Ignatius von Loyola

Biopic | Spanien/Philippinen 2016 | 126 Minuten

Regie: Paolo Dy

Ein biografischer Film über Ignatius von Loyola, den Gründer des Jesuitenordens. Der Film konzentriert sich auf dessen Werdegang als junger Mann, skizziert seine Herkunft aus einer baskischen Adelsfamilie und seine militärische Karriere, die endet, als sich Ignatius nach einer Verwundung seiner religiösen Sinnsuche widmet und sich schließlich zum Theologiestudium nach Paris begibt. Dabei gibt sich der Film, gestützt auf die autobiografischen Zeugnisse des Ignatius von Loyola, Mühe, ihn als Menschen in all seinen Widersprüchen zu zeigen, verwässert dies jedoch durch den Versuch, die Filmbiografie mittels mäßig gelungener digitaler Effekte zum großen Historienspektakel aufzublasen. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
IGNACIO DE LOYOLA
Produktionsland
Spanien/Philippinen
Produktionsjahr
2016
Regie
Paolo Dy · Cathy Azanza
Buch
Paolo Dy
Kamera
Lee Meily
Musik
Ryan Cayabyab
Schnitt
She Lopez
Darsteller
Andreas Muñoz (Iñigo/Ignatius) · Javier Godino (Xanti) · Julio Perillán (Pater Sanchez) · Pepe Ocio (Montes) · Mario de la Rosa (Calixto)
Länge
126 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Biopic | Historienfilm

Heimkino

Verleih DVD
Schröder Medien
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Diskussion

Ein Film über den Gründer des Jesuitenordens. Zwar zeichnet er Ignatius durchaus interessant als Menschen voller Widersprüche, verwässert den inhaltlichen Anspruch jedoch durchs unbeholfene digitale Aufmotzen der Biografie zum Historienspektakel.

Bei der Belagerung Pamplonas durch französische Truppen 1521, so erzählt es die Film-Biografie von Paolo Dy, wird das rechte Bein eines jungen Adligen namens Ignatius (oder baskisch: Inigo) von einer Kanonenkugel zerschmettert. Gerade 30 Jahre alt, muss er mehrere Male operiert werden und behält Zeit seines Lebens ein leichtes Hinken. Noch zwischen Leben und Tod, wird er in das Haus seiner Familie nach Loyola gebracht. Hier verlangt der bettlägerige Krieger, wie der Held in Cervantes' Roman „Don Quijote“, nach Ritterromanen. Aber im ganzen Haus gab es nur Heiligenlegenden und die Bibel. Für Ignatius vollzieht sich zwischen Gebeten, Lektüre und fiebrigen Visionen die Wandlung vom kampfbereiten Ritter zum demütigen Pilger.

So skizziert der philippinische Film „Ignatius von Loyola. Kämpfer – Sünder – Heiliger“ die Berufung des Mannes, der später als Ignatius von Loyola in die Geschichte einging – als Gründer des 1540 entstandenen Jesuitenordens (auch bekannt als Gesellschaft Jesu, auf Latein: Societas Jesu mit der Abkürzung SJ). Ignatius kam, so erfährt man darin, aus einem alten kämpferischen Adelsgeschlecht aus den baskischen Bergen und wurde dort 1491 – der genaue Geburtstag ist unbekannt – als jüngstes von 13 Kindern geboren. Seine Mutter starb kurz nach seiner Geburt. Wie viele junge Landadelige hatte sich auch der jüngste der Loyolas für die militärische Karriere entschieden. Um ihr dann, nach seinem Erweckungs-Erlebnis nach der Verwundung, radikal den Rücken zu kehren: Er zieht hinaus in die Welt, wählt gegen den Willen seiner Familie das Leben des besitzlosen Bettlers. Sein Weg führt ihn über den Berg Montserrat, die Höhle und das Hospiz der Stadt Manresa bis zur Universität von Salamanca, wo er 1527 wegen illegalen Predigens vor das Gericht der Inquisition gestellt wird.

