Intrigo - Tod eines Autors

Kriminalfilm | Schweden/USA/Deutschland 2018 | 106 Minuten

Regie: Daniel Alfredson

Erster Teil einer Trilogie nach Kurzgeschichten von Håkan Nesser. Ein Übersetzer hat seinen ersten Roman geschrieben und sucht den Rat eines bekannten Schriftstellers. Während er ihm aus dem Manuskript vorliest und sich die Geschichte in Rückblenden entfaltet, überschneiden sich zunehmend Fiktion und Realität, Gegenwart und Vergangenheit. Der eher konventionelle Krimi treibt die Handlung alternierend auf beiden Erzählebenen voran, wobei die Inszenierung die mysteriöse Handlung mit lichtdurchfluteten Bildern kontrastiert, zum Ende hin aber abflaut. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
INTRIGO - DEATH OF AN AUTHOR
Produktionsland
Schweden/USA/Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Daniel Alfredson
Buch
Daniel Alfredson · Birgitta Bongenhielm
Kamera
Pawel Edelman
Musik
Anders Niska · Klas Wahl
Schnitt
Håkan Karlsson
Darsteller
Ben Kingsley (Henderson) · Benno Fürmann (David) · Tuva Novotny (Eva) · Veronica Ferres (Kerr) · Michael Byrne (Keller)
Länge
106 Minuten
Kinostart
25.10.2018
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Kriminalfilm | Literaturverfilmung | Mystery-Film
Diskussion

Ein Mann mit Umhängetasche läuft auf einer sonnendurchfluteten Insel über die Dünen. Für einen Touristen bewegt er sich zu forsch, für einen Wanderer ist er zu normal gekleidet. Sein Ziel ist ein abgelegenes Haus, das in dem gleißenden Licht weiß leuchtet. Es gehört dem Schriftsteller Henderson (Ben Kingsley), der vor der Zivilisation hierher geflüchtet ist. Sein Besucher ist der Übersetzer David Moerk (Benno Fürmann), der jetzt erstmals einen eigenen Roman geschrieben hat und Rat sucht.

Moerk beginnt seine Geschichte vorzulesen, die sich in langen Einschüben, die Rückblenden sein könnten, entfaltet. Alles fängt mit einem Husten an, der am Ende einer Konzertaufzeichnung im Radio kurz zu hören ist. Das ist unverkennbar das Husten von Eva. Doch Eva ist seit drei Jahren tot. Ein guter Einfall für einen Romanbeginn, kommentiert Henderson lobend. Dem Zuschauer aber dämmert, dass Moerks Vergangenheit und die fiktive Geschichte miteinander zu tun haben. Es geht um den Tod des Schriftstellers Germund Rein, in dessen Originalmanuskript Moerk bei der Übersetzung versteckte Hinweise auf ein mysteriöses Geschehen findet. Es geht auch um den Tod von Eva, die ihn vor drei Jahren verlassen wollte, dann aber in den Alpen mit dem Auto tödlich verunglückte. Allerdings wurde ihre Leiche nie gefunden.

„Intrigo – Tod eines Autors“ beruht auf einer Kurzgeschichte, die der schwedische Krimi-Autor Håkan Nesser bereits in den 1990er-Jahren geschrieben hat. Der Film ist der erste Teil einer Trilogie, zu der noch „Intrigo – Samaria“ (deutscher Kinostart: 21.2.2019) und „Intrigo – Dear Agnes“ (18.4.2019) zählen. Regie führte in allen drei Teilen Daniel Alfredson, der zwei der drei Millennium-Verfilmungen besorgte. Inhaltlich geht es um dunkle Machenschaften, um Schuld und Sühne. 

Der Auftaktfilm ist als klassischer Krimi inszeniert, der durch die beiden miteinander verquickten Erzählebenen vorangetrieben wird. Roman und Film, Vorlesen (also Hören) und Sehen, Gegenwart und Vergangenheit, erfundene Geschichte und erlebte Realität wechseln sich stetig ab und erlauben erst langsam so etwas wie ein stimmiges Bild – wie bei einem Mosaik, bei dem der letzte Stein erst noch gesetzt werden muss. Daran knüpfen sich zahlreiche Fragen, nicht nur für die Protagonisten, sondern auch für den Zuschauer: Warum bittet David ausgerechnet Henderson um Hilfe? Was wusste Germund Rein? Hat Moerk seine Frau getötet und den Mord als Unfall getarnt? Lebt Eva vielleicht noch?

Man stellt diese Fragen mit Spannung, doch weil das letzte Puzzle-Stück erst am Schluss mit einer überraschenden Auflösung eingefügt wird, fällt es schwer, das Interesse wachzuhalten. Denn die Inszenierung wirkt zum Ende hin zu behäbig.

Von der dunklen „Millennium“-Trilogie unterscheidet sich „Intrigo – Tod eines Autors“ durch lichtdurchflutete, freundlich-klare Bilder, die im strengen Gegensatz zur mysteriösen Handlung stehen. Ben Kingsley ist ein wenig unterfordert. Routiniert greift er auf sein Rollenprofil als undurchsichtiger, charismatischer und zynischer Glatzkopf zurück, das er seit „Sexy Beast“ schon mehrmals erprobt hat. Deshalb muss Benno Fürmann den Film vorrangig alleine tragen, der von naiv bis schuldbewusst, wissend bis ratlos alle Register zieht.

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