und sein Helfershelfer Bough mit Magnetstiefeln die Bordwand von Jasons Yacht hochklettern und dabei das Geschirr aus der dahinter liegenden Küche in Bewegung versetzen. Einmal verwechselt der schlaflose Agent kleine Fläschchen mit roten und grünen Tabletten (die einen zum Schlafen, die anderen zum Aufputschen) und mischt fortan wie ein Duracell-Häschen die Tanzfläche eines Nachtclubs auf – John Travolta und „Saturday Night Fever“ (1977) lassen grüßen. Wie English und Bough versehentlich ein Nobelrestaurant in Flammen aufgehen lassen, ist köstlich absurd. Die Tücke des Objekts und das langsame Bemerken des angerichteten Schadens zeichnen den Humor der Inszenierung aus. Für einen Moment fühlt man sich an die Slapstick-Komödien von Hal Roach erinnert.

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