Elliot - Das kleinste Rentier

Animationsfilm | Kanada 2017 | 89 Minuten

Regie: Jennifer Westcott

Ein Minipferd aus North Dakota träumt davon, einmal den Schlitten des Weihnachtsmanns ziehen zu dürfen. Als eines der acht Rentiere von Santa Claus ausfällt, nimmt es an den aufreibenden Ausscheidungswettkämpfen teil. Der eher betulich erzählte, aber stark dialoglastige Animationsfilm ist mit vielen Nebenschauplätze und Nebenfiguren so überladen, dass man dem eigentlichen Handlungsstrang nur mühsam zu folgen vermag. Überdies beschäftigt sich der tricktechnisch nicht gerade innovative Film ausschließlich mit US-amerikanischen Weihnachtsbräuchen, was seiner Anschlussfähigkeit hierzulande Grenzen setzt. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
ELLIOT THE LITTLEST REINDEER
Produktionsland
Kanada
Produktionsjahr
2017
Regie
Jennifer Westcott
Buch
Jennifer Westcott
Musik
Grayson Matthews
Schnitt
Ali Lynette-Krech
Länge
89 Minuten
Kinostart
08.11.2018
Pädagogisches Urteil
- Ab 8.
Genre
Animationsfilm
Diskussion

In Nordamerika ticken die Uhren bekanntlich etwas anders, wenn es um das Weihnachtsfest geht. Während bei uns das Christkind am Heiligen Abend die Geschenke bringt, lässt in den USA der Weihnachtsmann alias Santa Claus in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember seine Präsente durch den Kamin in die Wohnzimmer hinab, die dann am ersten Feiertag geöffnet werden. Und während hierzulande das Christkind allein unterwegs ist, fährt Santa Claus mit einem schicken Schlitten, vor den acht prächtige Rentiere gespannt sind, durch die Lüfte.

Diese getreuen Vasallen von Santa Claus wurden schon oft in Liedern besungen und mit Filmen geehrt. In diese Tradition reiht sich auch „Elliot – Das kleinste Rentier“ ein. Es ist das Animationsregiedebüt von Jennifer Westcott, die in Kanada studiert hat und hier erstmals als Regisseurin und Autorin in Erscheinung tritt. Etwas mehr Erfahrung bringt der Produzent Lucas Lynette-Krech („Fish N Chips: The Movie“, „Voll auf die Nuss“) mit. Als Geschäftsführer des kanadischen Animationsstudios Awesometown Entertainment zeichnet er auch als Co-Produzent von „Tabaluga – Der Film“ verantwortlich, der am 6. Dezember in den deutschen Kinos startet.

In ihrem Film erzählen Westcott und Lynette-Krech die Geschichte des Minipferdes Elliot, das auf einer idyllischen Farm irgendwo in North Dakota davon träumt, eines Tages den Schlitten des Weihnachtsmanns ziehen zu dürfen. Als eines der acht Rentiere kurzfristig ausfällt, sieht Elliot seine Chance gekommen. Gemeinsam mit seiner Freundin, dem Ziegenmädchen Hazel, begibt er sich zum Nordpol, um an einem dreitägigen Ausscheidungswettkampf um Schnelligkeit und Geschicklichkeit teilzunehmen, an dessen Ende dem Sieger der frei gewordene Platz winkt.

Das Problem ist nur, dass Pferde, und erst recht kleinwüchsige, an diesem Wettbewerb gar nicht mitmachen dürfen. Doch das ist nur eine von vielen Herausforderungen, die beide zu bestehen haben. Westcott begnügt sich allerdings nicht nur mit dieser Geschichte. Es werden vielmehr unzählige Nebenschauplätze aufgemacht und immer wieder neue Nebenfiguren eingeführt, die es vor allem dem jungen Publikum fast unmöglich machen, den eigentlichen Handlungsstrang zu verfolgen. So versucht etwa der finanziell klamme Besitzer der Ranch, sein Anwesen samt dessen Bewohnern zu veräußern. Obendrein wird an anderer Stelle eine Liebesgeschichte zwischen ihm und einer Reporterin angedeutet.

Auf der Ebene der Tiere wird im Rentierlager ein Vater-Sohn-Konflikt ausgewalzt, und ein mit Kriegsbemalung ausstaffierter Pferdekumpel von Elliot gibt eine schräge Variation von Mel Gibsons „Braveheart“-Charakter. Das ist weder besonders komisch, noch hilft es der Story weiter. Auf einer fantastischen Ebene gibt es auch noch einen Rentier-hassenden Bösewicht namens Lemondrop, der mit seinen niedlichen Ohren an Meister Yoda aus „Star Wars“ erinnert. Dieser Elf ist dann aber wenigstens Anlass, dass es zum Finale hin eine deutliche Tempoverschärfung in einem sehr betulichen Film gibt.

In der Animation überwiegen runde, weiche Formen, bei den die Farbender Winterlandschaft dominieren, Weiß, Grau und Blau. Die Bewegungen der Figuren sind weniger rund und in den Actionsequenzen auch etwas ruckartig; Schneegestöber erinnern eher an weiße Striche; sie wirken wie Bildfehler und damit wenig realistisch. Für die Originalfassung konnten renommierte Darsteller als Synchronsprecher gewonnen werden, wobei John Cleese als alterndes Rentier Donner und Martin Short, der gleich mehreren Figuren seine Stimme leiht, herausragen. Kürzungen in den Dialogen hätten dem Film aber durchaus gut getan. Denn Westcott strapaziert den Zuschauer mit einem Worte-Teppich und lässt kaum Gelegenheit, das Gehörte zu verarbeiten. Da sich „Elliot – Das kleinste Rentier“ überdies ausschließlich mit US-amerikanischen Weihnachtsbräuchen beschäftigt, dürfte das Interesse des europäischen Publikums überschaubar bleiben.

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