Ein Mensch in all seinen Widersprüchen

„Ignatius von Loyola. Kämpfer – Sünder – Heiliger“ erzählt das Leben des Heiligen bis zu seinem Theologiestudium in Paris. Er beginnt mit der Belagerung der Festung Pamplona gegen die Franzosen und endet mit dem Weg des 33-jährigen Ignatius nach Paris zu seinem Theologiestudium. Gezeigt wird ein Mensch in seinen Widersprüchen: Das Kind, das von seinem Vater in aller Härte zum Schwertkampf ausgebildet wird, den jungen Kämpfer, der bereit ist, sein Leben und das aller Soldaten in der sinnlosen Verteidigung zerbrochener Festungsmauern zu opfern, den Ritter, der seiner Herzensdame, der Prinzessin Catalina, und der kastilischen Krone Treue schwört, den Kriegsversehrten auf der Suche nach einem neuen Lebenssinn, den asketischen Pilger und Eremiten und den Prediger, dem der Segen der Kirche zunächst versagt bleibt.

Ignatius, wie er hier porträtiert wird, ist kein heiliger Franziskus, sanftmütig und allen Geschöpfen Gottes zugewandt, sondern immer wieder selbstkritisch, ja selbstzerstörerisch, der eigenen Eitelkeit und Gefallsucht durchaus bewusst. Soldat bleibt er immer, die Heiligen sieht er als „Ritter des Himmels“, die Kirche als Festung mit zerbrochenen Mauern, die es mit aller Kraft zu verteidigen gilt: „Dort draußen tobt ein Krieg. Wir alle sind die Armee Gottes“, erklärt er vor dem Tribunal der Inquisition.

Das Spielfilmdebüt des philippinischen Werbefilmmachers Paolo Dy und seiner Frau und Co-Regisseurin, der philippinischen Schauspielerin Cathy Azanza, beruht auf Ignatius' „Bericht des Pilgers“: seiner Autobiographie, die er zwischen 1553 und 1555 an Luis Gonçalves da Câmara diktierte. Produziert hat die Gesellschaft Jesu selbst über ihre Produktionsfirma Jesuit Comunications Philippines. Mit einem Budget von etwa 900.000 Euro und spanischen Schauspielern wurde der zweistündige Film an Originalschauplätzen in englischer Sprache gedreht. In der Hauptrolle Andrés Muñoz, der in Spanien überwiegend durch Fernsehserien bekannt wurde, der Ignatius de Loyola aber in seinem inneren Kampf sehr glaubwürdig darstellt. Wie auch sonst die schauspielerische Leistung überzeugt, zum Beispiel von Gonzalo Trujillo als Inquisitor Frias oder Tacuara Casares als unglückliche Prinzessin Catalina, Schwester Karl V., Tochter der noch unglücklicheren Juana la Loca und spätere Königin von Portugal.

Verwässerung durch mäßig gelungenen Effektbombast

Insgesamt wird der Film der komplexen Figur Ignatius trotzdem nicht gerecht. Das liegt besonders an der plakativen Bildgestaltung: Die Entwicklung und der innere Kampf der Hauptfigur werden häufig durch Szenen bebildert, die immer großes Genrekino andeuten, es aber nicht wirklich schaffen, epischen Atem zu verbreiten. Das beginnt mit dem Schwert der Loyolas am Beginn des Films, das als eine Art „Excalibur“ präsentiert wird, über die Eroberung der Festung Pamplonas durch ein allzu offensichtlich digital geklontes französisches Heer, bis hin zu den traumartig-verwaschenen Landschaften, die mehr an Peter Jacksons „Herr der Ringe“ als an reale Landschaften denken lassen, bis hin zu wenig originellen Mantel-und-Degen-Szenen. Dabei klaffen Text und Bild weit auseinander: Die nüchterne, mitunter spröde Sprache des berichtenden Pilgers und seine spirituellen Erfahrungen passen nicht zu dem Reigen digitaler Effekte und ihrer üppigen sinfonischen Begleitmusik, die beide an unter großen finanziellen Druck entstandene Fantasy-Filme erinnern.

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