Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween

Abenteuerfilm | USA 2018 | 90 Minuten

Regie: Ari Sandel

Als Kinder eine geheime Kiste mit einem Buch und einer Bauchrednerpuppe finden, erwecken sie diese durch einen Zauberspruch zum Leben. Um das unheilstiftende Geschöpf wieder zu bannen, das weiteren Halloween-Schreckensgestalten Leben einhaucht, müssen die Kinder sich zunächst zum Team zusammenraufen; zudem brauchen sie die Hilfe eines Gruselautors. Mit wenig Fantasie ausgestatteter, dafür tricktechnisch überfrachteter Gruselunterhaltungsfilm für Kinder und Jugendliche. Das bescheidene Budget und die Ideenarmut einer Fortsetzung sind deutlich bemerkbar. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
GOOSEBUMPS 2: HAUNTED HALLOWEEN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Ari Sandel
Buch
Rob Lieber
Kamera
Barry Peterson
Musik
Dominic Lewis
Schnitt
Keith Brachmann · David Rennie
Darsteller
Wendi McLendon-Covey (Kathy Quinn) · Madison Iseman (Sarah Quinn) · Ken Jeong (Mr. Chu) · Chris Parnell (Walter) · Jeremy Ray Taylor (Sonny Quinn)
Länge
90 Minuten
Kinostart
25.10.2018
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Abenteuerfilm | Familienfilm | Fantasyfilm | Horrorfilm
Diskussion

Mit wenig Fantasie ausgestatteter, dafür tricktechnisch überfrachteter Gruselunterhaltungsfilm für Kinder und Jugendliche. Die Fortsetzung von „Gänsehaut“ (2015) muss ohne dessen 3D-Effekte und die Musik von Danny Elfman auskommen und hat auch den Auftritt des Komikers Jack Black auf eine Nebenrolle zurückgefahren.

Unbedarftheit kann böse Folgen haben. Und wenn man dann noch unüberlegt einige kryptische Sätze laut vorliest, die an wundersame Handpuppen geheftet sind, dann sollte man sich nicht wundern, wenn binnen kürzester Zeit die Welt aus den Fugen gerät. Vor allem, wenn Halloween vor der Tür steht. Und das tut es im Städtchen Wardenclyffe, wie man ganz deutlich an der pompösen Grusel-Deko im Vorgarten von Mister Chu erkennt. Abgesehen vom Einfluss solch verrückter Nachbarn folgt das Leben der Familie Quinn dem ganz normalen Wahnsinn von Kleinstädtern: Tochter Sarah plagt das große Ziel, endlich an der Columbia University aufgenommen zu werden, bekommt aber den dafür nötigen Essay über „Angst“ nicht fertig, weil ihr Freund Tyler einfach zu viele Flausen im Kopf hat. Derweil kämpft Sohnemann Sonny mit Schulrowdys, die einen heranwachsenden Normalo einfach nicht in Ruhe lassen können, geht aber dennoch im Schulprojekt auf, für dass er ein funktionierendes Elektro-Modell des Nikola-Tesla-Towers konstruiert, der in der Stadt ein weit sichtbares Wahrzeichen ist und einst die Stromerzeugung revolutionierte.

Was hat nun eine Bauchredner-Puppe namens Slappy mit den literarischen Ambitionen von Sarah, dem Tesla-Tower und den Monster-Dekorationen von Mister Chu zu tun? Sie alle sind Ingredienzien des zweiten Teils eines Fantasy-Jugendfilms, in dem einmal mehr die Geister aus den „Gänsehaut“-Romanen gerufen werden, die man schwerlich wieder loswird.

Die Weltbeherrschungsambitionen von Bauchrednerpuppen

Alles beginnt mit einer harmlosen Entrümpelung, die Sonny und sein bester Freund Sam für Geld in einer nahe gelegenen Hausruine vornehmen. Hier finden sie einen geheimen Kasten, mit einem mysteriösen Buch und besagter Puppe namens Slappy. Die entwickelt nach vorheriger ungewollter Beschwörung ein Eigenleben, was zunächst für ungläubigen Schrecken, dann aber auch für magische Erleichterung im täglichen Kampf mit Raufbold Tommy sorgt. Zu spät merken sie, dass die erstaunlich lebendige Puppe in Wahrheit Böses im Schilde führt und dabei ist, die allenthalben zu Halloween aufgestellten Unholde lebendig werden zu lassen. Einhalt könnte indes das unscheinbare Buch bieten, das sich als unveröffentlichtes Werk des berühmten „Gänsehaut“-Autors R.L. Stine entpuppt und in der Lage ist, so manch gerufenen Geist zu neutralisieren und in seine Seiten zu absorbieren. Doch um das bislang angerichtete Chaos in den Griff zu bekommen und die Stadt in der anstehenden Halloween-Nacht zu retten, brauchen Sarah, Sonny und Sam mindestens den leibhaftigen Autor.

Dass in „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ alles ein wenig wirr und überladen scheint, mag unter anderem daran liegen, dass hier viel zu viele Geschichten um Aufmerksamkeit buhlen: Der Coming-of-Age-Plot von Sarah; die gruselige Abenteuerreise von Sonny und Sam; die „Schrecklich nette Familie“-Episode der Quinns; die Weltherrschaftsambitionen der Holzpuppe Slappy. All das muss obendrein noch in den Rahmen um die „Gänsehaut“-Manuskripte gepresst werden, die den ersten Teil von 2015 zwar nicht weniger hektisch, aber zumindest originell und auch erfolgreich werden ließen.

Lebendige Kürbisköpfe, Riesenspinnen und allerhand Geisterspuk: Mehr Effekte als Fantasy

Auf der Habenseite des ersten Teils gab es auch die 3D-Effekte, den derwischhaften Komiker Jack Black in der Rolle des R.L. Stine sowie die unterhaltsame Filmmusik von Gruselspezialist Danny Elfman. Drei Jahre später ist 3D tot, die Effekte sind dem halbierten Budget angepasst, die Musik von Dominic Lewis lärmt und Jack Black begnügt sich mit einem Auftritt im letzten Drittel des Films.

Übrig bleibt das Bestreben von Regisseur Ari Sandel, seine zur Hauptfigur avancierte Gruselpuppe Slappy gerade nur so gruselig erscheinen zu lassen, dass es für die avisierte 10- bis 15-jährige Zielgruppe nicht zu unheimlich wird. Das reicht für ein nettes Entrée, aber nicht für eine mitreißende Achterbahnfahrt. Um lebendige Kürbisköpfe, Riesenspinnen und allerhand Geisterspuk schön schaurig zu machen, wäre zudem nicht nur ein Effekte-Dauerbombardement erforderlich, sondern auch Fantasie. Doch das Kreieren magischer Momente ist nicht die Spezialität von Sandel. All die bizarren Figuren stapfen eher leblos durch die Szenerie. Der Funken, der etwa die „Halloween-Feiertags-Filme“ eines Tim Burton (von Edward mit den Scherenhänden und A Nightmare before Christmas bis Frankenweenie) mühelos beseelt hat, will hier einfach nicht zünden. Unbedarftheit schadet tatsächlich. Das gilt nicht nur für die Figuren, sondern auch für den Regisseur.

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