Projekt: Antarktis

Dokumentarfilm | Deutschland 2018 | 101 Minuten

Regie: Tim David Müller-Zitzke

Drei Freunde aus Bremerhaven wollen einen Kinofilm über eine Expedition in die Antarktis und die damit verbundenen Beschwerlichkeiten drehen. Über Buenos Aires reisen sie nach Ushuaia und besteigen ein Expeditionsschiff, um an ihr Ziel zu gelangen. Was sie dort schließlich filmen, ist nett anzuschauen, reicht in seinem Erkenntniswert aber kaum über informative Naturdokumentationen hinaus. Eigentliches Thema des mit zahllosen Lebensweisheiten garnierten Films scheint allerdings die Suche nach sich selbst zu sein. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Tim David Müller-Zitzke · Michael Ginzburg · Dennis Vogt
Kamera
Michael Ginzburg · Tim David Müller-Zitzke · Dennis Vogt
Schnitt
Tim David Müller-Zitzke · Michael Ginzburg · Dennis Vogt
Länge
101 Minuten
Kinostart
25.10.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion
Einen Dokumentarfilm kann man aus ganz unterschiedlichen Motiven drehen. Mit dem vielseitigen Medium können soziale Konflikte beleuchtet, Umweltkatastrophen aufgezeigt oder interessante Menschen porträtiert werden. Ansporn für einen Film kann es aber auch sein, einfach nur einen Film zu drehen. Bei „Projekt: Antarktis – Die Reise unseres Lebens“ der Freunde Tim David Müller-Zitzke, Michael Ginzburg und Dennis Vogt scheint ein solcher Fall vorzuliegen. Die drei selbstbewussten jungen Männer haben vor Jahren beschlossen, einen Kinofilm über die Antarktis zu drehen und die damit verbundenen Beschwerlichkeiten zu dokumentieren. Dafür müssen sie ihre Heimat in Bremerhaven aber hinter sich lassen. Über Buenos Aires soll es nach Ushuaia gehen, der südlichsten Stadt der Welt, und von dort mit einem Expeditionsschiff über die Drake-Passage in die Antarktis. Doch zunächst durchkreuzt der argentinische Zoll ihre Pläne, da er das Kameraequipment einbehält. Mit Hilfe eines leicht undurchsichtigen Mittelsmanns erhalten sie ihr Material schließlich wieder zurück. Die Expedition beginnt. Aber welchem Zweck dient sie eigentlich? Der Pressetext verkauft das Unterfangen als eine Art Motivationsseminar für Zauderer: „Sie wollen herausfinden, ob es möglich ist, auch die entferntesten Ziele zu erreichen, wenn man es nur doll genug will.“ Nun ist die Antarktis von Bremerhaven tatsächlich sehr weit entfernt. Doch wer unter einem Ziel mehr als eine Reisedestination versteht oder den Begriff „Projekt“ als etwas begreift, das über die bloße Lust am Reisen hinausgeht, sieht sich getäuscht. Auf ihrem Selbsterfahrungstrip üben sich die drei Freunde gelegentlich auch in Kulturkritik. So prangern sie die schnelllebige Zeit an, in der alles sofort auf Instagram und Facebook gepostet wird. Auch die Umwelt ist ihnen wichtig. Es gefällt ihnen, dass die Antarktis niemand gehört und nur unter strengen Auflagen betreten werden darf. Viel Gelegenheit, das eisige Weiß zu filmen, bekommen sie zunächst aber nicht. Die Drei werden seekrank und geraten in antarktische Stürme. Sie filmen sich in ihrer Koje, auf Deck oder beim Gespräch mit der Schiffscrew. Was man dann zu sehen bekommt, wenn sie die Antarktis schließlich doch betreten oder mit dem Helikopter überfliegen, wirkt bodenständig. Natürlich ist es nett, die flauschigen Pinguinküken aus der Nähe zu betrachten. Über den Lebensraum von Kaiserpinguinen („Das ist kein Zoo – Wildlife, Alter!“) und Buckelwale („Die Blauwale haben wir leider verpasst“) erfährt man in den informativen Tierdokus auf arte oder den dritten Programmen allerdings mehr. Auch die vielbeschworene „endlose Weite“ oder die „rohe Gewalt der Natur“ wird über die Filmbilder nur manchmal spürbar. Dokumentarische Selbstbespiegelungen können als Filmsujet durchaus ergiebig sein, doch dafür haben die Protagonisten eindeutig zu wenig zu erzählen. Das hält sie aber nicht davon ab, auf jeder Etappe der beschwerlichen Expedition wertvolle Weisheiten à la „Hör auf dein Bauchgefühl“ oder „Es lohnt sich, für einen Traum zu kämpfen“ vom Stapel zu lassen. Der US-Amerikaner Sean kommt den drei Freunden dabei gerade recht. Er ist mit einer Beinprothese unterwegs und testet ständig seine Grenzen aus. „This is not what you wanted“, tönt es in dem Song „Bad Kingdom“ von der Gruppe „Moderat“ aus dem Off. Vielleicht sollte der Film in irgendeiner Produktionsphase ja mal einen anderen Weg nehmen. Einen Dokumentarfilm kann man aus ganz unterschiedlichen Motiven anschauen – aus Neugier, Zerstreuungsdrang oder dem Wunsch nach einem Perspektivenwechsel. „Projekt: Antarktis“ dürfte vor allem Menschen ansprechen, die junge Menschen gerne auf ausgedehnte Egotrips beobachten.
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