Career Day mit Hindernissen

Komödie | USA 2018 | 81 Minuten

Regie: Judy Greer

Am sogenannten „Career Day“, an dem Eltern in der Schule ihrer Kinder über ihre Berufe sprechen, kreuzen sich die Schicksale mehrerer Menschen. Im Zentrum steht ein alleinerziehender Buchhalter, der wegen einer Lappalie seinen Job verliert, sich mit einer zornigen Geliebten herumschlagen muss und dann auch noch erlebt, wie seine Tochter sich mit dem Sohn seines arroganten Chefs anfreundet. Der oberflächliche Episodenfilm kann sich nicht entscheiden, ob er eine makabre Komödie oder ein tränenseliges Drama sein will. Der Humor fällt flach und banal aus. Trotz namhafter Schauspieler gewinnen auch die Figuren keine Kontur. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
A HAPPENING OF MONUMENTAL PROPORTIONS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Judy Greer
Buch
Gary Lundy
Kamera
Alison Kelly
Musik
Alec Puro
Schnitt
Suzanne Spangler
Darsteller
Jennifer Garner (Nadine) · John Cho (Mr. Ramirez) · Allison Janney (Rektorin Nichols) · Katie Holmes (Sanitäterin) · Bradley Whitford (Arthur Schneedy)
Länge
81 Minuten
Kinostart
25.10.2018
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie
Diskussion

„Career Day“ heißt in den USA der Tag, an dem Eltern die Schule ihrer Kinder besuchen, um über ihre Berufe zu sprechen. Dieser Tag beginnt damit, dass die Protagonisten des Films aufstehen, frühstücken und sich dann auf den Weg zur Arbeit oder zur Schule machen. Am Abend weiß man dann, wie sich die unterschiedlichen Schicksale verwoben und die Lebenswege gekreuzt haben.

Für die Rektorin und einen ihrer Kollegen fängt der Arbeitstag mit einer Leiche an. Der Gärtner der Schule ist tot umgefallen und liegt nun im Weg. Um Eltern wie Schüler nicht zu verschrecken, packen die beiden an und schaffen den Toten ins Lehrerzimmer.

Der Buchhalter Daniel hat hingegen Stress auf der Arbeit, nicht nur wegen einer Romanze mit seiner Kollegin Nadine, sondern auch wegen einer kaputten Kaffeemaschine: Sein neuer Chef ist nicht bereit, Sachbeschädigungen im Büro zu dulden.

Daniels Tochter Patricia freundet sich mit dem neuen Schüler Darius an. Doch der sensible, aber auch sehr nerdige Darius ist der Sohn von Daniels Chef.

Weiterhin treten auf: Mr. McRow, der deprimierte Musiklehrer. Seine Freundin hat ihn aus der gemeinsamen Wohnung geworfen; die Nacht musste er im Auto verbringen. Nun schleicht er wie ein kettenrauchender Zombie über die Schulflure. Dann ist da noch John Cho als cooler Lehrer, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und die Schüler in Liebesangelegenheiten berät. In der Zwischenzeit hat Daniel seinen Job verloren. Und muss sich dem Zorn von Nadines Ehemann stellen.

Eigentlich kennt man Judy Greer als Schauspielerin mit prägnantem Rollenprofil, etwa in „The Descendants“ oder „Elizabethtown“; aktuell ist sie als Tochter von Jamie Lee Curtis in „Halloween“ zu sehen. „Career Day mit Hindernissen“ ist ihr erster Film als Regisseurin, für den sie zahlreiche Kollegen wie Jennifer Garner, Katie Holmes, Allison Janney und Bradley Whitford gewonnen hat. Doch das ist die reine Verschwendung. Denn das Drehbuch erlaubt keinem der namhaften Darsteller, seine Figur mit Leben zu füllen. Am undankbarsten ist die Rolle von Jennifer Garner, die als Nadine nichts anderes zu tun hat, als wütend im engen Bleistift-Rock durch die Büroflure zu stöckeln.

Greer konnte sich nicht entscheiden, was sie inszenieren will: eine lakonisch-makabre Komödie oder ein süßes, tränenrührendes Drama. Wenn eine Leiche im Weg liegt, sollte man daraus doch genügend Situationskomik entwickeln. Man muss sich ja nicht gleich Hitchcock zum Vorbild nehmen; Ted Kotcheffs „Immer Ärger mit Bernie“ hätte mit seiner groben Situationskomik schon gereicht.

Wenn Katie Holmes und Nat Faxon, der Co-Autor von „The Descendants“, als Sanitäter in der Schule ankommen und sich schnippisch weigern, die Leiche mitzunehmen, ist das weder komisch noch unterhaltsam. Läppisch auch die Posse um die kaputte Kaffeemaschine, deren unsachgemäße Bedienung mit Geheimdienstmethoden aufgeklärt werden soll. Diese Szene dauert viel zu lang und ist für die Beteiligten viel zu beschämend. Dabei ist der Humor weder beleidigend noch bewegt er sich unterhalb der Gürtellinie; dem Drehbuchautor Gary Lundy ist schlicht nichts Originelles oder Witziges eingefallen, um die Absurdität dieser Situation auszuloten.

Und wenn Darius sich in Patricia verliebt, ihr innerhalb weniger Minuten seine Liebe gesteht und dann, als sie ihn freundlich in die Schranken weist, zu weinen anfängt, gleicht dies einer Desavouierung der Figur. Hinzu kommt, dass solche Episodenfilme, die wie in „Leben und Lieben in L.A.“ und „L.A. Crash“ das Lebensgefühl der Bewohner von Los Angeles spürbar machen wollen, mittlerweile etwas seltsam Angestaubtes haben. Eine runde Geschichte mit glaubwürdigen, komplexen Charakteren – und dieser Film wäre seinem Originaltitel „A Happening of Monumental Proportions“ vielleicht gerecht geworden.

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